43. 2. Live-Show
Es war so weit: Die zweite Live-Show stand kurz bevor. Die Woche war anstrengend gewesen, und Jess hatte während der Proben das Beste aus sich heraus geholt. Mal waren die Coaches und ihr Gesangstrainer zufrieden mit ihr gewesen, mal weniger, doch im Großen und Ganzen hatte sie eine gute Leistung abgeliefert. Sogar die Generalprobe lief glatt. Einerseits war Jess glücklich damit, andererseits fragte sie sich, ob das nun ein schlechtes Omen für die Show sein würde. Normalerweise hieß es ja, dass die Show gut lief, wenn man die Generalprobe vergeigt hatte...
Aber darüber durfte sie jetzt nicht nachdenken. Es war bald so weit, sie, und ihre Mitstreiter, vier pro Team, standen bereits in ihren Anzügen und Kostümen vor der Tür.
Wie beinahe in jeder Show, machten sie alle zusammen einen gemeinsamen Opener. Auch dieses Mal. Jess war schon sehr aufgeregt. Es war ein unbekannter Song - zumindest kannte sie ihn nicht - aber er haute rein. Und sie alle konnten es nicht abwarten, bis endlich die Tür aufging.
Dann war es schließlich so weit. Der Mitarbeiter öffnete die Tür, und alle strömten herein. Das Publikum tobte, und Jess vergaß für einige Minuten ihr Lampenfieber. Sie stand unter Strom, ja, wie beinahe alle, die mit ihr zusammen auftraten, aber es war eine positive Spannung.
Der Auftritt lief super, sie legten eine bombastische Show hin, und als der Auftritt vorbei war, verließen sie die Bühne wieder, um sich in ihr kleines Hinterzimmer zu verziehen. Die Jury setzte sich auf ihre Stühle. Thore kam dazu und moderierte, es interessierte eigentlich niemanden so wirklich, was er zu erzählen hatte, allerdings musste er wohl auch dem - einigermaßen erstauntem - Publikum erst einmal breit erklären, warum es jetzt zwei Doppelstühle gab. Es war wohl noch nicht bis zu allen vorgedrungen. Natürlich ließ er sich etwas besseres einfallen, als die Wahrheit...
Ralf hatte ihm wohl dahingehend "geimpft", was er sagen sollte. Zumindest fielen ziemlich oft die Worte "bahnbrechende Neuigkeit" und "Weltneuheit"... Nun ja, wenn sie meinten. Es wurde zumindest mit gebührendem Applaus und begeisterten Pfiffen begleitet.
Dann war der erste Auftritt fällig. Sie waren zu viert, in ihrem Team standen, neben ihr, noch Mandy, Niklas und Marius. Jess wurde traurig, wenn sie daran dachte, dass zwei sie heute Abend verlassen mussten, und insgeheim wünschte sie sich, dass es nicht Mandy sein würde. Aber sie hatte keinen Einfluss darauf. Es konnte ebenso sie treffen...
Die Auswahl war dieses Mal ebenfalls anders. Abgesehen davon, dass ohnehin alles abgeändert wurde, hatten sie auch die Art der Wahl ins Halbfinale geändert. In der ersten Live-Show hatte noch der Coach alleine entschieden - bei ihnen war es Samu gewesen - und sie hatten eine Art "Battle" durchgeführt, mit abschließender Prozentsatzabgabe.
Dieses Mal gab es diese nicht mehr. Sie sangen alle direkt nacheinander, alle vier desselben Teams, und nach diesen Auftritten entschieden einmal die Coaches und das Publikum, wer ins Halbfinale kam. Die erste Entscheidung traf das Publikum, den anderen wählten die Coaches. Jess war schon ein wenig aufgeregt deswegen. Sie hatte keine Ahnung, ob die Neuerung für sie von Vorteil, oder eher vom Nachteil war, aber das war jetzt auch tatsächlich eher unerheblich, darüber nachzudenken. Es ging los! Ihr Team war das erste, was jetzt gegeneinander antreten musste.
Marius war der erste, der seinen Auftritt abliefern musste, und er machte sich bereit. Wenige Augenblicke später war er auf der Bühne - und Jess musste zugeben, dass er einen grandiosen Start hinlegte. Er lieferte ab, das Publikum grölte - und sogar Jess kam nicht umhin, mitzuwippen und beinahe zu tanzen. ja, er haute rein, und sie ahnte bereits, dass sie es schwer gegen ihn haben würde. Sie alle vermutlich; denn keiner außer ihm hatte sich an einen hardcore-Rock Song gewagt. Der war sogar noch härter als ihrer von Linkin Park! Und zu Marius passte es.
Aber es blieb ihnen nichts anderes übrig als abzuwarten. Nach einigen Minuten - auch hier wurden die Originalsongs gekürzt - war Marius schließlich fertig und wurde gebührend gefeiert. Das Publikum grölte, und auch die Jury lobten ihn in den höchsten Tönen. Wenn noch etwas Gram bei einigen von ihnen vorhanden sein sollte - besonders bei Rea und Samu - war hier und jetzt nichts mehr davon zu spüren. Auch die beiden lobten Marius, und schließlich war er fertig; im wahrsten Sinne des Wortes. Er hatte sich total verausgabt, und kam hinter die Bühne, in ihren kleinen Aufenthaltsraum. Auch hier wurde er begrüßt und ihm wurde bescheinigt, wie gut er gewesen war. Auch von Jess.
Als nächstes hatte Mandy ihren Auftritt. Sie hatte einen etwas seichteren Song, eine Ballade, die aber von ihr wunderschön interpretiert wurde. Jess hatte eine Gänsehaut nach der anderen. Auch Samu bescheinigte ihr, dass er "Hühnerhaut" hatte - der Gag kam immer noch an - und alle anderen lobten sie ebenfalls.
Jess konnte nicht sagen, wer von beiden die größeren Chancen haben würde, besonders beim Publikum... Selbstverständlich waren bereits jetzt die Leitungen geöffnet, und es konnte angerufen werden. Auch für die, deren Auftritt noch ausstand. Ob dies nun positiv oder negativ für sie war? Jess wusste es nicht.
Schließlich war sie an der Reihe. 'Zumindest bin ich nicht die Letzte', dachte Jess, dann machte sie sich fertig. Sie hatte bereits die ganze Zeit darüber nachgedacht, wie sie anfangen sollte. Eigentlich wusste sie es ja; die Proben waren gut verlaufen, auch ihre Generalprobe hatte einwandfrei funktioniert. Aber irgendwie war sie selbst - noch - nicht so ganz von sich überzeugt. Konnte sie es nicht eventuell doch noch besser? Noch intensiver? Besonders beim Refrain? Oder am Anfang? Da musste doch noch mehr aus ihrer Stimme heraus zu holen sein, als das, was sie bisher geschafft hatte? Sie musste es probieren.
Und dann wurde ihr Name aufgerufen, und sie musste raus. Sie hatte Herzklopfen; beinahe schon Herzrasen, als sie die Bühne betrat. Einmal holte sie tief Luft und atmete ein und aus, und dann zwang sie sich, sich zu beruhigen.
Sie spürte die Blicke auf sich, nicht nur die des Publikums, das war normal, aber auch die der Jury. Unter ihnen natürlich auch ihre Coaches, bei denen sie vor allem von Samu wusste, dass er extrem auf sie achten würde. Er war zufrieden mit ihr gewesen, zumindest hatte er ihr dies in der Generalprobe bescheinigt; aber "zufrieden" reichte ihr nicht mehr. Sie wollte mehr!
Als die ersten Töne von "Numb" gespielt wurden, schloss Jess kurz die Augen und öffnete sie direkt wieder. Doch ihre Sicht war "eingeschränkt", wenn man es so nennen konnte. Sie sah das Publikum nicht mehr, sie sah nicht mehr die Jury. Sie dachte nur an den den Song, und was er für sie bedeutete.
Zuerst die "Starre", die "Taubheit", die sie zu Beginn gefühlt hatte - und so begann sie. Ihre Stimme war sanft. Wesentlich sanfter, als es Chester Bennington jemals hätte sein können. Es war nicht sein Song; es war ihre klare, helle Stimme, die den Ton angab. Und dennoch konnte man die Leidenschaft aus ihr heraus hören, direkt von Beginn an.
Beim Refrain wurde Jess lauter. Doch sie wurde nicht einfach nur lauter - sie wurde leidenschaftlich. Ihre Stimmlage nahm an Stärke zu, denn sie begann zu fühlen, wie die "Taubheit", die "Starre", sie verließ. Sie begann sich "frei" zu fühlen; sie lebte den Song!
Und wie sie ihn lebte. Ihre Stimme bekam einen Klang, den ihre Coaches und ihr Trainer bei keiner ihrer Proben je an ihr gehört hatten. Und ihr Ton wurde rau. Ja, es kam tatsächlich an das Original heran, allerdings konnte jeder hören, dass es nicht das Original war. Es war schwer zu erklären, doch jeder im Studio und vermutlich auch draußen an den Bildschirmen, konnte erkennen, dass Jess diesen Song nicht nur sang, sondern ihn fühlte. Im Publikum war es still. Und Jess merkte dies zuerst nicht einmal, sie sang sich die Seele aus dem Leib; von einer Person, die zuerst starr und taub war, nicht dazu in der Lage, sich zu rühren, oder etwas zu fühlen, obwohl er sich dies nur allzu sehr wünschte - um dann zu einer gänzlich gegensätzlichen Persönlichkeit zu mutieren. Jemand, mit Leidenschaft, der anzusehen war, dass er sich aus seiner Starre befreit hatte. Und das ganz von alleine!
Schließlich war sie fertig. Sie hatte alles in den Song gesteckt, und mehr konnte sie nicht tun. Ob es eventuell zu viel gewesen war? Sie wusste es nicht. Aber wie auch immer die Jury, beziehungsweise das Publikum, gleich entscheiden würden, sie hatte alles gegeben, was sie konnte. Und sie hatte zumindest den Eindruck gehabt, dass sie besser gewesen war, als in den Proben. Einschließlich der Generalprobe.
Nun war sie wieder in der Wirklichkeit angelangt. Sie hörte das grölende und applaudierende Publikum, und auch die Jury stand neben ihren Stühlen. Samu und Rea strahlten. Ihnen war anzusehen, dass sie wohl zumindest zufrieden mit ihr gewesen waren.
Dann kam Thore und die unvermeidbaren und immer wiederkehrenden Fragen wurden auch hier und jetzt aus der Retorte geholt. Zuerst fragte er Nena, Xavier und die "Cowboys", was sie von Jess' Auftritt hielten. Alle waren begeistert. Alec sagtel: "Wow, Jess, du überrascht uns immer wieder.. Du und Linkin Park... Das hätte ich dir echt nicht zugetraut - wobei Bon Jovi ja schon ein Knaller war... Aber das jetzt? Du hast wirklich ein hartes Los gezogen. Ich glaube jeder hier weiß, was da für eine Verantwortung drin steckt, ausgerechnet diesem Sänger gerecht zu werden..." Jess wurde ein wenig flau im Magen, denn genau davor hatte sie ja zu Beginn eine unglaubliche Angst gehabt, doch Alec fuhr fort: "Aber du hast es besser gemacht, als ich es dir jemals zugetraut hätte. Vielleicht sogar nicht nur dir, sondern allen hier... Du hast den Song zu DEINEM Song gemacht; das war der Trick. Man hat wirklich gemerkt, dass du ihn gespürt hast.. Keine Ahnung, wie ich es erklären soll... Aber es war genial. Danke für die Performance!" Er lächelte.
Jess lächelte auch. Das war schon einmal ein guter Einstieg. Nena und Xavier hatte es auch gefallen. Fehlten nur noch Rea und Samu.. Vor allem Samu...
Aber sie hatte schon gesehen, dass beide lächelten, und das erleichterte sie schon einmal. Dann wandte sich Thore auch an die beiden: "Und, wie hat euch nun euer Schützling gefallen?" fragte er.
Samu blickte Jess an, dann breitete sich das Grinsen über sein gesamtes Gesicht aus: "Wow, Jess... I can't say anything... What was that? Was war das? Du hast da eine Ding hingelegt, das hab ich die ganze Zeit während die Proben nicht an dich gesehen! Really! Alec hat Recht; jede here hat gespurt, dass du diese Song fuhlst. Dass du diese Song LEBST! You didn't just sing "Numb" - you WERE "numb"; at the beginning. Und dann hast sich etwas gelöst... Man konnte es richtig spuren. Ich weiß nicht, why this was nicht von die Anfang an, oder was ist passiert, here und heute, aber ich weiß, dass es so weiter gehen soll! So weiter gehen muss! Was auch immer heute passiert; you are not "numb" anymore! Love it!"
Jess war geplättet. Mit so einem wunderschönen Kompliment, gerade von Samu, hatte sie nicht gerechnet. Dann ließ Rea sich vernehmen, ihr zweiter Coach: "Wow, Jess... Ich kann mich Samu nur anschließen. You were absolutely great! I love it! Die Weise wie du das zu deine Song gemackt hast. Das warst DU! Und es klang wunderschön. Die Chester Fans werden bestimmt auch deine Fans sein! Thank you for this performance!" Und er lächelte.
Jess konnte es nicht fassen. Sagen konnte sie auch nichts, sie lächelte einfach nur und rang sich noch ein letztes "Danke" ab, bevor sie von Thore aufgefordert wurde, die Bühne zu verlassen. Selbstverständlich nachdem er das Publikum dazu animiert hatte, für Jess anzurufen.
Nach Jess war schließlich noch Niklas dran, der auch einen sehr guten Auftritt hin legte, doch das Lied war eher mittelmäßig. Zumindest fand Jess es jetzt nicht gerade besonders. Aber er lieferte ebenfalls einen guten Auftritt ab, und dann war es schließlich so weit: Die erste Entscheidung des Abends stand an: Die Wahl der zwei ersten Teilnehmer der nächsten Show: Des Halbfinales!
Natürlich waren sie alle aufgeregt. Jess trat, zusammen mit Mandy, Niklas und Marius erneut auf die Bühne.
Zuerst war die Entscheidung des Publikums dran. Allen drei klopfte das Herz bis zum Hals und sie hielten sich an den Händen. Sie merkten wie sie alle schwitzten, doch das machte ihnen nichts aus. Natürlich laberte auch hier Thore wieder, auch über Dinge, die keinen von ihnen wirklich interessierte. Sie wollten nur eines wissen: Wer war weiter? Wer stand im Halbfinale? Doch Thore ließ sich Zeit.. Er wandte sich auch noch mal an Samu und Rea, die ja danach auch ihre Entscheidung bezüglich des zweiten Siegers abgeben mussten. Auch diese waren sich dessen bewusst, und wollten, dass der Moderator endlich zum Wesentlichen kam. Zum Ergebnis!
Schließlich erbarmte dieser sich, und öffnete den Umschlag. "...Und, der, oder die erste, die ins Halbfinale kommt ist..." Wieder setzte er eine theatralische Pause ein; jeder verdrehte die Augen. "Nun mach schon", grummelte Rea. Er und Samu hatten langsam ebenfalls feuchte Hände. Dann erbarmte sich Thore: "Als erstes im Halbfinale, vom Publikum gewählt ist ... JESS!!!" Er hob ihr Hand hoch, und das Publikum tobte. Die Jury ebenfalls und man hörte die Schreie von Rea und Samu.
Nur Jess hatte es noch nicht wirklich verstanden. Sie stand da, und wusste nicht, ob das hier gerade ein Traum war, oder nicht. Sie hatte es wirklich in die nächste Runde geschafft? Sie war im Halbfinale? Mandy unterbrach ihre Gedanken, in dem sie sie umarmte, und ihr ins Ohr flüsterte: "Du hast es geschafft! Glückwunsch, du hast es echt verdient!" Jess erwiderte ihre Umarmung. "Ich wünsche dir Glück. Du musst es auch schaffen. Ich würde mich so sehr freuen, mit dir zusammen im Halbfinale zu stehen..." Mandy wollte antworten, aber da wurden sie von Thore unterbrochen, der sich laut und vernehmlich räusperte. "So, da wir nun schon mal den ersten Halbfinalisten haben, fehlt uns noch der Zweite... Samu, Rea, ihr seid dran. Wen können wir noch beglückwünschen?"
Samu und Rea hatten sich wieder gesetzt. Sie waren beinahe ausgerastet, als sie Jess' Namen gehört hatten. Beide hatten es sich wirklich gewünscht, aber daran geglaubt, dass Jess wirklich in der ersten Runde durch das Publikum gewählt werden würde, hatten sie nicht. Nicht, weil sie daran gezweifelt hätten, dass Jess gut war. Das hatten sie ihr ja bestätigt, wie gut sie gewesen war; aber sie wussten einfach nicht, wie das Publikum und die Zuschauer draußen sie einschätzen würden. Und wie sie, im Vergleich zu den anderen "draußen" ankam. Sie waren beinahe ausgeflippt, als sie realisiert hatten, dass Jess es tatsächlich, direkt beim ersten Mal, geschafft hatte.
Zumal noch hinzu kam, dass sie sich in der Zwickmühle gesehen hätten, wenn sie es nicht geschäfft hätte.
Sie hatten beide ihren Auftrit phänomenal gefunden, extrem von dem abweichend, was sie in den Proben geleistet hatte. Und da war sie schon um einiges besser geworden. Aber dennoch überlegten sie beide, wie es ankommen würde, wenn sie nun Jess wählen würden. Jeder kannte ihre Geschichte, und es wäre die Frage gewesen, ob man ihnen etwas andichten würde, wenn sie sich für Jess entschieden hätten. Nicht, dass es so hätte sein müssen; zumal sie ja nun auch zu zweit waren; aber theoretisch hätte es so sein können.
Und, was noch hinzu kam: Sie hatten in der Tat noch einen zweiten Kandidaten, der eine grandiose Show abgeliefert hatte, die mit Jess' Leistung absolut gleichzusetzen gewesen war. Wenn dieser jemand gewählt worden wäre, dann hätten sie sich eigentlich für Jess entscheiden müssen, denn die anderen beiden waren auch gut gewesen, keine Frage, aber keiner von ihnen war mit den anderen beiden zu vergleichen.
Also war es keine Frage, wen sie jetzt wählen würden. Sie sahen sich noch einmal kurz an, nickten sich unmerklich zu, und Thore stellte die entscheidende Frage: "Samu,Rea, wir brauchen eure Entscheidung JETZT! Wer ist der zweite Halbfinalist?" Rea antwortete, für beide: "In die Halbfinale, zusammen mit Jess", er lächelte sie an, dann fuhr er fort, "is..." auch er machte eine kleine Pause, der Spannung wegen, dann erbarmte er sich: "... Marius! Your Performance was also absolutely great!"
Das Publikum tobte auch hier, und Marius konnte es selbst kaum fassen, als er seinen Namen aus Reas Mund gehört hatte. Die beiden Coaches hatten sich für IHN entschieden? Nach dem was passiert war, hätte er das jetzt nicht erwartet...
Eher andersrum, dass er eine Chance beim Publikum gehabt hätte, und einen kleinen Stich hatte es ihm schon versetzt, als er realisiert hatte, dass dieses Jess zuerst gewählt hatte. Doch er gönnte es ihr, sie war wirklich klasse gewesen.
Doch dass er ernsthaft eine Chance bei Rea und Samu hatte, dass hätte er wirklich nicht vermutet. Er war glücklich. Anscheinend war sein Fehler, den er begangen hatte, bezüglich Jess, tatsächlich vergessen, und da er auch mit Maurice gebrochen hatte, konnte ihm dahingehend auch nichts mehr passieren.
Er war im Halbfinale! Zusammen mit Jess! Das würde auf jeden Fall spannend werden. Mal schauen, was dahingehend alles auf sie zukommen würde. Jetzt würde erst einmal gefeiert!
Jess war einerseits ebenfalls glücklich, andererseits aber auch traurig, als sie realisiert hatte, dass Mandy nicht weiter gekommen war. Sie würde sie verlassen müssen. Mandy sah ihr an, was sie fühlte, und drückte sie noch einmal: "Hey, wir können in Kontakt bleiben, wenn du magst? Ich kann dir meine Telefonnummer geben... Und noch bin ich nicht ganz weg; ein paar Stunden haben wir ja noch..." Sie verstummte, da sie aufgefordert wurden, die Bühne zu verlassen. Mandy und Niklas gingen zu ihren Familien, wo sie herzlich in Empfang genommen wurden, und Jess lief zusammen mit Marius in den Aufenthaltsraum. Sie hatte immer noch gemischte Gefühle. Einerseits überkamen sie Glücksgefühle, denn sie begriff immer mehr, dass sie es tatsächlich geschafft hatte, dann wieder leichte Traurigkeit, wegen Mandy, die ihr doch irgendwie mehr ans Herz gewachsen zu sein schien, als sie selbst gedacht hatte. Spätestens Morgen früh würde sie ausziehen müssen...
Doch dann schalt sie sich selbst. So war es eben, und jeder von ihnen wusste das. Es hätte auch sie treffen können, doch das hatte es eben nicht. Das Publikum hatte sie gewählt! Das hieß, ihre Interpretation von "Numb" war gut angekommen! Sie hatte Chester Ehre erwiesen, und das war das Wichtigste, am heutigen Abend. Und, dass sie im Halbfinale war, natürlich! Das Gefühl der Freude überkam sie langsam vollständig, und, zusammen mit Marius schaute sie sich nun auch die Perfomances der anderen Teams an, die langsam ebenfalls dezimiert wurden.
Und so ging schließlich der Abend zu Ende, und es blieben noch acht Kandidaten für das in einer Woche anstehende Halbfinale übrig.
Sie alle, einschließlich der nun ausgeschiedenen, fuhren gemeinsam ins Bandhaus zurück und verzogen sich auf ihre Zimmer. Diejenigen, die das Bandhaus verlassen mussten, würden am nächsten Tag bis 12 Uhr Zeit haben, ihre Koffer zu packen. Die meisten wurden von ihren Angehörigen abgeholt, die in der Nähe in Hotels untergebracht waren. Auch Mandy gehörte dazu. Jess unterhielt sich noch eine Weile mit ihrer - nun bald ehemaligen - Zimmergenossin, dann schliefen sie ein. Zuvor tauschten sie noch ihre Telefonnummern aus. Ob etwas daraus wurde, wusste keine von ihnen. So ein Bund wie mit Dana und Steffi hatte Jess mit ihr nicht geschmiedet, aber man wusste ja nie.
Und schließlich kam der neue Tag...

