21. Finale
Der Tag ging schließlich seinem Ende entgegen. Es wurde noch ein wunderschöner Nachmittag, in dem wirklich alle, einschließlich Jess, die Mädchen und Rea ihren Spaß hatten. Jess war glücklich, als schließlich auch Rea wieder zu ihnen trat, und mit ihnen den restlichen Nachmittag verbrachte. Doch schließlich war es soweit, der Abend brach an, das Krankenhaus, einschließlich ihrer Abteilung, schloss seine Pforten, und sie mussten gehen. Natürlich waren alle ein wenig traurig, doch Rea versprach Jess, wieder zu kommen und auch die Mädchen mitzubringen, soweit es ihre Zeit in der nächsten Woche - vor dem großen Finale mit Dana - zulassen würde. Doch zumindest Steffi versprach Jess, sie unabhängig davon wieder zu besuchen, denn sie wusste ja jetzt, wie sie zum Krankenhaus kommen konnte, auch, wenn Rea keine Zeit hatte, und so war es schließlich doch nicht ganz so schlimm, als sie Jess schließlich alleine lassen und das Krankenhaus verlassen mussten.
Und so verging die nächste Woche. Für Dana beinahe wie im Flug, denn sie war vollkommen in die Proben für das Finale involviert und sowohl sie als auch ihr Coach Rea hatten leider nicht mehr so viel Zeit, um Jess im Krankenhaus zu besuchen; doch diese hatte Verständnis dafür und Steffi hielt ihr Versprechen und fuhr öfters am Nachmittag, nach der Schule - in die sie jetzt natürlich nach ihrem Ausstieg von “The Voice” wieder regelmäßig gehen musste - zu ihr um ihr Gesellschaft zu leisten. Und natürlich war auch weiterhin Jennifer bei ihr, um mit ihr auch weiterhin über ihre Gefühle - seien es positive oder negative - zu sprechen.
Jess war offener geworden. Sie vertraute Jennifer vollkommen und in den letzten Tagen waren ihre positiven Gefühle um einiges gestiegen. Natürlich hatte sie auch weiterhin negative Gefühle, die nicht verschwunden waren. Es gab Momente, in denen sie an die Tat zurück dachte; und einmal sah Jennifer sie durch ihren Monitor, als sie verkrümmt in ihrem Bett lag, und weinte; Natürlich lief sie sofort zu ihr, um sie zu fragen, was mit ihr los war - und im Gegensatz zu früher, als sie sich vermutlich umgedreht und sich versteift hätte, und vermutlich nichts aus ihr heraus zu bekommen gewesen wäre, teilte Jess ihr ihre Gefühle sofort mit. Sie hatte kurze Zeit zuvor einen Traum gehabt; doch dieses Mal war es ein furchtbarer Traum gewesen.. ER war bei ihr gewesen; er hatte erneut versucht, ihr etwas anzutun, sie zu vergewaltigen. Er hatte sie bedroht und sie sah ihn immer noch vor sich… Jess hatte erneut begonnen zu weinen und Jennifer nahm sie in den Arm: “Es ist vorbei! Schsch.. Es war nur ein Traum, Jess… Sieh mich an!” sagte sie leise und nahm ihr Gesicht in ihre Hände: “Es war nur ein ganz schlimmer Traum! So etwas wird nie wieder geschehen. Und hier schon einmal gar nicht!” Natürlich hatte niemand Jess erzählt, dass einige Zeit zuvor eine Frau von ihm missbraucht worden war, und Jennifer hatte auch nicht vor, dies zu tun. Nach diesem - hoffentlich nur kurzen - Rückfall wusste Jennifer auch, dass Jess dies niemals erfahren durfte! Trotz ihrer vielen positiven Erlebnisse war sie noch nicht soweit!
Natürlich wusste Jennifer auch, dass dies nur die Teilwahrheit war, die sie Jess erzählt hatte und weiterhin weismachen musste: Hier konnte ihr tatsächlich nichts passieren; sie war noch sicher - aber was war, wenn sie entlassen wurde? Der Zeitpunkt der Entlassung kam immer näher; es war bestimmt worden, dass sie eine Woche nach dem Finale, das sie sich unter ihrer “Bewachung” noch anschauen durfte, und nach einer abschließenden “Generaluntersuchung” - die sowohl ihre körperliche, als auch psychische Verfassung beinhaltete - entlassen werden sollte, sofern beide Untersuchungen als zufrieden stellend beurteilt werden würden.
Die physische Untersuchung wurde von den behandelnden Ärzten durchgeführt, die sie auch ab und an immer noch untersuchten, doch das war eigentlich das kleinere “Problem”. Ihre Wunden waren verheilt und sie hatte auch keine Schmerzen mehr.
Ihre psychische Verfassung war etwas komplizierter. Sie hatte zwar, wie Jennifer wusste, einen großen Sprung nach vorne gemacht, nicht zuletzt auch durch die Besuche von Rea und ihren Freundinnen, aber trotzdem war da immer noch ein dunkler Fleck auf ihrer Seele, der nicht verschwunden war, und sie immer noch belastete. Dennoch war Jennifer klar, dass dies nicht einfach so verschwinden würde; vermutlich würde dieser “Fleck” - dieses “Dunkle” immer bleiben, so wie es bei den meisten Opfern dieser furchtbaren Tat der Fall war. Doch daran konnte sie nichts ändern. Sie waren hier nicht auf Endlostherapie eingestellt. Nicht hier in dieser Abteilung. Und Jennifer wusste auch, dass es Jess zu “gut” ging, um sie in eine richtige Psychiatrie zu überweisen. Diese Gefahr bestand definitiv zu Beginn ihrer Therapie noch, aber jetzt nicht mehr, dafür hatte sie sich in den letzten Wochen und vor allem Tagen zu gut gebessert. Außerdem würde nicht sie für den “Abschlusstest” an ihr zuständig sein. Diesen würden unabhängige Psychologen übernehmen, und Jennifer konnte sich schon denken, dass Jess den Test bestehen würde. Und damit endgültig entlassen werden würde - in eine vermutlich ungewisse Zukunft.
Sie seufzte, als sie daran dachte. Doch noch war es nicht soweit. Noch war etwas Zeit, zudem heute Abend ein wirklich schönes Erlebnis anstand: Das Finale! Es war in der Tat bereits erneut eine Woche vergangen, und Jess hatte sich - trotz ihres einen kleinen Rückfalls, in Form des Alptraumes - wieder ganz gut gefangen, so dass Jennifer ihr natürlich erneut den Fernseher gewährte, um sich das wunderbare Event zu gönnen und ihrer besten Freundin zuzuschauen.
Darauf hatte diese sich in der Tat schon mehr als gefreut. Sie strahlte, als Jennifer an dem Abend den Fernseher in ihr Zimmer fuhr und ihn genau um 20.15 Uhr anschaltete. Dann setzte sie sich zu ihr an ihr Bett und lächelte ihr zu. Jess hielt es vor Aufregung kaum noch aus: Nun war es soweit: Ihre beste Freundin würde es allen zeigen! Davon war sie überzeugt. Natürlich waren auch die anderen drei gut, aber Jess wusste, dass Dana die Beste von ihnen war! Ja, sie war davon überzeugt, dass Dana gewinnen würde - auf jeden Fall wünschte sie es ihr - und so setzte sie sich erneut aufrecht in ihr Bett und blickte aufgeregt auf das, was nun kommen möge…
Der Auftakt der Sendung war phänomenal! Wenige Minuten zuvor waren Dana und ihre drei “Rivalen” der anderen Teams vor die Tore des Studios getreten. Außer Dana war noch ein Mädchen aus Team Boss-Hoss, ein weiteres Mädchen aus Team Nena und ein Junge aus Team Xavier, die genauso gespannt und mehr oder weniger nervös neben ihr standen und nur darauf warteten, dass endlich die Tür aufging, und sie ins Studio konnten. Das Finale versprach grandios zu werden - und natürlich wussten auch die anderen, dass Jess ihnen zuschauen würden. Auch sie freuten sich darüber, dass ihre ehemalige Mitstreiterin im “Kampf” um den Titel, die beste “Stimme Deutschlands” zu werden, in der letzten Zeit so gute Fortschritte gemacht hatte. Und keiner von ihnen wollte etwas verhauen - natürlich nicht nur Jess’ wegen, dass war ja klar… Zudem freuten sich alle auch deswegen auf das heutige Finale, weil sich Stargäste angesagt hatten. Jeder von ihnen sang mit einem bestimmten Star und sie alle hatten eigene Songs, die ihr Teamchef für sie komponiert hatte.
Und dann war es endlich soweit. Dana war schon wieder so aufgeregt, dass sie umherhibbelte und wie früher an ihrer Unterlippe nagte, ohne es wirklich zu merken. Dann schließlich wurden sie erlöst. Die Tür wurde geöffnet und die ersten Takte des Openers, der extra für das Finale geschrieben worden war, erklangen. Die Mädchen und der Junge stürmten die Halle und begannen den Song zu singen, und das Publikum begann, frenetisch zu jubeln.
Jess’ Augen glänzten. Sie konnte es kaum noch aushalten und begann schon bei den ersten Takten des Songs mitzuwippen. Es war ein cooler Song, der es durchaus zu einem Sommerhit schaffen konnte. Der Beat nahm sie richtig mit. Sie fand es zwar ein wenig schade, dass sie den Text nicht kannte, und daher nicht mitsingen konnte, aber sie begann trotzdem, einfach geradeheraus mitzusummen. Jennifer lächelte, als sie sie hörte. Es ging ihr gut, davon war sie nun absolut überzeugt.
Dann war der Opener beendet und während das Publikum erneut frenetisch jubelte, stellte sich Thore auf die Bühne und begann, seine kleine Rede zu schwingen und die Finalisten nach der Reihe vorzustellen und sagte gleichzeitig, wer nun seine - beziehungsweise ihre - erste Performance hinlegen würde. Und wieder war es Dana, die als erste auf die Bühne durfte. Mit ihrem Solosong, der - wie bei den anderen ebenso - bei einem Sieg die erste Single werden würde. Er hieß: “Here she is”
Der Song war ein absoluter Hammersong. Jess war von vornherein klar, dass dieser Song von Rea komponiert worden war; es war eine wunderschöne Ballade, die Jess sofort Gänsehaut über den Rücken trieb. Zu Beginn des Songs waren Streicher auf der Bühne, die zuerst leise begannen, den Song anzuspielen. Als Dana mit sanfter, und doch klangvoller Stimme den Song begann zu singen, wurden die Streicher nach einigen Minuten lauter und dann begannen auch weitere Musiker, in den Song einzugreifen. Es klang wundervoll. Die Ballade wurde immer kraftvoller - bis sie zum Schluss hin zu einem wunderschönen Rocksong “mutierte”; und auch Danas Stimme wurde mit der Musik immer lauter und tougher.
Jess war geplättet. So etwas wunderschönes hatte sie noch nie gehört. Sie hatte sich ja schon gedacht, dass Rea sich bestimmt etwas schönes für seine Finalistin einfallen lassen würde; aber so etwas?? Nein, das hatte sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorgestellt… Und dann achtete sie auch ein wenig auf den Text: Sie verstand nicht alles, zumal der Song nun schon eine Weile dran war und sie nicht von Beginn darauf geachtet hatte, aber nun fiel ihr auf, dass es dabei wohl um jemanden ging, der, oder dem, es in seinem Leben nicht so gut gegangen war, und der Stärke und Mut bewiesen hatte, so dass es ihm jetzt wieder besser ging. Jess ahnte, nein, sie wusste, wen er damit meinte und erreichen wollte - sie!
Jess musste schlucken, doch sie lächelte. Ja, es ging ihr wieder ganz “gut” - wenn man das so nennen sollte, und sie wusste wohl, wem sie das zu verdanken hatte. Natürlich auch Jennifer, die so viel für sie getan hatte, und jetzt auch neben ihr saß um sie weiterhin im Auge zu behalten. Natürlich war Jess auch klar, dass es Jennifers Job war, was sie hier tat, und dennoch hatte sie das Gefühl, dass sie es nicht nur deswegen tat, sondern dass sie ihr tatsächlich auch etwas bedeutete. Wenn sie sich das nicht nur einbildete…
Doch unabhängig von ihrer Psychologin hatte sie vor allem Rea so viel zu verdanken. Abgesehen von ihrem Leben natürlich… Jess hatte nicht vergessen, dass Rea sie im letzten Moment von ihrem “Vorhaben” vom Dach des Krankenhauses zu springen, abgehalten hatte. Und so schlecht sie das auch am Anfang empfunden hatte, jetzt war sie froh darüber, dass sie noch lebte. Ja, das war sie und sie lächelte glücklich, als sie nun die Performance ihrer besten Freundin sah, die einen ersten Hammerauftritt hinlegte. So gefühlvoll und doch rockig - und ohne jegliche Fehler. Also so konnte es ruhig bleiben; es folgten ja noch zwei Auftritte von ihr. Und natürlich die der anderen Kandidaten…
Und so verging der Abend beinahe wie im Fluge. Nach Dana, die ihren ersten Auftritt mit Bravour meisterte und von der Jury mit Lob nur so überschüttet wurde, sogar von Boss-Hoss, kam der einzige Junge dran, aus Team Xavier. Er performte dann auch mit Xavier zusammen seinen ersten Song, der sich auch nicht übel anhörte, aber Jess war schon überwiegend auf Dana und Rea fixiert.
Nach dem Jungen folgte das nächste Mädchen aus Team Nena. Sie performte mit dem ersten Stargast, den Jess jetzt nicht unbedingt kannte, und der Song gefiel ihr ehrlich gesagt auch nicht ganz so gut, aber sie fand es trotzdem ganz nett und wippte mit, während auch dieser Song schließlich zu Ende ging.
Nachdem auch diese Performance beendet war, folgte dann auch für die erste Runde die letzte, nämlich das Mädchen aus Team Boss-Hoss, die auch, wie Dana zuvor, bereits in der ersten Runde ihren Solo-Auftritt hinlegte, und, wie nicht anders zu erwarten war, war dies ein absolut rockiger Pop-Rocksong. Das Publikum klatschte und auch Jess wippte in ihrem Bett mit. Er gefiel ihr, auch, wenn sie lächeln musste, als sie daran zurück dachte, wie gerade Alec sich ständig mit Rea gekabbelt hatte - zumindest während der Show…
Und so verging die erste Runde, und natürlich gab Thore immer wieder beinahe schon den “Befehl” schön für den jeweiligen Kandidaten anzurufen, den man als Gewinner sehen wollte. Und dann folgte die Werbung…
Jess seufzte. Das war ja klar gewesen… Und was dann folgte, war auch klar, nämlich natürlich das Gespräch mit Jennifer, die sie bereits die ganze Zeit beobachtete, was Jess natürlich bemerkt hatte, aber es war wirklich alles in Ordnung mit ihr. Sie war glücklich, und das merkte auch Jennifer, also plauderten beide noch ein wenig, auch, über nicht so wichtiges, bis es dann auch wieder weiter ging.
Der zweite Teil der Show begann, und nun war wieder Dana die erste auf der Bühne. Dieses Mal hatte sie ihren Auftritt mit dem Stargast - und Jess hielt den Atem an: Es war Shania Twain! Und der Titel, den Dana mit dem - als Countrysängerin bekannten Star - zusammen performte war: “When you kiss me” - eine wunderschöne sanfte Ballade.
Jess schloss die Augen. Sie liebte diesen Song. Und sie mochte die Sängerin. Diese hielt sich bei ihrem Song derweil zurück und überließ hauptsächlich Dana die Vorhut; ihre Stimme übernahm quasi die Backvocals. Und Dana hatte eine wunderbare, kraftvolle Stimme, die bei diesem Song wirklich wunderschön zum Tragen kam.
Wieder waren alle begeistert, auch, wenn dieses Mal - natürlich von Alec - eine klitzekleine Kritik kam, in dem er sagte, dass sie es ruhig mal etwas rockiger hätte angehen lassen können, gerade bei Shania Twain gab es so viele rockige Songs, warum sie sich gerade diesen ausgesucht hätte… Nun ja, Jess hätte es auch gewundert, wenn Alec gar nichts zu bemängeln gehabt hätte, und Dana konterte gekonnt, dass dies zwar stimmen würde, aber es trotz allem einfach ihr Lieblingssong wäre und sie sich diesen daher ausgesucht hatte! Darauf lächelte Alec nur und erwiderte nichts mehr und so konnte die Show weiter gehen. Natürlich ließ sich Rea nicht nehmen, Dana zu bestätigen, dass ihre Performance wunderschön gewesen war, und er nicht ein bisschen zu bemängeln gehabt hatte. Dana lächelte und überließ dem nächsten ihren Platz auf der Bühne.
Der Junge aus Team Xavier hatte nun seinen Soloauftritt, und auch dieser Song war sehr schön. Dennoch fand Jess bis jetzt nicht einen einzigen, der Dana das Wasser reichen konnte - sie MUSSTE einfach gewinnen! Leider waren ja der Jury die Hände gebunden, es lag nur am Publikum, wer von ihnen gewinnen würde. Sie konnte nur hoffen, dass dieses es genauso sah. Dana war - bis jetzt auf jeden Fall - definitiv wunderbar und von allen die beste gewesen! Doch es konnte natürlich auch sein, dass sie das ganze etwas zu verklärt sah - immerhin war sie ihre beste Freundin - und sie würde es natürlich auch den anderen gönnen, wenn Dana es nicht schaffen würde.
Aber noch war es nicht so weit, und nach dem Jungen aus Team Xavier, kam erneut das Mädchen aus Team Nena dran. Dieses Mal performte sie mit Nena zusammen. Der Song war okay, aber nicht - wie eigentlich die meisten Songs von Nena - wirklich nach Jess’ Geschmack. Dennoch fand sie ihn nicht schlecht, und wartete ab, bis auch dieser beendet war. Als schließlich die Jurymitglieder ihre Meinung dazu abgegeben hatten, folgte schließlich - und für diese Runde letztlich - noch das Mädchen aus Team Boss-Hoss, die wie Dana zuvor auch, mit ihrem Stargast performte. Es war ein eher unbekannter Musiker, zumindest kannte ihn Jess nicht, doch der Song war zumindest nicht schlecht.
Und so endete schließlich auch diese Runde, und Thore animierte das Publikum im Saal und zu Hause erneut dazu, anzurufen und für ihren Kandidaten abzustimmen.
Langsam wurde Jess nervös. Es ging dem Ende entgegen. Natürlich folgte wieder Werbung, und wieder kam eine neue Runde, in der sie mit Jennifer über ihre Gefühle und Gedanken sprach. Noch war alles in Ordnung, und das merkte auch Jennifer. Und auch, wenn es Jess langsam ein wenig auf die Nerven ging, unter Dauerbeobachtung zu stehen, so wusste sie, dass es eben sein musste, und schließlich war auch diese Werbung wieder vorbei - und die letzte Runde stand an!
Wieder war Dana die erste - und dieses Mal folgte ein Auftritt mit Rea. Auch dieser Song war der absolute Hammer. Es war dieses Mal ein rockiger Song, den Jess dem Sänger und ihrem ehemaligen Teamcoach gar nicht so zugetraut hätte. Er war bestimmt selbst komponiert, doch er war voll mit Rockklängen und hartem Bass- und Gitarrensound. Es hatte beinahe etwas von früherem Reamonn-songs…. Auch das gefiel Dana und sie tanzte beinahe in ihrem Bett. Zumindest hüpfte sie ein bisschen.. Jennifer schmunzelte, sagte aber nichts weiter. Dann war der Auftritt vorüber und Rea verabschiedete sich, um sich wieder zu den anderen Jury-Mitgliedern zu setzen. Danas Auftritte waren vorbei. Sie konnte sich jetzt endgültig nach oben in die Lounge setzen, und bis zu ihrem letzten Aufruf dort verbleiben. Bis es dann endgültig zur Entscheidung kommen würde.. Doch vorab waren noch ihre Mitstreiter dran; als nächstes natürlich wieder Team Xavier…
Der Junge trat nun als letztes mit dem Stargast auf, und dieses Mal war es ebenfalls jemand, den Dana sehr gut fand - es waren Revolverheld, und auch dieses Mal hielten sich die Jungs mehr im Hintergrund, während Xaviers Kandidat ihren Song performte. Es war sehr schön, und auch er bekam sehr gute Rückmeldungen.
Nach ihm performte Nenas Kandidatin, ihren letzten Auftritt - ihr Sololied, das zumindest Jess jetzt nicht soo wahnsinnig gefiel… Aber vielleicht lag es daran, dass es ein deutscher Song war und definitiv von Nena komponiert worden war? Jess konnte es hören. Es lag ihr einfach nicht so, und dennoch hörte sie ihn sich an und als sie fertig war, klatschte Jess sogar Beifall.
Dann folgte zum Schluss noch das Mädchen aus Team Boss-Hoss. Diese hatte, wie Dana zuvor auch, ihren Auftritt mit ihren Coaches - also Alec und Sascha. Natürlich war das ein absoluter Country-Pop-Song Marke Boss-Hoss. Jess lächelte, als sie ihn hörte, sie hatte auch nichts anderes von den Jungs erwartet. Die Jury gab ihre Meinung dazu ab und Rea ließ es sich nicht nehmen, den Jungs ein wenig verschmitzt zu Verstehen zu geben, was er von dieser Performance hielt… Doch es war klar, dass es mehr scherzhaft zu verstehen war, und sowohl sie als auch die Kandidatin verstanden es auch so. Im Grunde gefiel Rea der Auftritt und das sagte er dann natürlich auch, um keine Missverständnisse entstehen zu lassen. Dafür war das Finale nun zu wichtig! Spaß musste sein, dennoch sollte niemand sich in irgend einer Form benachteiligt fühlen..
Und so war es schließlich soweit. Alle Kandidaten hatten ihren Auftritt hingelegt und es folgte noch ein gemeinsamer Auftritt mit einem Stargast der Extraklasse: Robbie Williams! Das war das Highlight des Abends und darauf hatten sich schon alle gefreut. Nun war es soweit und nach einer weiteren dämlichen Werbepause kamen alle noch einmal auf die Bühne und performten “Let me entertain you” mit dem Superstar gemeinsam. Es war der absolute Hammer!
Jess stand beinahe wie hypnotisiert in ihrem Bett. Was würde sie sich wünschen, auch dort zu sein… Nicht, dass sie Dana das nicht wünschen würde, und wenn sie sich vorstellen würde, dass sie gegen Dana oder Steffi im Halbfinale hätte antreten müssen, dass wäre schon eine harte Nuss gewesen.. Aber sie hätte es eventuell schaffen können und hätte nun dort oben stehen können.. Zusammen mit den ganzen Stars! Robbie Williams… Wahnsinn…
Doch dann fiel ihr wieder ein, dass sie ja beobachtet wurde und versuchte, sich ihre Gedanken aus dem Kopf zu treiben. Und wie durch ein Wunder schien Jennifer dieses Mal nichts bemerkt zu haben. Sie fragte sie jedenfalls - noch - nicht nach ihrem Befinden. Noch war auch keine Werbung, und dann kam erneut Thore auf die Bühne und gab nun den baldigen Schluss der Sendung bekannt. Es war nun soweit. Die Entscheidung stand an!
Natürlich folgte nun doch noch einmal ein Werbeblock und in der erneuten - wohl letzten - Unterbrechung stellte Jennifer Jess wieder Fragen, die diese ihr beantwortete. Jennifer konnte nichts negatives an Jess feststellen, es schien ihr gut zu gehen, und so sahen sie sich schließlich die letzten, alles entscheidenden Minuten der Sendung an. Nun würde sich entscheiden, wer “The Voice of Germany” werden sollte!
Und dann war es in der Tat soweit. Der Werbeblock war zu Ende und alle Kandidaten wurden nach einer weiteren kleinen Unterhaltung zu Thore auf die Bühne gerufen. Alle waren angespannt. Es war so ein wunderschöner Abend gewesen. Alle Auftritte hatten so funktioniert, wie sie geplant gewesen waren, es hatte keine Fehler gegeben, keiner hatte sich versungen, oder sonst wie gepatzt, und doch musste alles Schöne einmal ein Ende haben - und nun war es soweit. Die Entscheidung stand an - und dann verkündete Thore das erste Ergebnis; die Verkündung desjenigen, der am wenigsten Punkte vom Publikum erhalten hatte: Quasi der letzte Platz, auch, wenn es niemand so ausdrücken wollte..
Jess hielt den Atem an. Natürlich hoffte sie inbrünstig, dass es nicht Dana sein würde, deren Name nun genannt wurde. Und es war nicht Dana! Es war das Mädchen aus Team Nena. Diese war natürlich traurig und Nena trat auch zu ihr um sie zu umarmen und zu trösten. Das Publikum klatschte um ihr Trost zu spenden, doch so war nun mal das Spiel und Nenas “Schützling” lief nachdem sie sich kurz verabschiedet hatte, zu ihrer Familie und ihren Freunden ins Publikum.
Dann ging es weiter. Nun ging es sozusagen um Platz drei! Nach einigen weiteren Sekunden, die Jess vor dem Bildschirm beinahe wie Stunden vorkamen, wurde schließlich auch das Ergebnis verkündet: Es traf das Mädchen aus Team Boss-Hoss! Jess jubelte innerlich. Sie konnte es vor Spannung kaum noch aushalten und sie konnte sich vorstellen, wie es Dana nun gehen musste: Sie und der Junge aus Team Xavier standen noch vorne, nachdem sich auch das andere Mädchen von Alec und Sascha verabschiedet hatte und Thore noch ein paar warme Worte gesagt hatte, bevor es dann ebenfalls zu ihrer Familie ins Publikum gelaufen war.
Nun war es Zeit für die Entscheidung: Dana oder ihr Konkurrent. Wer von beiden würde “The Voice” werden? Jess saß nun wirklich verkrampft auf ihrem Bett und nun sah auch Jennifer etwas besorgt auf sie und fragte: “Ist alles in Ordnung, Jess?” Diese nickte nur. “Ja, ich bin so nervös.. Bitte, bitte lass Dana gewinnen! Bitte!”..
flüsterte sie nur, und Jennifer nahm sich vor, sie jetzt doch wieder etwas mehr im Auge zu behalten…
Und dann fiel die Entscheidung. Nach weiteren Minuten des Redens, die Jess erneut wie Stunden vorkamen, wurden auch hier die Balken enthüllt… Die Entscheidung des Publikums: Sowohl der Balken von Dana, als auch der Balken ihres Konkurrenten hielten sich beinahe gleich hoch - bis Danas Balken schließlich an Länge gewann und der andere stehen blieb. Es war eindeutig, Dana war die Siegerin - Sie war “The Voice of Germany”!
Rea sprang von seinem Stuhl auf, er hatte es begriffen, noch bevor es Dana richtig verstanden hatte. Er lief auf sie zu und umarmte sie, das Publikum grölte und Dana stand erst einmal einfach nur da und konnte es einfach nicht glauben. Sie hatte gewonnen?!? Dann hatte sie es doch begriffen, zumal sie die Arme spürte, die ihre nach oben rissen, und die Körper, die sie umarmten. Nicht nur der ihres Coaches. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie hatte gewonnen! Jetzt begriff sie es erst richtig…
Schließlich trat Thore noch einmal zu ihr und fragte sie etwas, doch sie verstand ihn gar nicht richtig, das Gejohle und Gepfeife des Publikums flog ihr geradewegs um die Ohren. Sie konnte gar nichts anderes mehr verstehen… Dana blickte Thore mit leuchteten Augen und Tränen im Gesicht an und fragte: “Ich, ich hab dich nicht verstanden, kannst du mich das bitte noch mal fragen?” Thore lächelte und nickte. Dann fragte er: “Erst mal: Herzlichen Glückwunsch, und wie fühlst du dich jetzt?” Eigentlich eine blöde Frage, wie sollte sie sich fühlen… “Toll, einfach toll.. Ich kann es nicht wirklich glauben - hab ich echt gewonnen??” fragte sie, an ihren Teamcoach gewandt. Rea lächelte und nickte. Seine Augen strahlten. “I’m so proud of you!” sagte er - und dann riss er ihren Arm hoch und rief laut aus. “Here’s the Voice of Germany!!!” Das Publikum johlte erneut und dann war es Thore, der sie alle wieder halbwegs zur Ruhe brachte, in dem er sagte: “Und nun wird Dana uns ihren Song präsentieren; den Solosong, der als nächstes heraus gebracht werden wird! - “Here she is!””
Dana stellte sich erneut auf die Bühne und versuchte zumindest, den Song zu singen, doch dieses Mal gestaltete es sich als äußerst schwierig. Von oben kamen immer noch die Fäden und Sternchen von der Decke, ihre Mitkandidaten sprangen vor ihr auf der Bühne herum, und sie war selbst so aufgedreht, dass sie kaum wirklich mehr singen konnte… Doch das war auch nicht so schlimm. Jeder wusste, was das für ein Hammersong war, den Rea da für sie komponiert hatte, und es konnte ihr auch jeder nachsehen, dass sie momentan gerade etwas von der Rolle war.. Und so verging der Abend und die Sendung war vorbei…
Auch Jess war “von der Rolle”, als sie mitbekommen hatte, dass Dana tatsächlich gewonnen hatte. Sie war in der Tat “The Voice of Germany” geworden! Das war Wahnsinn! Sie hüpfte jetzt wirklich im Bett herum und war aufgedreht, beinahe so wie Dana, obwohl sie selbst doch gar nicht gewonnen hatte. Dennoch freute sie sich so wahnsinnig für ihre beste Freundin. Jennifer wartete ab, bis die Sendung zu Ende war, dann schaltete sie den Fernseher aus. “So, mein Fräulein, ich glaube, es wird Zeit, dass du ins Bett gehst.. Du bist ja wirklich ziemlich aufgedreht und fertig… Sollen wir noch ein wenig über deine Gefühle reden, bevor du ins Bett gehst?” Jess sah auf die Uhr. Es war in der Tat schon sehr spät, nach 12 Uhr nachts… “Es geht schon.. Ich bin aufgedreht, ja… Dana hat gewonnen und am liebsten würde ich sie jetzt anrufen und mit ihr darüber reden, aber das geht ja nicht.. Hoffentlich hat sie jetzt noch ein wenig Zeit für mich… Aber Steffi kann ich anrufen…”
Jennifer blickte sie an und antwortete: “heute sicherlich nicht mehr! Steffi kannst du morgen anrufen und Dana.. Naja, lass sie erstmal ein wenig in Ruhe, ich denke, sie hat jetzt jede Menge zu tun und vermutlich Termine… Als neu gebackener Star… Aber sobald sie Zeit hat, wird sie sich sicherlich bei dir melden - und nun: Schlafenszeit ist angesagt!” Ihr Ton war streng und duldete keine Widerrede.
Jess hatte auch nicht vor zu protestieren, obwohl sie doch noch ein wenig unruhig war, dennoch war sie gleichzeitig auch müde. Sie legte sich schlafen und Jennifer verabschiedete sich von ihr. “Träum was schönes” sagte sie noch, bevor sie aus Jess’ Zimmer verschwand. Jess legte sich hin und versuchte wirklich einzuschlafen, doch vorerst wollte es nicht gelingen, so viele Gedanken “spukten” ihr im Kopf herum…

