7. Befragung

Sie warteten auf das Eintreffen der Polizei und besonders für Rea war es grausam. Er wusste nicht, was er denken oder fühlen sollte, er machte sich einfach nur Gedanken und Sorgen um Jess. Natürlich ging es den anderen ähnlich, aber bei ihm war es am schlimmsten. Schließlich wollten alle zusammen nach oben gehen um ihre verbliebenen Teammitglieder - 4 pro Team - in den Probenraum zu rufen, doch vorher gab Xavier Rea noch den Tipp, sich umzuziehen. Dieser hatte gar nicht bemerkt, dass er immer noch in seinen triefnassen Klamotten steckte, doch jetzt begann er, wieder darin zu frieren. Und so lief er, nach kurzer Absprache mit dem Notarzt, der die Polizei informiert hatte, in sein Zimmer und zog sich um. Danach holte er sein Team ab.
Kurze Zeit später war die Polizei eingetroffen und wartete bis alle Teammitglieder und die Jury versammelt waren. Besonders Rea war anzusehen, wie sehr es ihn mitgenommen hatte..

Dana und Steffi sahen sich an. Sie hatten sich schon gewundert was los war, als Rea bei ihnen im Zimmer aufgetaucht war, und ihnen kurz angebunden mitgeteilt hatte, dass sie mit in den Probenraum kommen sollten. Sie sahen sich an, dann folgten sie ihm und sahen, dass auch das 4. Mitglied ihres verbliebenen Teams, ein Junge namens Michael, und die Mitglieder der anderen Teams in Richtung des Raumes gingen. Anscheinend war hier große Versammlung.. Doch irgendwie vermisste Dana plötzlich Jess. War sie immer noch unten? Sie wollte doch schwimmen gehen.. Dana lief zu Rea und fragte: “Rea, warte mal; ich glaube, Jess ist unten im Swimmingpool. Weiß sie auch bescheid?” Reas Eingeweide zogen sich zusammen und er musste sich beherrschen. Er ballte kurz die Fäuste und schüttelte den Kopf. An seiner Stelle antwortete Nena, die Danas Frage gehört hatte: “Ihr werdet gleich alles verstehen.. Kleinen Augenblick Geduld ja, und jetzt stell bitte keine weiteren Fragen mehr, okay?” Irgendwie verstand Dana gerade gar nichts. Sie sah, wie Rea einen Zahn zulegte und machte sich Sorgen. So komisch war ihr Coach ja noch nie gewesen… Was war denn los??

Dann waren sie im Probenraum angekommen. Dana erkannte plötzlich, dass Polizisten im Raum standen. Was war hier los? Sie sah erschrocken zu Steffi, und auch diese zuckte nur die Schultern. Sie würden es noch zu hören bekommen, anscheinend war es ernst genug, hier eine Vollversammlung einzurufen, und selbst der Pförtner und andere Mitarbeiter waren dazugerufen worden… Das war in der Tat sehr merkwürdig…
Dann begann Alec zu sprechen. Seine Stimme klang zwar fest, aber trotzdem meinten Dana und Steffi etwas heraus zu hören, was sie an dem Teamcoach so noch nie gehört hatten. Er war ja sonst immer der tougheste hier… Und was er dann sagte, ließ allen das Blut in den Adern gefrieren - besonders Dana und Steffi…

“Hört zu, es ist was schreckliches passiert… Ihr werdet euch sicherlich fragen, was die Mitarbeiter der Polizei hier machen; ich werde es euch sagen” - er hielt kurz inne um Luft zu holen, dann fuhr er fort: “Vor wenigen Minuten hat hier in unserer Mitte ein schreckliches Verbrechen stattgefunden. Eines unserer Mädchen - Jess - ist unten im Poolraum vergewaltigt worden…”

Dana schrie auf. Auch Steffi wurde leichenblass und man hörte von überall keuchen und andere Geräusche. Rea sah sich um. Er stand einfach nur da und sah sich sämtliche Jungen aus den Teams an - angefangen mit Michael, über die Jungs von Boss-Hoss, Nena und Xavier. Er sah in allen Gesichtern nur fassungsloses Entsetzen über diese furchtbare Neuigkeit, genauso wie bei den Mädchen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass das nur gespielt war! So gut konnte niemand schauspielern, oder etwa doch? Sollte er sich so in diesen jungen Männern täuschen? Nein, das konnte nicht sein! ‘von denen war es keiner… Aber wer dann?’ dachte er nur. Wer war es dann, verdammt noch mal? Wer kam nur in Frage??


Nach einer weiteren kurzen Pause fuhr Alec fort: “Wenn einer von euch etwas gesehen hat, oder etwas mitteilen kann, dann bitte, sagt es! Wir brauchen jede Information!” Weiter kam er nicht, denn Dana war vorgetreten und fragte mit zitternder Stimme: “Wo ist sie denn jetzt?? Wie geht es ihr??? Rea.. Wie geht es Jess??” Sie weinte beinahe und Rea brach es beinahe das Herz. Er sah sie an und schluckte. Das schlimmste hatten sie noch gar nicht gesagt.. “Nich sehr good… She was ohne Bewusstsein.. Und die Arzte haben sie grade erst wiederbelebt.. But she has no breath.. Keine Atmung…” Dann schwieg er, weil er merkte, dass auch ihm Tränen in die Augen stiegen, als er daran dachte - und er wollte seinen Gefühlen hier nicht freien Lauf lassen. Nicht vor ihren Teams…

Diese sahen immer noch völlig geschockt aus. Mindestens genauso geschockt wie ihre Coaches. Und auch Nena, Xavier und die Jungs von Boss-Hoss kamen nicht umhin, sich jeden Jungen, beziehungsweise Mann aus allen Teams genau anzuschauen. Und sie kamen zur selben Einschätzung wie Rea: Keiner von ihnen traute es ihnen wirklich zu. Weder die Tat, noch die Verstellung…

Doch wenn es keiner von ihnen gewesen war, wer dann, verdammt noch mal?? Schließlich mischte sich ein Polizist ein, der sagte: “Hören Sie, wie schon gesagt: Wenn jemand von Ihnen etwas weiß, dann soll er es bitte jetzt sagen! Wir werden von jedem hier eine Aussage und die Personalien aufnehmen, außerdem werden wir Spuren sammeln. Ist wirklich niemanden etwas aufgefallen? Mit wem war das Mädchen zuletzt zusammen, vor der Tat?”
Dana trat vor und sagte mit zitternder Stimme: “Sie, sie war vorher noch in unserem Zimmer… Und sie hat Steffi und mich gefragt, ob wir mit kommen wollen - schwimmen… Und wir haben abgelehnt.. Wenn wir mitgegangen wären, wäre das nicht passiert…” Sie fing an zu weinen.

Rea sah sie an. Langsam ging er auf sie zu und nahm sie in den Arm. “Dana, das is Unsinn! Das is doch nickt deine Schuld! Weder yours, noch Steffis, okay??” Er nahm ihren Kopf in seine Hände, hob ihn hoch und sah ihr genau in die Augen. “Okay??” wiederholte er und sie nickte langsam. Wirklich überzeugt, dass sie ihm glaubte, war Rea nicht, aber mehr konnte er nicht tun. Er drückte sie kurz an sich, dann ließ er sie los und ging zurück zu den anderen Jury-Mitgliedern. Jetzt musste er sich auch noch Sorgen um Dana und eventuell um Steffi machen.. Verdammt… Was war das nur für ein verdammter, beschissener Tag…

Der Polizist sah weiter in die Runde und dann fuhr er fort: ”Also anscheinend hat keiner von euch/Ihnen einen Tipp wo wir ansetzen können? Dann muss ich Sie bitten, mir jetzt alle Ihre Personalien zu geben…”

Bevor er weiter machen konnte, räusperte sich ein Mann, der bis jetzt sehr still gewesen war. Es war der junge Pförtner, der nicht wusste, was er tun sollte. Er hatte schon eine schreckliche Ahnung gehabt, als der Krankenwagen vor der Pforte gehalten hatte, und er die Notärzte und Sanitäter herein lassen musste - und als sie dann das Mädchen heraus getragen hatten..

Er wusste als einziger, was wirklich geschehen war, denn er ahnte, wer der Täter sein musste! Der Mann, den er ins Gebäude gelassen hatte… Und er wusste auch, dass er verdammten Ärger bekommen würde, wenn er es zugeben würde. Also hatte er bis jetzt mit sich gehadert. Doch er konnte es nicht zulassen, dass andere für seinen Fehler büßen mussten, und außerdem würde es die Untersuchungen behindern, wenn er nicht bald redete… Schließlich fasste er sich ein Herz und begann zu reden: “Also, ich… Ich hab da glaube ich was zu sagen.. Aber ich möchte das alleine mit einem der Polizisten besprechen, wenn ich darf…”
Weiter kam er nicht, denn Rea und die anderen Jury-Mitglieder waren zu ihm getreten: “What? What has du gesehen?” fragte ihn Rea. Er war angespannt, denn er hatte die Hoffnung, dass endlich etwas heraus kam, was ihnen weiter helfen konnte, fragte sich allerdings gleichzeitig, weshalb der Mann so ein Theater darum machte. Dasselbe fragten sich die anderen auch.

“Sagen Sie uns jetzt und hier, was sie wissen. Also?” fragte der Polizist und zückte sein Notizbuch. “Was ist Ihnen aufgefallen?” Der Pförtner schluckte. Jetzt war die Stunde der Wahrheit und es fiel ihm denkbar schwer anzufangen. Er blickte auf den Boden und begann schließlich, zu sprechen: “Ich, ich hab glaub ich ziemlichen Mist gebaut…” Das war schon einmal ein verdammt schlechter Anfang, wie er direkt merkte, denn er fühlte stechende Blicke auf sich - und die kamen vor allem von Rea.
“Sprechen Sie weiter”, forderte ihn der Polizist auf, und er wusste, dass er zu weit vorgedrungen war, um jetzt aufzuhören. “Ich, ich hatte heute Vormittag einen Mann an der Pforte gehabt, der aussah wie ein Elektriker… Er hatte einen Schein in der Hand - und er sagte, dass er dringend etwas zu reparieren hätte; wohl Kabel oder so was, und naja, er meinte, dass es eilig wäre und keinerlei Aufschub duldete, wenn ich nicht riskieren wollte, dass was passiert.. Und da, da…” Schließlich sagte er es: “Ich hab ihn reingelassen…”

Rea starrte ihn an. Das konnte nicht wahr sein! Das war ein schlechter Joke! Und doch - anhand des schuldbewussten Gesichts des Mannes konnte er erkennen, dass es kein “Witz” war… In Rea kroch Wut hoch. Nackte Wut. “You have WHAT? Du hast eine fremde Mann einfach so ins Gebäude gelassen?? Ohne eine von uns zu informen??” Auch die anderen konnten es nicht fassen. Jetzt war ihnen klar, dass es keiner ihrer Talente gewesen war; sondern ein Kerl, der sich als Elektriker ausgegeben hatte.. Und langsam stieg in allen ein Verdacht auf, WER dieser Mann gewesen sein könnte… “Shit… Das war ER! Das kann nur er gewesen sein..” flüsterte Sascha. “Wen meinen Sie?” fragte der Polizist nach und Xavier antwortete an Saschas Stelle: “Der Stiefvater des Mädchens.. Der Mistkerl hat die Kleine jahrelang sexuell missbraucht - bis sie ihn, nach einem Selbstmordversuch, angezeigt hat und er für einige Jahre ins Gefängnis gesteckt wurde. Rea hat sich vor einiger Zeit bei Ihren Kollegen informiert: Der Scheißkerl ist draußen - und er hat uns vor kurzem hier belästigt! Da stand er allerdings an einem Seiteneingang auf der anderen Straßenseite und ist verschwunden, als wir ihn vertrieben haben…” Dann wandte auch er sich an den Pförtner, seine Augen wurden zu Schlitzen: “Sag mal, du weißt schon, was deine Aufgabe hier ist, oder? Niemanden reinzulassen, den du nicht kennst, ohne ihn vorher zu überprüfen!! Verdammt noch mal!! Wieso hast du das nicht getan! Deinetwegen ist das Mädchen jetzt in diese Lage gekommen!”

Der Pförtner war geschockt. Ihm war jetzt erst klar geworden, was er da für einen Bockmist gebaut hatte. “Ich, es.. Es tut mir so leid.. Wirklich! Es war ja nur, weil er meinte, es wäre so dringend.. Ich wollte nicht, dass was passiert, mit den Oberleitungen oder so und..” “SHUT YOUR MOUTH!” knurrte Rea und blickte ihn mit blitzenden Augen an. “Mack dass du wegkommst, before mir die Sicherung durchbrennt..” Er meinte es Ernst, Rea stand kurz vor dem Ausbruch.
Sie hatten alles getan, damit dieser verdammte Bastard die Kleine nicht mehr belästigte, und “dank” dieses Dilettanten hier, hatte er es geschafft, über sie herzufallen; hier in ihrem Gebäude! Nena trat zu ihm und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter - sie konnte seine Anspannung spüren - und auch Alec und Sascha traten zu ihm. “Mein Freund hat Recht: Pack deine Sachen und verschwinde! Du bist gefeuert. Na los! Wird´s bald!” fauchte Alec und seine Stimme hatte einen drohenden Unterton. Der Pförtner wandte sich zum Gehen, doch der Polizist hielt ihn auf. “Warten Sie, bevor sie gehen, möchte ich Sie bitten eine Phantomzeichnung anzufertigen.” Dann wandte er sich an die Jury. “Jetzt wo anscheinend geklärt ist, dass der Täter wohl von außen kommt, können Sie erst einmal gehen. Ich werde Sie allerdings vielleicht doch noch später noch einmal befragen müssen..”

“Konnen wir dann ins Hospital?” fragte Rea. Er brannte darauf hinzufahren und heraus zu finden, ob sich an Jess’ Zustand etwas geändert - vielleicht sogar verbessert? hatte… Der Polizist nickte. “Ja, das dürfen Sie. Den Herrn hier nehmen wir mit aufs Polizeirevier und er wird ein Phantombild erstellen. Dieses werden wir Ihnen dann auch zeigen, Sie kennen ja anscheinend diesen Mann, wenn es wirklich der Stiefvater des Mädchens gewesen sein sollte. “Sie mussen Ihn auch kennen - he is in your Datei!” antwortete Rea wütend. Er wollte jetzt nur noch weg. Ins Krankenhaus und sich nach ihrem Zustand erkundigen. Und sie kamen schließlich überein, dass erst einmal Rea zusammen mit Xavier und Nena hinfahren sollten, während Alec und Sascha bei den Jungs und Mädchen blieben, die mittlerweile wieder hingehen konnten, wohin sie wollten. Dana und Steffi wollten zuerst auch mit ins Krankenhaus, doch Alec überzeugte sie davon, dass jetzt erst einmal nur die drei fahren sollten, damit es nicht zu viel werden würde - wenn Jess überhaupt dazu in der Lage sein würde, Besuch zu empfangen. Auch sie machten sich Gedanken: War sie aufgewacht? Hatte ihr Zustand sich gebessert? Oder war sie.. Doch daran wollte keiner von ihnen auch nur denken, alleine schon deswegen, weil Rea ausflippen würde, wenn dies geschah…
Und so fuhren schließlich Rea, Nena und Xavier zusammen ins Krankenhaus und die anderen Coaches und ihre Teams konnten den Raum wieder verlassen.
Die Polizisten nahmen den Pförtner mit, der mit Hilfe der Datei schließlich den Täter identifizierte. Wie sich heraus stellte, war es Jess’ Stiefvater. Und so wurde eine Fahndung nach ihm ausgeschrieben, doch diese verlief erst einmal im Sande…

About Me

Christal, 31
Traumland