35. "der Anschlag"

Es waren einige Stunden vergangen, und in Maurice brodelte es immer noch. Verdammt, der kleinen Schlampe würde er es zeigen. Er wollte nicht gegen sie antreten. Die musste hier raus, auf Teufel komm raus! Zuerst war er sogar drauf und dran, in ihr Zimmer einzudringen und sie zusammen zu schlagen, doch dann war er doch vernünftig genug, sich zu besinnen, dass dies sein Untergang sein würde.
Doch dann kam ihm ein anderer Gedanke. Er wusste, dass Heather so einiges an "verbotenen Substanzen" bei sich hatte, und auch schon das eine oder andere herein geschmuggelt hatte, als sie noch bei ihnen war. Auch dafür hatte er sie gemocht. Es war nie zuviel gewesen, so dass es nicht aufgefallen war. Aber es hatte gut getan... Er nahm sein Handy und wählte Heathers Nummer, sie hatten noch Kontakt, auch nach ihrem Rausschmiss...

Heather war überrascht, als sie von seinem Anliegen hörte, doch dann breitete sich ein gemeines Grinsen auf ihrem Gesicht aus: "Du willst ihr Drogen unterschieben? Wow, hätte dich gar nicht für so gemein gehalten..." feixte sie. Maurice antwortete: "Tja, ich hab ne gute Lehrerin... Hast du was "Gutes" für mich? Man sollte es nicht sofort merken, also nicht unbedingt Extasy oder so was..."
Heather überlegte etwas länger, dann antwortete sie: "Es müssen ja nicht unbedingt Drogen sein... Ich hab da was Neues, ein Medikament, aber das ist noch in der Probephase; du weißt doch, dass mein Vater Arzt ist... Die probieren es noch aus, also ist es nicht offiziell erlaubt. Aber ich kann da was abzweigen. Und wenn du das dann schaffst, es in ihr Getränk zu schütten, dann gibt es bestimmt schöne Nebenwirkungen; irgendwas ist immer; Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Brechreiz, Magen-Darm... Na, du weißt schon..." Maurice hörte sie geradewegs lächeln.
"Mann, bist du verschlagen.. Okay, ich hab heute Nachmittag frei, ich muss erst Morgen proben.. Kannst du mir das Zeug heute geben?" Heather antwortete: "Klar kann ich das. Wir treffen uns im Park, du weißt schon wo. In zwei Stunden - und denk dran, du hast das Zeug nicht von mir!" dann legte sie auf.

Maurice gelang es, sich unbemerkt aus dem Gebäude zu schleichen und war zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt. Heather war schon da und grinste ihn an: "Schön dich zu sehen. Hat alles geklappt: Hier, das sind die "Hübschen", und damit legte sie ihm einen Beutel mit Tabletten in die Hand. "Das sind Pillen.. Wie soll ich die in ein Getränk schütten?" Heather sah ihn strafend an. "Das ist doch wohl keine ernst gemeinte Frage, oder?" Sie öffnete den Beutel und nahm eine Pille heraus: "Hier kannst du die Dinger "öffnen"", sie brach eine in der Mitte auseinander, und ein weißes Pulver kam heraus. "Und schon hast du was, zum in den Tee schütten.. Oder Kaffee.. oder ins Wasser, in den Saft.. Was weiß ich ... Wasser wäre vielleicht am besten, wenn sie eine Flasche hat. Musst es nur in ihr Zimmer schaffen. Aber du machst das schon..."
Maurice blickte leicht misstrauisch auf die Tabletten in seiner Hand. "Und die machen nicht süchtig?" Heathers Gesichtsausdruck wurde mürrisch: "Das sind keine Drogen! Nicht so wie Extasy und Speed oder so was. Noch mal, das ist ein Medikament! Wogegen weiß ich auch noch nicht, ich konnte nur ein paar aus dem Schrank meines Vaters klauen. Der hat da so viele drin, da fällt das nicht auf.. Also ich geb dir nen Tipp: Entweder, du schüttest alles in eine große 1 Liter Flasche Wasser, oder was auch immer für ein Getränk, die sie vielleicht über eine längere Zeit trinkt, oder du schaffst es, ihr kontinuierlich ein paar davon in eine kleinere Tasse oder ein Glas zu kippen. Deine Sache. Und jetzt mach, dass du weg kommst, sonst sucht man dich noch. Und mich sollte man auch nicht unbedingt mit dir erwischen... Ich muss jetzt auch wieder gehen. Tschau - und viel Erfolg!" setzte sie noch hinterher, dann haute sie ab.

Maurice schaute ihr noch kurz hinterher, dann steckte er den Beutel mit den mysteriösen Tabletten ein, und beeilte sich ebenfalls, zurück zu kehren. Jetzt musste er sich überlegen, wie er es am besten anstellen sollte in ihr Zimmer zu kommen, um ihr diese Dinger hier unterzujubeln...
Und er hatte Glück. Kurze Zeit zuvor war Jess zu ihrer nächsten Unterrichtsstunde gegangen und auch Mandy hatte ihr Zimmer verlassen um sich draußen ein wenig zu entspannen. Sie hatte Pause und verbrachte diese im Hof.
Also betrat Maurice mit leicht schwitzenden Händen das Zimmer. Er merkte direkt, wo Jess' Seite war, denn er bemerkte ihren Koffer, der immer noch unter ihrem Bett lag. Außerdem bemerkte er auf der anderen Seite einige Sachen, die eindeutig Mandy gehörten. Dann erblickte er eine Flasche auf Jess' Schreibtisch, die tatsächlich mit Wasser gefüllt war. Maurice zögerte nicht mehr lange. Immerhin wusste er nicht, wann eine der beiden Mädchen wieder kam, und er durfte nicht erwischt werden. Er nahm die Flasche, drehte sie auf, und zog eine Pille nach der anderen aus dem Beutel, knickte sie und streute den Inhalt, das weiße Pulver, in die Wasserflasche. Es waren zwanzig Pillen, die er insgesamt hinein streute, und er wusste nicht, ob das viel oder eventuell ZU viel waren, aber es waren ja keine Drogen, wie ihm Heather versichert hatte... Die kurzen Gedanken, die ihm durch den Kopf gingen, ob es nicht doch ein Fehler war, was er hier tat, verschwanden wieder. Nein, es sollte ja nur dazu dienen, dass es ihr so schlecht gehen sollte, dass sie nicht bei der Live-Show mitmachen konnte. Dann hatte er automatisch gewonnen! Und sie würde eventuell freiwillig gehen. Oder nicht mehr mitmachen können. Das war alles, was er wollte. Und er ging auch davon aus, dass sie bestimmt keine 1 1/2 Liter Flasche mit Wasser auf einmal herunter schlürfen würde. Als er fertig war, drehte er sie wieder zu, stellte sie behutsam so hin, wie sie zuvor gestanden hatte, und verschwand, ohne bemerkt zu werden, wieder aus dem Zimmer. Das war ja einfach gewesen. Beinahe ZU einfach?...

Einige Zeit später kam Jess zurück und griff durstig zur Flasche. Die Stunde war gut gelaufen, sie hatte ihren Lehrer - Tom - wirklich überrascht, und was das beste war; etwas später war sogar noch Samu dazu gekommen, und hatte, zuerst von ihr unbemerkt, zugesehen. Als sie fertig war, hörte sie ihn klatschen: "Wow! That was great! You are really good! Hätte ich gar nich gedacht, nach deine erste Reaktion... What had happend?" Jess hatte gelacht und geantwortet, dass sie den Song immer mehr zu lieben gelernt hatte, und er ihr auch Spaß machen würde - was auch tatsächlich stimmte. Samu hatte zufrieden gegrinst, und so hatten sie sich schließlich voneinander verabschiedet.
Und nun war sie in ihrem Zimmer, glücklich und ein wenig ausgepowert, gleichzeitig, und sie trank gierig und in großen Schlücken ihr Wasser. Dann stellte sie es wieder hin. Sie hatte ungefähr ein Viertel der Flasche "auf Ex" getrunken... Von dem gefährlichen Inhalt war nichts zu schmecken gewesen, und zuerst spürte sie auch nichts davon...

Später kam auch Mandy zurück, auch ihre Stunde, die sie inzwischen hinter sich gebracht hatte, war gut gelaufen. Dann wurde es Abend, und die beiden gingen zu Bett. Schon einige Zeit zuvor hatte Jess gemerkt, dass es ihr nicht so gut ging. Sie hatte Kopfschmerzen, und irgendwie wurde ihr immer schlechter. Doch zuerst versuchte sie, es zu ignorieren. Sie hatten normal zu Abend gegessen, und bis jetzt hatte sie das Essen hier immer vertragen. Aber irgend etwas war nicht in Ordnung. Sie versuchte trotzdem zu schlafen. Doch zuerst gelang es ihr nicht. Sie wältzte sich immer unruhiger hin und her und griff dann wieder zu ihrer Wasserflasche, weil sie dachte, es könnte ihr helfen. Ihr wurde schwindelig. Ihre Hände zitterten und sie spürte, wie eiskalter Schweiß über ihre Stirn lief.
Etwas war ganz und gar nicht in Ordnung mit ihr. Doch sie riss sich zusammen. Bestimmt war das nur ein kleiner Anflug von Magen-Darm? Doch hoffentlich nichts schlimmes, sie musste doch fit sein - in zwei Tagen fand die erste Live-Show statt!
Doch es kam noch schlimmer. Sie griff noch einmal zur Wasserflasche und nahm einen kräftigen Schluck - doch kaum hatte sie diese abgestellt, durchfuhr sie ein furchtbarer Schmerz in ihrem Magen. Sie keuchte auf - und musste würgen.
Jess sprang geradezu aus dem Bett und rannte zur Toilette. Sie kam gerade noch rechtzeitig an, dann kam alles raus, sie konnte nichts dagegen tun. Es schien gar nicht mehr aufzuhören - und ihr wurde immer schlechter...

Mandy erwachte langsam. Etwas war komisch. Sie hörte merkwürdige Geräusche, die sie zuerst gar nicht einordnen konnte. Dann wurde sie vollkommen wach und erkannte die Geräusche als das, was es war: ein Würgen, das nicht aufhörte und aus dem Bad kam...
Mandy sah zu Jess' Bett herüber - und erbleichte. Es war leer. Soviel konnte sie erkennen, auch, wenn es dunkel im Zimmer war. Sie machte das Licht auf ihrem Schreibtisch an. "Jess? Jess, wo bist du?" Sorge sprach aus ihrer Stimme, und langsam ging sie in das Zimmer, aus dem die Würgegeräusche kamen, aus dem Bad! Dann sah sie Jess: Sie hing über der Toilette, und ein beißender Gestank umfing Mandy, der sie beinahe auch würgen ließ, doch sie konnte es gerade noch hinunter schlucken. "Jess! Um Himmels Willen, was ist los mit dir?" Jess taumelte zurück. Langsam ließ der Brechreiz nach, aber ihr war immer noch furchtbar schlecht. "Es, es geht schon wieder..." sagte sie, mit matter Stimme. Sie zog ab und ging zum Becken, um sich den Mund auszuspülen. Mandy sah sie besorgt an: "Ist wirklich alles in Ordnung mit dir? Man, du bist ja kreidebleich... Vielleicht solltest du zum Arzt?" "NEIN! Nein, bitte... das, das ist bestimmt nur ein kleiner Anflug von Unwohlsein gewesen. Vielleicht hab ich etwas nicht vertragen, oder so... Bitte, du musst mir versprechen, dass du das niemandem erzählst, ich will nicht meine Teilnahme an der Live-Show gefährden! Bitte!" Ihre Stimme war so bittend, dass Mandy keine andere Wahl blieb, als schließlich seufzend zuzustimmen: "In Ordnung.. Aber ich hoffe echt, dass das jetzt wieder in Ordnung ist - Gut siehst du immer noch nicht aus, ehrlich.. Du bist kreidebleich und schwitzen tust du auch!" Und sie legte ihr die Hand auf die Stirn.

Jess zog sich ein wenig zurück und taumelte geradewegs auf ihr Bett. "Das wird schon wieder" nuschelte sie, dann schloss sie die Augen. Sie musste einfach nur schlafen, dann würde es schon wieder gehen. Bestimmt!
Mandy seufzte, dann legte sie sich ebenfalls hin, schaute noch einmal zu Jess herüber und knipste das Licht wieder aus. "Gute Nacht, Jess..." sagte sie, doch sie erhielt keine Antwort. Ob Jess eingeschlafen war, oder ihr nur nicht antworten wollte, wusste sie nicht, doch sie konnte es ohnehin nicht ändern. Wenige Minuten später war Mandy eingeschlafen. Jess lag noch wach, und krümmte sich vor Schmerzen. Ihr Magen brannte, und auch, wenn sie nicht mehr brechen musste, so war ihr immer noch grauenhaft schlecht. Was hatte sie nur genommen? Sie wusste es nicht. Doch sie musste durchhalten. Morgen war es bestimmt wieder besser! Doch die Nacht wurde eine einzige Qual für sie...

Am nächsten Tag war es ein wenig besser geworden, doch ein stechender Schmerz war geblieben. Und sie war immer noch bleich. Mandy fiel es natürlich sofort auf und sie fragte immer noch besorgt: "Geht es dir immer noch nicht besser?" "Doch, geht schon wieder", log Jess. Im Grunde ging es ihr nicht wirklich gut. Doch sie musste das durchstehen! Mandy sah sie zweifelnd an, dann nickte sie, und machte sich für ihre Übungsstunde fertig, es war nicht mehr lang bis zur ersten Live-Show.
Auch Jess zog sich an, doch abgesehen von der Übelkeit, die sie immer noch verspürte, kamen jetzt wieder neue Kopfschmerzen hinzu. Es fühlte sich beinahe an wie ein Presslufthammer - der in ihrem Kopf herum schlug...
Sie nahm noch einen Schluck Wasser, es musste doch bald mal aufhören! Dann kam Mandy zurück - und sie war nach ihr an der Reihe. Mandy sah sie prüfend an: "Schaffst du das, Jess? Ich mach mir wirklich Sorgen!..." Jess nickte nur, dann fragte sie, kurz bevor sie an Mandy vorbei ging: "Hast du Tom irgend was von mir erzählt?" Mandy blickte sie beinahe beleidigt an, dann sagte sie: "Nein, du willst es ja nicht.. Aber wenn du meinst, dass dem das nicht auffällt... Naja, viel Glück jedenfalls.."

Jess nickte ebenfalls, murmelte ein kurzes "Danke", dann setzte sie sich in Bewegung. Doch irgendwie schummerte ihr, während sie den den Gang zum Übungssaal herunter lief. Sie wäre beinahe die Treppe herunter gestürzt, da sie eine Stufe übersehen hatte. Jess blieb kurz stehen, hielt sich an der Wand fest und schloss die Augen. In diesem Moment kam Maurice in etwas weiterer Entfernung zur Tür herein und sah sie. Er lächelte, ohne dass sie ihn bemerkte. Anscheinend hatte seine "Medikation" Wirkung... Jess sah wirklich übel aus.. Sie würde bestimmt nicht mehr lange durchhalten, und dann war der Sieg sein! Grinsend machte er sich aus dem Staub, bevor sie ihn noch sehen konnte...

Jess hatte sich wieder im Griff und öffnete die Augen, dann lief sie weiter. Schließlich kam sie auf die Tür zum Übungssaal zu, öffnete sie, und sah Tom und Samu, mit dem sie gar nicht gerechnet hatte. Er war nur mal kurz vorbei gekommen, um zu sehen, wie es mit Jess lief. Er war in der Tat ziemlich begeistert von ihrer Leistung am Vortag gewesen, und er hoffte, dass es nicht nur eine "Eintagsfliege" gewesen war. Samu und Tom wollten gerade gemeinsam zu einer Begrüßung ansetzen, als ihnen das Wort im Munde stecken blieb. Beide sahen sofort, dass etwas mit Jess nicht stimmte. Sie war in der Tat kreidebleich, wie Mandy schon bemerkt hatte, und sie schien zu wanken. Samu stürzte vor und umfasste Jess mit einer Hand. "Jess? What is going on? Was is los mit dich? Hey!"
Jess sah ihn an. An sie war gerade mal vollkommen weggetreten gewesen. "Es, es geht schon... Ich, ich hab glaub ich was falsches gegessen..."
Samu fühlte ihren Kopf und merkte direkt, dass sie schwitzte. Kalter Schweiß, und er war aufs höchste besorgt. "Ich denke, the lesson fällt heute aus! Du gehst sofort auf die Krankenstation!" sagte er, und Jess versuchte, zu protestieren: "Nein! Bitte, ich, ich muss doch für morgen üben! Damit, damit ich fit bin!" Samu unterbrach sie, und auch  Tom pflichtete ihm bei: "Hör zu, Jess. So wie es aussieht, bist du krank. Vermutlich ein kleiner Magen-Darm-Virus, das passiert immer mal. Es wird schon nicht so schlimm sein, wenn du einmal eine Stunde verpasst, so gut wie du gestern gewesen bist! Du wirst in der Tat immer besser. Melde dich bei Frida und lass dir Medikamente geben. Ruhe dich ein wenig aus, und wenn du dich besser fühlst, können wir heute Abend noch eine Stunde ansetzen. Verschoben ist nicht aufgehoben! Und wenn du dich so schlecht fühlst wie im Moment können wir eh nichts mit dir anfangen. Also, hopp!" Und Jess blieb nichts anderes übrig, als sich zu Frida in die Krankensttion zu begeben...

Sie war auch nicht besonders stark, um sich gegen Samus und Toms Worte zu wehren. Frida war die Krankenschwester und sie nahm sie sofort auf. Jess bekam Medikamente gegen einen anscheinend vorhandenen Magen-Darm-Virus, und dank eines, ebenfalls von Frida verordneten Schlafmittels, schlief Jess in der Tat sofort ein. Einige Stunden später ging es ihr tatsächlich etwas besser. Sie fühlte sich wohl, dank der Medikamente hatte sie auch keine Bauchschmerzen mehr. Auch in ihrem Kopf dröhnte kein Presslufthammer mehr.
Und so entschied sie sich, entgegen der beratenden, und durchaus gut gemeinten Worte der Krankenschwester, aufzustehen und sich selbst zu entlassen. Sie wollte weiter proben. Schließlich ließen sich auch Samu und Tom dazu erweichen, auch sie merkten, dass Jess besser aussah, und die Stunde wurde nachgeholt. Sie war nicht ganz so gut wie am Tage zuvor, aber für ihre Verhältnisse, also dafür, dass sie einige Stunden zuvor noch ausgesehen hatte wie eine wandelnde Leiche, war es dennoch ganz in Ordnung. Und dann konnte sie wieder auf ihr Zimmer gehen.
Jess legte sich wieder auf ihr Bett und trank erneut einen Schluck Wasser. Sie legte sich hin. Es war bald soweit. Am nächsten Abend fand endlich die Live-Show statt, und sie hatte das Gefühl, gut zu sein. Aber sie musste noch besser werden, um diesen verdammten Maurice zu besiegen. Denn ihr war klar, dass er ebenso gut, wenn nicht sogar noch besser war. Und sie wollte siegen! Ihr Kampfgeist war erwacht! Der nächste  Tag sollte ruhig kommen!

Und der nächste Tag kam. Wieder spürte Jess beim Aufwachen, dass ihr schummerig war. Vermutlich hatte die Wirkung der Medikamente nachgelassen, dachte sie, doch das machte ihr nichts aus. Sie durfte sich durch das kleine bisschen Unwohlsein nicht abschrecken lassen. Von ihrer großen Wasserflasche war nur noch etwa ein Viertel übrig geblieben, und sie trank davon noch etwas in großen Schlücken. Dann begannen die Kopfschmerzen erneut: 'Bitte, nicht schon wieder', dachte sie nur. Sie fühlte auch, dass ihr Magen erneut rumorte. Dann spürte sie wieder starke Stiche. Doch sie riss sich zusammen. Als sie ins Bad ging, wusch sie sich mit einer Hand durchs Gesicht, um den erneut aufkommenden Schweiß abzuwischen. Sie durfte jetzt nicht krank werden! Gestern war es ja noch gut gegangen, aber heute war der Tag der Tage, oder besser gesagt, der Abend der Abende! Sie hatte nur noch eine Probe - die Generalprobe - dann war es soweit! Und sie musste fit sein! Jess trank einen Schluck Wasser aus dem Hahn, ihr Magen quittierte es mit einem Grummeln. Dann nahm sie, was Jess selten tat, Schminke, und versuchte, so gut wie sie es nur konnte, ihr blasses Gesicht zu übertünchen. Es gelang ihr ganz gut. Schließlich war sie sicher, dass sie sich so sehen lassen konnte.

Sie drehte sich um - und sah Mandy hinter sich stehen. "Morgen Jess - Ist alles in Ordnung?" fragte sie, und blickte sie mit einem merkwürdigen Ausdruck im Gesicht an. "Klar, was soll denn nicht in Ordnung sein?" fragte Jess zurück. "Na, du brauchst mir nichts vorzumachen, nach der vorigen Nacht... Diese Nacht hast du dir zwar nicht den Magen ausgekotzt, aber wirklich gut siehst du immer noch nicht aus, auch, wenn du versucht hast, es zu überschminken.." setzte sie noch hinzu.
Jess war verärgert. Was mischte sich Mandy denn ein? "Mir geht es gut! Lass mich einfach zufrieden, okay? Ich muss jetzt zu meiner Generalprobe!" sagte sie noch, dann ging sie einfach aus dem Zimmer. Mandy blickte ihr stumm hinterher: "Na, von mir aus, mach doch was du willst..." grummelte sie, dann machte sie sich auch fertig.

Jess tat es zwar leid, dass sie Mandy so abgefertigt hatte, es war auch gar nicht so ihre Absicht gewesen, doch jetzt konnte sie nichts mehr daran ändern. Sie ging, so gut sie ihre Beine trugen, ins Übungszimmer, und dieses Mal merkten Tom und Samu, der dieses Mal planmäßig dabei war, nichts von ihrem wirklichen Zustand. Sie konnte es gut überspielen, wie schlecht es ihr wieder - oder immer noch? - ging.
Jess sang so gut sie es nur konnte, und leider ließ ihre Kraft doch wieder ein wenig zu wünschen übrig, weswegen sie von Tom einen kleinen Rüffel bekam. Schließlich wusste er ja nicht, wie es wirklich um sie stand. Keiner wusste es, abgesehen vielleicht von Mandy, und die hatte ihr versprechen müssen, den Mund zu halten...
Also ließ Jess die Strafpredikt über sich ergehen, versprach weiter zu üben, und am Abend einen drauf zu legen. So, wie sie es schon einmal getan hatte.
Zum Schluss ließ Samu sich noch einmal vernehmen, der ihr noch Mut gab, und meinte, dass die Show bestimmt super verlaufen würde, wenn die Generalprobe mies wäre. Das wäre wohl immer so. Jess lächelte schwach, dann verabschiedete sie sich schnell. Irgendwie merkte sie, dass ihr Magen sich wieder drehte.
Und sie hatte Recht. Kaum war sie im Zimmer angelangt, da rannte sie schon ins Badezimmer. Sie schaffte es gerade noch rechtzeitig...
Wie sollte sie es nur schaffen, heute Abend fit zu sein? Sie konnte sich doch nicht auf der Bühne übergeben? Und viel gegessen hatte sie heute auch noch nicht, auf ihr Frühstück hatte sie verzichtet, und sie verspürte auch keinen Hunger auf ein Mittag- oder Abendessen. Sie würde auf beides verzichten; dann konnte ihr Magen doch gar nichts mehr los werden! Und langsam ging es ihr auch wieder besser. Sie legte sich wieder auf ihr Bett, nahm den Hörer ihres Walkmans und sang noch einmal aus Leibeskräften. Und zwischendrin trank sie die letzten Schlücke ihres Wassers, von dem immer noch etwas in der Flasche war. Die kleinen weißen Flocken, ganz unten auf dem Boden, bemerkte sie nicht, die sie zum Schluss noch mit in sich aufnahm...

About Me

Christal, 31
Traumland