31. Schwere Probleme

Es war soweit. Noch einige Wochen später, in denen weitere Vorbereitungen getroffen wurden, stand nun schließlich die nächste "The Voice"-Staffel an.
Es begann wie immer mit den "Blind Auditions", in denen die Coaches ihre Teams zusammen stellten. Auch hier waren wieder wunderbare, neue und erfrischende Talente dabei, für die es sich lohnte, zu "kämpfen" - wenn man es so nennen konnte. Natürlich wurden wieder kesse Sprüche in die Menge gestoßen, gewitzelt und auch ein wenig gepiesackt, doch jeder wusste natürlich, dass es nur Spaß war und wie weit er gehen konnte.
Und schließlich waren die "Blinds" vorbei und jeder Coach hatte sein Team voll.

Nach den Blind Auditions kamen die Battles. Alle waren angespannt - und vor allem auf die Neuerungen gespannt, die es laut Ralf, dem Producer der Show, dabei geben sollte: Dem "Fremdbuzzern" - man hatte die Chance, dem Gegner ein Talent, das dieser nicht genommen hatte, "wegzunehmen" und in sein Team zu wählen. Das machte die Sache natürlich noch einmal um so spannender für alle. Und die Möglichkeit wurde sehr gerne genommen. Gerade die Talente, bei denen es den anderen unverständlich schien, weshalb diese abgewählt wurden, wurden damit vor dem Out "gerettet". Auch Rea "buzzerte" und sicherte sich so Fremdzugänge seiner Rivalen. So wie diese natürlich auch seine, denn auch er musste sich ja für einen von ihnen entscheiden, und den anderen - meistens schweren Herzens - gehen lassen...

Dann waren auch die Battles vorbei - und nach ihnen kam ebenfalls etwas neues: die "Knockouts" - alle diejenigen, die "fremdgebuzzert" wurden, mussten noch einmal gegeneinander antreten, damit auch dort die Coaches eine erneute Auswahl treffen mussten. Es blieb am Ende nur noch eine kleine Zahl übrig, die in die erste Live-Show kamen, insgesamt waren es 8! Und sowohl Rea als auch die anderen mussten schwere Entscheidungen treffen, die ihnen teilweise sehr nahe gingen, denn natürlich waren ihnen die Talente mittlerweile ans Herz gewachsen. Doch so war es nun einmal vorgeschrieben und schließlich war es für alle vollbracht: Die Teams waren soweit fertig gestellt; es ging in die erste Live-Show!
Rea hatte seine Gruppe zusammen gerufen und ihnen mitgeteilt, dass ein außerplanmäßiges Meeting stattfinden sollte; er hätte ihnen eine Mitteilung zu machen. Natürlich war jeder gespannt, was es denn sein würde - und Rea selbst war es auch. Beziehungsweise er war gespannt, wie seine Talents darauf reagieren würden, was er ihnen nun mitteilen würde. Er hatte schon die ganze Zeit vorher überlegt, ob er ihnen vorab davon berichten sollte, dass er vorhatte, Jess nun in ihre Mitte zu integrieren; doch er hatte sich dann dazu entschlossen, es erst jetz zu tun.

Auch Jess hatte er erst so spät wie möglich informiert, dass sie sich fertig machen sollte, es würde nun los gehen. Natürlich wusste sie, was auf sie zukam. Zumindest ahnte sie es. Und sie wusste nicht genau, wie sie sich dabei fühlte. Einerseits freute es sie schon, wieder dabei zu sein, und sie hatte Herzklopfen, andererseits spürte sie aber auch Angst. Würden die anderen sie akzeptieren? Wie würden sie es auffassen, dass sie nun dazu kam? Jetzt, nachdem sie alle ihre Blinds, die Battles - und diese neuen Knockouts, die sie gar nicht kannte - über- und durchgestanden hatten? Sie wusste es nicht, doch jetzt war es ohnehin egal. Sie hörte das Klingeln an ihrer Tür, als der Wagen von "The Voice" sie abholte. Ja, Jess war aufgeregt. Sie verabschiedete sich noch einmal schnell von Dana und Steffi, die sie umarmten und ihr von Herzen alles Gute wünschten, dann wurde sie zum Studio gefahren und ihr wurde vorab ihr Zimmer gezeigt, in dem sie ihre Koffer auspackte, bis sie sich schließlich mit Rea traf.

Rea wartete schon auf sie. Er sah sie an und fragte: "Everything okay?" Jess nickte nur. Sie wusste selber nicht, ob alles okay war, aber was sollte sie sagen. Rea blickte sie noch einmal an und nickte ihr aufmunternd zu: "Come on! Die beißen nickt! Alles gut! Now ich stell dich deine neue Team vor!" und er lächelte. Aber etwas an seinem Lächeln störte Jess. Sie kannte ihn mittlerweile gut genug, um zu bemerken, dass es nicht so gelöst war, wie er vorgab zu sein. Sie blickte ihm ebenfalls skeptisch ins Gesicht und fragte: "Sag mal, Rea - du hast ihnen doch mitgeteilt, dass ich komme, oder??" Irgendwie kam ihr plötzlich dieser Gedanke in den Sinn, und sie konnte nur hoffen, dass sie sich irrte, und das, was sie dachte, falsch war. Doch Reas Reaktion ließ ihre Hoffnung zerplatzen. Er sah leicht beschämt, ja beinahe ertappt aus, als er sich räusperte, an seinem - mittlerweile sehr lang und etwas zottelig wirkendem - Bart herum spielte und schließlich antwortete: "You know.. No! Ick hab es for besser gefunden, es nock nickt zu sagen. Wie will tell them now! Together!"

Jess konnte es nicht glauben. "Du, du sagst mir gerade, die wissen überhaupt nicht, dass ich jetzt dazu komme?? Sag mal, ich glaub es nicht... Wieso hast du es ihnen nicht erzählt? Die fallen doch bestimmt aus allen Wolken..." "Jess, stopp it! Es ändert nicks an die Tatsache, dass du now dazu kommst, or? Du bist ab jetzt dabei und die andere werden es nun erfahren! Ob ich es ihnen vorher erzählte oder nich, ändert doch nicks... Also, come on now, they are waiting. Ich hab ihnen zumindest einmal erzählt, dass ich etwas wichtiges zu vermelden hab. Und das wird jetzt geschehen! Come on!" Und damit setzte er sich in Bewegung.

Mit gemischten Gefühlen, die durchaus nicht wirklich gut waren, setzte sich auch Jess wieder in Bewegung. Sie hatten also keine Ahnung, dass sie nun dazu kam... Keiner von ihnen. Sie trat in eine bestehende Gruppe ein, und sie wusste, das es kompliziert sein könnte - noch dazu, wo sie kein unbekanntes Gesicht war. Jeder würde sie erkennen, und diese Vorstellung hatte ihr schon nicht gefallen, als Rea ihr verkündet hatte, dass sie wieder dabei sein würde..
Aber dann atmete sie einmal tief durch. Sie standen vor einer Tür, hinter der sie bereits laute Stimmen, Lachen und andere Geräusche vernehmen konnte. Sie wollte schon ebenfalls eintreten, aber Rea hielt sie kurz auf.
"Wait.. Ick werd zuerst eintreten und mit die Gruppe reden. Kein Angst, sie sind wirklich nette Leute. Du wirst sie mögen - und sie dick bestimmt auch!" sagte er aufmunternd zu ihr und fuhr abschließend fort: "Ick ruf dich, wenn du rein kommen kannst, okay?" Dann öffnete er, ohne ihre Antwort abzuwarten, die Tür und trat in den Raum ein.
Jess wartete angespannt und lehnte sich neben der Tür an die Wand. Was würde wohl nun geschehen? Wie würden die anderen auf sie reagieren? Sie konnte nur hoffen, dass Rea Recht hatte, und sie wirklich alle so nett waren, wie er sie beschrieben hatte...

Rea wusste es auch nicht. Auch ihm war ein wenig mulmig zumute, vor allem vor dem, was nun auf ihn zukam, doch er musste nun da durch. Er hatte eine Verantwortung - seinem Team UND Jess gegenüber, und nun musste er es schaffen, beides miteinander zu verbinden. Das konnte doch nicht so schwer sein.
Die Talente waren mit einem Schlag ruhig geworden, als er in den Raum eingetreten ware, und eine gewisse Spannung lag in der Luft, denn jeder fragte sich natürlich, was das wohl für eine Neuigkeit war, die ihr Coach für sie mitgebracht hatte. Rea spürte die neugierigen Blicke auf sich und räusperte sich. Er wusste, es hatte keinen Sinn, lange um den heißen Brei herum zu reden - deswegen legte er direkt los: "So, ihr werdet euch sicherlich fragen, weshalb ick euch hierher bestellt hab - ich hab eine Neuigkeit for euch. Wir alle haben eine schöne, aber auch anstrengende Time hinter uns - naturlich auch noch for uns, aber das ist etwas anders..." Er merkte, dass er dabei war, sich zu verirren, deswegen konzentrierte er sich wieder und fuhr fort: "Also, die Blind Auditions sind gemeistert, also die Battles und die Knockouts." Er blickte dabei diejenigen an, die er "gebuzzert" hatte, und die bei ihm geblieben waren und lächelte. Die Talents blickten ihn an und lauschten seinen Worten, ohne wirklich zu wissen, was er nun eigentlich sagen wollte - Rea merkte es.
"Okay, ich werd mal versuchen, ein wenig verständlich zu sein... Also, es gibt eine Neuerung; ab now there is eine Talent mehr in unser Team! Eine Talent, die bereits einmal eine Chance bekommen hat - aber die diese genommen wurde; und die gehen musste, ohne etwas dafur zu können! Ich hoffe, ihr werdet sie genau so in eure Mitte nehmen, wie ihr alle here seid.. Sie ist nock draußen, aber ich werd sie jetzt mal rein holen..."

Weiter kam er nicht. Heather, ein Mädchen von 19 Jahren, das er aus dem Team von Boss-Hoss fremdgebuzzert hatte, fiel ihm ins Wort: "Moment mal, sagtest du gerade, wir bekommen jemanden dazu? Wie, jemanden dazu, wir sind doch schon vollzählig! Und wer soll das sein? Ich versteh gar nichts mehr.." Auch die anderen sahen nicht gerade so aus, als hätten sie Reas Worte wirklich verstanden. Und von Begeisterung war auch nicht gerade etwas in ihren Gesichtern zu lesen..
Rea seufzte. Dann antwortete er, in Ruhe, und auf seine Worte bedacht: "Ich wurde sie nun gerne rein holen, sie steht vor die Tür! Und ihr kennt sie, denke ich... Ja, ich weiß, eigentlich seid ihr vollzählig, aber in diese Fall wird eine Ausnahme gemacht, und sie war voriges Jahr schon einmal dabei..."
Weiter kam er nicht, denn dieses Mal fiel ihm ein etwa 20-jähriger Junge ins Wort, sein Name war Marius: "Etwa die, die letztes Jahr vergewaltigt worden ist? Die deswegen aufhören musste?"

Rea sah ihn an. Seine Stirn legte sich in Falten. Irgendwie missfiel ihm hier gerade, was er hörte, und wie das Gespräch generell ablief. Hatte er sich das alles hier vielleicht zu einfach vorgestellt? Doch dann antwortete er dem jungen Mann: "Yes, genau diese Girl! Aber ihr Name is Jess! Und keine von euch wird sie darauf ansprechen, verstanden?" Wieder wurde er unterbrochen, dieses Mal erneut von Heather: "Und was sucht die jetzt hier? Ich meine, sie ist letztes Jahr doch hier gewesen - und hat es nicht weiter geschafft!.. Soweit ich weiß, ist noch niemand wieder zurück gekommen, der einmal rausgeflogen ist! Und wir sind vollzählig!.."

Dieses Mal unterbrach Rea sie. Seine Stimme hatte einen etwas dunkleren Ton angenommen, als er antwortete: "Sie is nich normal raus geflogen, Heather! Wie Marius schon bemerkte, ihr wurde Gewalt angetan! Deswegen hat sie now a new Chance bekommen! Und ich möchte von euch, dass ihr sie dementspreckend mit Respekt begrußt und in eure Mitte aufnehmt!", dann fügte er noch etwas sanfter hinzu: "Bitte!"
Die Talents schwiegen - auch Heather und Marius - einige von ihnen nickten, und so ging Rea schließlich zu der Tür, mit einem nicht ganz so glücklichem Gefühl. Dennoch hoffte er, dass die anfängliche Skepsis, die wohl herrschte, sich legen, und Jess doch noch in ihre Mitte aufgenommen werden würde.

Er öffnete die Tür und nickte Jess zu, die neben der Wand lehnte. Sie blickte an ihm vorbei und ging in den Raum - und blieb an der Türschwelle stehen.
Sie spürte die Blicke der anderen auf sich, und ahnte schon einmal, dass es ganz und gar nicht gut gelaufen war. An den Gesichtern der anderen konnte sie deren Abneigung ganz genau ablesen. Egal, was Rea ihnen gesagt haben mochte - und dass dies nur Gutes gewesen war, wusste sie - es schien nicht gefruchtet zu haben. Jess' erster Impuls war, kehrt zu machen und zurück nach Hause zu fahren, doch Rea schob sie ein wenig mehr in den Raum hinein und sagte: "Ich erwarte von euch, dass ihr Jess unterstutzt! Sie ist now ein Mitglied in our Team! Genau wie ihr auch - uns sie wird genau wie ihr alle in die erste Live-Show in a few days teilnehmen, mit die Chance auf die zweite.."
Wieder unterbrach ihn jemand, dieses Mal ein Junge namens Maurice: "Und wie soll das gehen? Wir treten doch immer zwei gegen zwei an? Außerdem sind wir dann doch jetzt 9?..." "Dazu komm ich noch: Dieses Mal wird es bei uns ein wenig anders geh'n..: Wir werden drei 2er Teams und ein 3er Team sein. Wer mit wem werd ich noch sehen; es ist noch etwas bis zu die Live-Show. Heute Abend werd ich eine List aufstellen, wie und wer mit wem zusammen singen wird. Aber wenn das die einzige Problem is, dann werden wir das schon hinbekommen. Es ist doch die einzige Problem, oder?" fragte er scharf und sah besonders Maurice, Marius und Heather an. Diese schwiegen. Es breitete sich generell betretendes Schweigen aus, und Jess wusste, dass es nicht das einzige Problem war; dennoch sagte keiner mehr etwas. "So good. Dann werd ich jetzt mal sagen, dass ihr euch ein wenig bekannt machen könnt; ich geh jetzt und werd an die Liste "feilen" - heute Abend, 7 Uhr - here in diese Raum again. Bis dann!" Und damit lächelte er noch einmal in die Runde und ging. Er ging davon aus, dass sich die Jungs und Mädchen mit Jess einlassen und sie in ihre Mitte aufnehmen würden, doch er sollte sich täuschen...

Zuerst war Stille zwischen ihnen allen. Eine gespentische Stille, die sich ausbreitete, und die Jess beinahe den Atem raubte. Es war beinahe wie die sprichwörtliche Stille vor dem Sturm, die Stille vor dem Tsunami, der alles wegfegte, was sich ihm in den Weg stellte. Dann, nach einigen Minuten, die Jess beinahe wie Stunden vorkamen, rührten sich die ersten von ihnen - es waren Heather, Marius und Maurice - und gingen ohne ein weiteres Wort und ohne Jess eines Blickes zu würdigen an ihr vorbei. Die anderen folgten ihnen. Nur ein Mädchen blieb kurz noch einmal am Türrahmen stehen und blickte sich zu Jess um. Sie war recht klein und schien etwas schüchtern zu sein, und sie sagte leise: "Willkommen".. Dann lief auch sie davon, beinahe so, als hätte sie vor etwas - oder jemandem? - Angst..

Jess stand noch alleine in dem Raum und stürmte dann nach einigen Minuten nach oben in ihr Zimmer. Vorhin, als sie dort hinein gebracht wurde, war sie alleine gewesen, obwohl sie schon gesehen hatte, dass es ein Zwei-Bett-Zimmer war; dennoch war ihr klar, dass sie es wohl noch mit jemandem teilen musste - doch als sie nun in ihr Zimmer eintrat, bekam sie beinahe einen Schock, als sie sah, mit wem sie das Zimmer teilen musste - es war Heather!
Auch diese sah auf, als die Tür aufging und sie Jess erblickte. Ihr Blick sprach Bände. "Oh nein.. Nicht auch das noch!!" fluchte sie, nahm ihr Handy, das sie auf ihrem Bett liegen hatte und flitzte an Jess vorbei aus dem Zimmer. Sie knallte die Tür hinter sich zu und Jess war wieder alleine im Raum.

Sie setzte sich erst einmal auf ihr Bett. Was war das gerade gewesen? Nannte Rea DAS Integration? Sie wusste gar nicht, was sie getan hatte, um so einen - ja, man konnte beinahe von Hass sprechen, der ihr entgegen schlug - zu verdienen..
Jess kamen die Tränen. Sie merkte, wie sie ihr hoch kamen, und ihr erster Impuls war, die Taschen zu packen und sich ein Taxi zu rufen! Aber dann kam ihr Stolz hoch. Nein! Diese Typen hier brachen sie nicht! Sie hatte IHN überstanden! Sie hatte es geschafft, sich nicht unterkriegen zu lassen, sie hatte einen - erneuten - Selbstmordversuch überlebt - dank Rea, aber sie lebte - und nun sollten diese Typen sie unterkriegen?!? Nein! Und so wischte sie sich die Tränen ab und nahm ihr Tagebuch heraus. Darin schrieb sie sich die Seele aus dem Leib, hatte Sachen hinein geschrieben, die niemand wusste, nicht einmal Rea und ihre Freundinnen...
Dann hörte sie ihr Handy piepsen, und sie sah Danas Gesicht auf ihrem Display. Sie lächelte und las die SMS, die ihre Freundin ihr geschrieben hatte. Sie hatte wohl gerade keine Zeit für ein längeres Gespräch, und normalerweise wäre Jess wohl ein wenig enttäuscht gewesen, aber in diesem Fall war es ihr sogar ganz Recht. Denn Dana und auch Steffi hätten beide gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Sie konnte sie genauso wenig anlügen wie Rea... Deswegen schrieb sie einfach nur zurück, dass es ihr gut gehen würde und wie schön alles war - alles Lügen, aber sie konnte jetzt nicht die Wahrheit schreiben - und widmete sich wieder ihren Eintragungen. Auch Rea hatte sich noch nicht wieder blicken lassen - was Jess auch, in Anbetracht der Geschehnisse, noch erleichterte.

Die Zeit verflog und sie bemerkte gerade noch rechtzeitig, dass es mittlerweile halb sieben geworden war; sie hatte viel geschrieben.. Jess zog sich ins Bad zurück, und duschte. Sie hatte das Gefühl, das tun zu müssen, um die schlechten Gefühle, die immer noch da waren, abzuwaschen; so wie sie es immer getan hatte, nachdem ER sie von innen verschmutzt hatte...
In der Zeit, in der sie duschte, kam Heather zurück. Sie hatte sich mit einigen ihrer Freundinnen getroffen und nun hoffte sie, dass sie diese Neue nicht antreffen würde... Sie war immer noch sauer. Ihre Gedanken rasten, und dann hörte sie mit Erleichterung die Dusche, und wusste, dass es nur sie sein konnte. Auf ihrem Bett lag ein Buch, und Heather hob es auf. Es war ein Tagebuch, wie sie bemerkte, und es war nicht verschlossen... Heather blätterte darin herum und begann es zu lesen. Sie verzog ihr Gesicht. Dann lächelte sie gehässig. 'Klar, dass Rea sich um dich kümmert, du "Möchtegernbitch"!' dachte sie nur; und dann lächelte sie noch gehässiger und steckte das Tagebuch ein. Und sie nahm ihr Handy und schlich zur Dusche, in der Jess mit geschlossenen Augen stand und nicht sah, wie Heather Fotos von ihr schoss. Fotos, wie sie mit nacktem Körper da stand und sie von allen Seiten ablichtete....
Nein, Jess merkte nichts davon, weil sie es genoss, in der warmen Dusche zu stehen. Dann war Heather fertig und verschwand so leise wie sie gekommen war. Dieser Type würde sie es zeigen - die würde schneller wieder aus ihrer Gemeinschaft verschwinden, als sie es ahnen konnte.. Als Jess fertig war, stieg sie aus der Dusche und fühlte sich besser. Sie zog sich an und sah auf die Uhr - es war mittlerweile 10 vor sieben und Zeit hinab zu gehen. Vielleicht würde sie ja schon auf die anderen treffen, und es gab eine Gelegenheit, noch einmal mit ihnen zu reden? Vielleicht war doch nicht alles zu spät? Überlegte sie noch; ja, irgendwie hatte sie wieder Hoffnung geschöpft. Die Dusche hatte wirklich gut getan.

Dann trat sie aus dem Zimmer und lief den Weg zurück, den sie vorhin gekommen war. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, und schließlich kam sie an dem Raum an. Sie hörte bereits lautes Lachen und beinahe Gekreische heraus, und fragte sich, was da wohl los war... Rea konnte wohl kaum schon da sein, der würde niemals so einen Radau akzeptieren. Außerdem war es noch nicht ganz sieben!
Schließlich trat auch Jess ein - und blieb wie vom Schlag getroffen stehen.
Sie sah Heather vor sich, die mit dem Rücken zu ihr stand und etwas in den Händen hielt. Was es war, konnte sie zwar nicht sehen, aber sie konnte hören, was Heather daraus vor las - und sie wusste, was es war: Ihr Tagebuch! Die anderen standen um Heather herum und lachten. Keiner von ihnen hatte Jess registriert, die fassungslos auf sie starrte. Woher hatte dieses Miststück ihr Tagebuch? Wie kam sie dazu, ihre intimsten Gedanken, Gefühle, alles was in ihr war, laut vorzutragen??
Und dann kam es noch schlimmer. Heather legte das Buch auf den Tisch vor sich und holte etwas aus ihrer Tasche. Jess, die sich noch nicht zu erkennen gegeben hatte sah, dass es ein Handy war - und dann blieb ihr der Atem weg, als sie sah, dass Heather das Handy hoch hielt und ein Bild erschien: SIE, nackt, unter der Dusche! Ihr nackter Körper, ihre Brüste... Sie ließ ein Keuchen von sich - dann lief sie hinaus. Sie konnte nicht mehr. Ihre Gedanken liefen Amok. Diese Bitch hatte sie fotografiert! Und ihr Tagebuch gestohlen! Tränen liefen ihre Wangen herunter. Sie lief auf ihr Zimmer und wäre beinahe gegen den Wandschrank gelaufen, doch sie konnte gerade noch rechtzeitig stoppen. Sie wollte hier weg! Nur noch weg!! Auch, wenn sie gerade noch etwas anderes gedacht hatte, und der Meinung gewesen war, sie sollte sich nicht unterkriegen lassen; DAS war eine Nummer zu groß. Das würde sie nicht aushalten, das wusste sie!

Sie hatte ihren Koffer aus dem Schrank gerissen und holte gerade ihre Sachen heraus, um sie einfach so, ungeordnet in den selben zu schmeißen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Erschrocken bis beinahe panisch drehte sie sich um und sah Rea hinter sich, der sie ebenfalls erschrocken anschaute: "Jess, what's going on? Ich wollte dich abholen, it's a few Minutes vor seven... Was is los here? We have a Teammeeting now!"
Jess schüttelte den Kopf. Sie versuchte, die Tränen zu unterdrücken, doch es funktionierte nicht. Dann brach es aus ihr heraus: "Ich kann hier nicht bleiben, Rea... Es ist so furchtbar hier... Ich kann nicht mit dieser Heather in einem Raum sein.. Sie hassen mich, sie hassen mich alle - und Heather am meisten.." Sie weinte stärker, ihre Stimme war kaum noch zu verstehen, als sie fort fuhr: "Ich, ich hab eben noch geduscht, vor etwa einer halben Stunde.. Heather muss hier.. hier gewesen sein.. Sie hat.. sie hat mein Tagebuch gestohlen und mich geknipst - unter der Dusche!.. Ich, ich war eben unten; und da hab ich gehört wie sie.. wie sie aus meinem Tagebuch vorgelesen hat - und ich hab gesehen, wie sie den anderen meine Fotos gezeigt hat.. Und alle haben gelacht! Ich will nach Hause.." Dann fing sie erneut an zu weinen.

Rea glaubte sich gerade in einem schlechten Film. Das war ja wohl nicht wahr! Doch er wusste, dass Jess sich so etwas nicht ausdachte. Langsam kam Farbe in sein Gesicht - tiefes, dunkles Rot, das aus einem Gefühl der Wut heraus kam. Er riss sich aber - noch - zusammen und sagte, mit gepresster Stimme:
"Jess, ick will dass du mitkommst! Now! We go doinstairs! Und lass dein Koffer here - DU gehst nirgendwohin!" Damit nahm er Jess an die Hand und zog das etwas verdutzte Mädchen mit sich. Jess ließ es geschehen, doch sie sah keinen Sinn mehr darin. Sie würde nicht bleiben. Was hatte Rea denn jetzt vor?

Dieser wurde immer schneller. Er war wütend. Nein, "wütend" war der falsche Ausdruck, für das Gefühl, was in ihm gärte. Dann waren sie an der Tür angekommen und Rea stieß sie auf. Er sah ebenfalls, dass seine Talents über etwas gebeugt waren, und anscheinend so vertieft darin waren, dass sie nicht einmal merkten, dass er - und auch Jess - herein kamen.
Sobald Rea den Raum betreten hatte, polterte er los: "Na, liest ihr was interessantes?" Seine Stimme war dunkel und beinahe bedrohlich. So hatte ihn noch niemand gehört. Alle drehten sich erschrocken um. Vor allem Heather, Marius und Maurice war der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Sie blickten von Rea zu Jess hinüber, die sie jetzt erst bemerkten, und besonders Heathers Augen funkelten. Dann sah sie wieder zu Rea und fragte, sichtlich beherrscht: "Was meinst du?" Rea hatte noch gesehen, dass sie schnell etwas in ihre Tasche gestopft hatte - ihr Handy! Doch zuerst stob er nach vorne und schob sich zu dem Tisch, auf dem das Tagebuch offen herum lag. Er riss es an sich. Dann reichte er es Jess, die hinter ihn an der Tür stand. Sein Atem ging stoßweise, als er sich an Heather wandte: "I want your Mobilphone! NOW!" schrie er und hielt ihr seine Hand hin. Heather schluckte, doch sie tat unwissend: "Mein Handy? Warum??"
Um sie herum war Schweigen eingetreten. Keiner sagte mehr etwas, doch man konnte die Spannung knistern hören. "Warum willst du mein Handy?.." versuchte es Heather noch einmal, doch sie wurde unterbrochen: "Ick will keine Ton mehr von dir hören, Heather. Ich sag es dich noch einmal: Gib mir jetzt deine Handy - oder es wird etwas passieren, was ich auch nicht will... Deine Handy, now! Und du weißt ganz genau weshalb - ihr alle auch, nickt wahr?" fragte er, und schaute dabei in die Runde.

Betretene Gesichter sahen ihn an, die meisten schauten gen Boden. "Und feige seid ihr auch noch.. Ich hab nich gedacht, dass ich eine solche Bande here hab... Heather, ich will jetzt keine Handy, ich sag es dir nich noch einmal! Sonst hol ich es mir!" sagte er, und trat einen Schritt auf Heather zu, mit einem Gesichtsausdruck, der auch diese etwas erschreckte. Trotzdem war sie nicht bereit, ihrem Coach so einfach ihr Handy auszuliefern. "Und ich sehe nicht ein, warum! Wenn du mir nicht mal einen Grund nennen kannst... Außerdem.. Vielleicht fände ich es gar nicht so schlimm, wenn du es dir holen kämst..." flötete sie in seine Richtung - mit einem kleinen Augenaufschlag..
Das war zuviel für Rea. Er trat auf Heather zu und packte sie am Arm. Dann langte er in ihre Hosentasche und holte das Handy heraus, von dem er wusste, dass sie es dort hinein gesteckt hatte. Heather war zu erschrocken, um etwas zu sagen, die anderen genauso. Er ließ sie wieder los - seiner Meinung war der Griff nicht allzu fest gewesen - und drückte auf einige Knöpfe des Handys. Dann sah er die Bilder. Wieder überzog Röte sein Gesicht. Sein Ausdruck wurde noch verkniffener. Er begann, die Bilder zu löschen, eins nach dem anderen. Als er fertig war, fragte er, an Heather gewandt: "Wurde etwas davon in die Internet gepostet? Sag die Wahrheit!" Heather schwieg. Auch ihr Gesichtsausdruck war wütend. Er hatte es echt gewagt, sie anzufassen? Und dann auch noch relativ hart.. Das würde er noch bereuen! dachte sie bei sich...

An ihrer Statt antwortete eines der Mädchen, die sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte, ihr Name war Mandy: "Nein, Rea.. Sie hat nichts im Netz gepostet. Nur hier rum gezeigt, und ich fand das auch nicht so toll..."
"Na, gesagt hast du aber auch nichts, du feige Nuss!" giftete Heather zurück. "Ich hätte gar nichts sagen können, du hättest es ja so oder so getan..." Dann wandte sie sich an Jess, die immer noch am Türrahmen stand: "Tut mir leid..." sagte sie leise. Jess antwortete nicht. Sie war immer noch zu schockiert - und wollte eigentlich nur noch weg. Nach Hause...
Rea blickte kurz zurück und konnte sich denken, was Jess fühlte. Es tat ihm so leid. Er war wieder einige Schritte von Heather zurück gewichen und warf ihr das Handy zu, es war ihm egal, ob sie es fangen konnte oder es dabei kaputt gehen würde. Sie konnte es auffangen. Die Bilder waren selbstverständlich gelöscht.

Dann stellte er sich neben Jess und sah in die Runde, angefangen mit Heather, Marius und Maurice. "So, als erste wird Heather ihre Sachen packen! Du wirst verschwinden, Heather! Ich will keine solche..." Er biss sich gerade noch rechtzeitig auf die Zunge um kein Wort zu verwenden, dass ihm hinterher leid tun könnte und fuhr fort: "nicht so jemand in meine Team! So etwas mackt man nich!" Dann wandte er sich auch an die anderen: "Die Tagebuch ist etwas personliches! Keine von euch wurde es toll finden, wenn seine personlichste Dinge an die Öffenlichkeit kommen! Jess hat genug durchlitten - here sollte es ihr gut gehen! Was meint ihr, womit hat sie das verdient? Und die Bilder? Nacktfotos? Are you insane, Heather?? Go out of my eyes - Ich will dich nich mehr sehen. Ich denke, unser Problem mit die eine zuviel hat sich gerade gelöst, now we are right!"
Heather starrte ihn fassungslos an. Er meinte das wirklich ernst?!? "Du, du schmeißst MICH raus? MICH, die ich hier so weit gekommen bin? Wegen dieser Schlampe? Die drängt sich doch hier rein! Vermutlich ist sie dir in den Hintern gekrochen - oder du ihr?? Vielleicht ist ja mehr zwischen euch, immerhin hat sie ja geschrieben, dass du ihr soo viel bedeutest, nicht wahr, Herzchen?..."

Weiter kam sie nicht. Rea trat vor sie und sein Gesicht hatte sich so verhärtet, dass selbst Heather Angst bekam. "Rea.." hörte er eine Stimme hinter sich, es war Jess: "Bitte.. Lass, lass sie hier.. Es, es hat doch keinen Sinn; ich, ich werde gehen, dann hat alles wieder seine Richtigkeit und ihr seid wieder zu acht..." "NO! Ich sagte, Heather geht - und das hat nicks mit dir zu tun! Ich arbeite nich mit so eine Mensch zusammen! We are a Team here! Du wirst bleiben, Jess - vielleicht ist es besser, when ich gehe und ihr bekommt eine neue Coach.."
Erschrockenes Aufkeuchen war zu hören, und einige Stimmen erreichten Rea: "Nein! Bitte, bleib hier! Wir, wir werden so etwas nicht noch einmal machen - bitte, es tut uns leid, Rea.." "Ihr seid alle soo feige, wisst ihr das? Im Grunde denkt ihr doch eh alle das gleiche und keiner traut sich, das jetzt laut zu sagen! Ihr alle denkt doch das gleiche wie ich: Dass diese kleine Nutte da Rea in den Arsch kriecht, und er sie deswegen zurück geholt hat - Vielleicht hat sie ihm ja auch noch einen geblasen und er ist ihr was schuldig? Egal was es ist, und warum - er wird sie bevorzugen! Sie wird gewinnen - dank ihm!! Und keine Sorge, Rea - bei so einem dreckigen Deal will ich nicht dabei sein - ich geh schon, keine Angst. Viel Spaß noch Leute - und denkt an meine Worte - keiner von euch hat ne Chance!"
Und mit diesen Worten ging Heather an Rea an den anderen vorbei nach draußen. Als sie an Jess vorbei kam, kreuzten sich ihre Blicke - und wenn Blicke töten könnten, wäre Jess zu Staub zerfallen...

Deren Beine knickten ein, sie konnte nicht mehr. So hatte sie das nicht gewollt. Sie wollte wieder nach Hause. Wieso hatte Rea sie hierher geholt? Sie wusste zwar, wo sie war und sie wollte auch nicht weinen, aber sie konnte es nicht mehr zurück halten. Die Tränen kamen einfach und dann fühlte sie Hände, die sie streichelten, und sie dachte unwillkürlich erst einmal an Rea. Doch sie wollte nicht, dass er sie tröstete, nicht hier.
Deswegen riss sie sich zusammen, und sah auf; sie wollte ihm sagen, dass er sie in Ruhe lassen sollte, und sie wollte auf ihr Zimmer gehen, doch es war nicht Rea, der sie ansah, sonderen Mandy. "Es tut mir wirklich leid... Ich habe auch nichts gesagt, aber ich fand es nicht gut, was Heather gemacht hat.. Ich weiß, sowohl das mit dem Tagebuch, als auch das mit den Bildern war gemein - und ich kann verstehen, wenn du mir nicht glaubst.. Aber es würde mich wirklich freuen, wenn du meine Entschuldigung annehmen würdest.. Es war wirklich nicht in Ordnung, was wir gemacht haben..."

Jess sah sie an. Ja, es sprach ehrliches Bedauern aus ihr heraus. Nicht nur aus ihren Worten, die auch leere Hülsen sein könnten, nein, ihr ganzes Auftreten, ihre Mimik, alles ließ darauf schließen, dass sie es wirklich ernst meinte. Jess versuchte ein Lächeln zustande zu bringen und stand langsam wieder auf. "Ja, ist okay... Ich verzeihe dir.. Ich weiß nicht, was ihr in meinem Tagebuch alles über mich gelesen habt.. Aber ich habe nichts von dem gemacht, was Heather mir da gerade unterstellt hat.." Sie blickte zu Rea. "Und Rea und ich hatten nie..."
"Schon gut, verstehe.. Heather ist einfach durchgedreht, als sie erfahren hat, dass du dazu kommst... Keiner von uns glaubt, dass du und Rea was zusammen hattet - oder?" fragte sie in die Runde. Eine wirkliche Antwort bekam sie nicht...

Rea wurde es ehrlich gesagt auch langsam zu viel. Er hatte eigentlich vorgehabt, jetzt und heute Abend die Einteilung der Songs zu machen, doch dazu hatte er jetzt keine Lust mehr. Der Abend war vorbei. Er würde das Meeting hier jetzt auflösen und dann jemanden beauftragen, sich zu vergewissern, dass Heather wirklich gegangen war! Er selbst würde es nicht tun. Dann sah er noch einmal in die Runde. "Ich hoffe, ihr anderen akzeptiert Jess now! Ich sage es noch einmal: She is now eine in unsere Team! Nicht mehr und nicht weniger als alle andere here! Ich werde sie nicht bevorzugen! Bei niemand von euch werde ich das! Aber when jemand noch einmal so eine Scheiße abzieht wie Heather dann fliegt er - und when es das ganze Team ist! So etwas lasse ich nickt zu, verstanden?" Er sah noch einmal in die Gruppe und alle nickten. "Gut, dann will ich jetzt, dass ihr in eure Zimmer geht - fur heute is die Meeting beendet..." "Aber ich dachte, du wolltest uns unsere Songs mitteilen - es ist doch nich mehr lang bis zur Show..." wandte Maurice ein. Rea sah ihn an, er war müde, das konnte man ihm anmerken; "Wollte ich, aber jetzt nich mehr! Morgen! Ich sag euch noch Bescheid, wann.. Bye  - und ich wurde mich freuen, wenn ihr versucht, euch ein wenig um Jess zu kummern - sie zu integrieren..." Damit ging er aus der Tür, lächelte Jess und auch Mandy noch einmal zu, und ging tatsächlich hinaus...

Die anderen starrten ihm hinterher. Keiner konnte glauben, dass er sie nun einfach so alleine gelassen hatte. So hatten sie es sich auch nicht vorgestellt.. Dann kamen einige ebenfalls auf Jess zu und dieser wurde wieder flau im Magen, doch die Mädchen und Jungen taten im Grunde dasselbe, wie Mandy; sie entschuldigten sich. Auch bei ihnen konnte Jess ehrliche Reue erkennen und so nahm sie die Entschuldigungen an - doch mehr konnte sie erst einmal nicht erwarten. Maurice und Marius gehörten nicht zu denen, die zu ihr kamen, die beiden Jungen gingen an ihr vorbei und streiften sie mit einem eiskaltem Blick. Nein, die beiden würden nicht ihre Freunde werden... Außerdem hatte sie irgendwie ein schlechtes Gefühl, was diese Heather anging; obwohl sie ja eigentlich schon draußen sein sollte.. Und ob es jetzt wirklich hilfreich war, dass Rea sie ihretwegen raus geschmissen hatte, wusste Jess auch nicht.. Doch sie konnte jetzt nichts mehr daran ändern. Resigniert ging auch sie zurück auf ihr Zimmer. Sie wünschte sich, sie hätte Rea Angebot niemals angenommen. Es war so anders als beim letzten Mal.. So ganz anders. Und es gefiel ihr überhaupt nicht.

Und auch Rea überlegte, ob er nicht einen Fehler gemacht hatte. So schwer hatte er es sich wirklich nicht vorgestellt. Mittlerweile war auch er auf seinem Zimmer und hatte sich bestätigen lassen, dass Heather wirklich weg war. Er war erleichtert. Trotzdem wusste er, dass ein dreckiger Klumpen auf ihm lastete - "dank" Heather. Er wusste natürlich nicht, was Jess in ihr Tagebuch geschrieben hatte, aber er ging nicht davon aus, dass es etwas war, was darauf schließen ließ, dass sie und er...
Nein, so etwas würde sie nicht schreiben! Aber trotzdem wusste er, dass sie eine sensible Natur war, und vielleicht standen dort Dinge, auch über ihn, die man eventuell missverstehen könnte? Wenn man es denn wollte? Er wusste es nicht Fragen kam für ihn natürlich nicht in Frage, aber wenn es so war, und auch die anderen diese Dinge nun kannten, denn Heather hatte es wohl mit Freude laut verkündet, dann würde es beinahe unmöglich für ihn sein, weiterhin ihr Coach zu bleiben! Aber sie rauszuschmeißen, nachdem er sie gerade erst wieder rein geholt hatte, kam auch nicht in Frage! Und in ein anderes Team? Dann hätte er aber seins in der Unterzahl und das Team in dem Jess dann wäre, sie zuviel... Dasselbe Problem wie bei ihm zuvor, als Heather noch da war... Und ob Jess es dort leichter haben würde, wusste er auch nicht. Auch die anderen Coaches kannten Jess vom letzen Jahr.. Er seufzte. Er war ein Träumer. Seine Frau hatte Recht behalten. Nach einigen Tagen hatte auch Jo ihm gesagt, dass sie durchaus Bedenken hatte, und auch er hatte sie abgekanzelt. Genauso wie Ralf zuvor... Er wollte es nicht hören, und doch wusste er, dass es so nicht weiter ging. Wie auch immer, er brauchte eine Lösung - und plötzlich schob sich eine Idee in seinen Kopf, die wie immer spontan kam, und ihn quasi "überfiel". Und zuerst hielt er es für Spinnerei, doch je länger er darüber nachdachte, desto eher kam er darauf, dass es gar nicht so schlecht sein könnte...
Langsam nahm er den Telefonhörer in die Hand - und legte wieder auf. Nein, er würde nicht klein beigeben! Egal, was für Probleme nun auf ihn zukamen, er musste sie durchstehen. Genau das verlangte er von Jess, und es wäre definitiv nicht fair ihr gegenüber, wenn er jetzt derjenige war, der aufgab. Nein, er würde weitermachen und hoffen, dass die Probleme sich lösten - immerhin war Heather fort.
Doch leider machte Rea es sich zu einfach; Heather war zwar fort - aber die Probleme, die mir ihr einhergingen, fingen jetzt erst an...

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Christal, 31
Traumland