6. Der Überfall
Dieses Kapitel ist ziemlich hart. Aber ich habe versucht, das Thema so sensibel wie möglich rüber zu bringen.
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Das jetzige Kapitel wird etwas hart, aber es ist noch vertretbar, denke ich..
Liest die Story noch jemand? Mich würde eure Meinung durchaus noch interessieren, wenn sie noch gelesen wird; ob die anfängliche, durchaus positive Meinung noch so geblieben ist, oder ob sich da was geändert hat, und wenn ja, was und weshalb... Gerade bei dem Thema wäre das sehr hilfreich... Jetzt geht es weiter.
Mel
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Seit der Show war einige Zeit ins Land gezogen, in denen Jess es einigermaßen ruhig und entspannt hatte angehen lassen können. Mittlerweile war auch die 2. Show der 1. Live-Show vorbei, und auch Steffi hatte es geschafft.
Jess’ Proben waren erst später angesetzt, und sie hatte Lust, sich ein wenig in ihrem Pausenraum, der sich unten im Keller befand, zu entspannen. Dort war ein Trainingsraum, den besonders die Jungs ab und an mal benutzten, und ein Swimmingpool.. Jess hatte Lust schwimmen zu gehen und fragte Dana und Steffi, ob sie mitkommen wollten, doch beide verneinten.
Und so ging sie runter und zog sich dort aus, da ja außer ihr niemand dort war. Als sie ihren Bikini angezogen hatte, sprang sie ins Wasser und drehte einige Runden, danach stieg sie wieder aus dem Wasser und legte sich auf eines der Liegen.
Der Raum war beheizt, so dass sie nicht fror und sie begann, ein Buch zu lesen, das sie mitgenommen hatte. Eigentlich versprach es, ein sehr schöner Tag zu werden…
Doch es sollte anders kommen. Nach der Live-Show war er, nachdem er sich zuhause seinen Gefühlen hingegeben hatte, einmal in ein Internet-Café gegangen und hatte etwas recherchiert. Er wusste nicht, ob er Erfolg damit haben würde, und ob diese Art von Informationen auch im Netz öffentlich zugänglich waren, aber nach einigem Suchen war er schließlich fündig geworden. Er lächelte. Ja, jetzt hatte er die Informationen, die er suchte und er wusste nun, wie er sich Zutritt zum Gebäude verschaffen konnte. Die nächste Schwierigkeit würde vielleicht sein, sein Mädchen aufzuspüren, ohne irgendwelchen “Feinden” - insbesondere den Kerlen aus der Jury - zu begegnen, aber darüber machte er sich später Gedanken. Jetzt war ein Plan in seinem Kopf entstanden, der immer weiter brodelte und er musste noch einige Sachen besorgen, damit er ihn ausführen konnte…
Schließlich war es soweit. Er hatte die “Requisiten” soweit zusammen und nun würde er den Plan ausführen. Er hatte die Seite im Netz genauestens studiert. Die Seite, in der eine genaue Zusammenfassung der inneren Räume des Gebäudes stand; und in der er genau sehen konnte, wo sich welche Räume befanden. Eine Art Plan.
Die erste Schwierigkeit, die er jetzt zu bewerkstelligen hatte war, erst einmal ins Gebäude zu kommen. In voller Montur trat er an die Pforte, die von einem Mitarbeiter bewacht wurde, und sagte selbstsicher: “Hallo, ich habe einen dringenden Reparaturauftrag für kaputte Leitungen, hier ist der Auftrag!” Den “Reparaturauftrag” hatte er sich vorher selbst zusammen geschustert..
Der Mitarbeiter sah ihn verwundert an. “Von einem Reparaturauftrag weiß ich aber nichts.. Da muss ich mal nachfragen…” “Das können Sie gerne machen, aber soweit ich weiß ist es sehr, sehr dringend; die Leitungen sind beinahe durch, und je länger das dauert, desto größer ist die Gefahr, dass jemand zu Schaden kommt - Sie wollen doch bestimmt nicht, dass einer der Juroren - oder noch schlimmer - einer der “Stars” hier einen Stromschlag bekommt?”
Der Mitarbeiter an der Pforte schüttelte den Kopf. Er war neu in dem Job und im Moment völlig überfordert. Natürlich wusste er, dass er eigentlich die Verpflichtung hätte, nachzufragen, aber wenn das jetzt wirklich zu lange dauerte und dann irgendwas passierte… Nein, das konnte er nicht riskieren. “Natürlich nicht. Wissen Sie, wo Sie hinmüssen?” fragte er noch und der Fremde nickte. “In Ordnung, dann können Sie durch. Sagen Sie Bescheid, wenn Sie fertig sind!”
Er nickte und lächelte, dann ging er schnurstracks an dem Pförtner vorbei. Natürlich wusste er jetzt erst einmal nicht, wo er hinmusste und nun kam auch die zweite Schwierigkeit, nämlich, dass ihm auf keinen Fall jemand aus der Jury oder einer dieser Zwerge hier entgegen kommen durfte. Und er wusste natürlich nicht, wo sich “sein” Mädchen aufhielt. Also entschied er sich, sich erst einmal im Gebäude zu verstecken und eventuell so etwas heraus zu finden. Der erste Schritt war getan. Im Gebäudeplan war zu lesen gewesen, dass es ein Untergeschoss gab, mit einem Trainingsraum und einem Swimmingpool.. Vielleicht hatte er ja Glück und es befand sich momentan niemand dort? Und wenn, dann kam er eben auch dort mit der Story der defekten Leitungen. Es durften nur nicht die Jury-Mitglieder dort sein, die würden ihm die Story nämlich nicht abkaufen… Doch erst einmal wollte er nachsehen und sich dann Gedanken über den Ernstfall machen…
Langsam ging er durchs Haus, dank des Plans wusste er genau, wo er hinzugehen hatte. Und dann fand er den Eingang zum Untergeschoss - es hatte ihn tatsächlich niemand gesehen. Er sah sich noch einmal um und stieg die Stufen hinunter. Noch war alles leer, es war niemand dort…
Doch plötzlich hörte er Schritte und er beeilte sich, sich so zu verstecken, dass ihn niemand erkennen konnte - und traute seinen Augen nicht. SIE war hier! Ganz alleine - und sie begann, sich auszuziehen. Soviel Glück auf einmal konnte man doch gar nicht haben, und doch…
Ihm wurde heiß, als sie nun ausgezogen da stand und sich ihren Bikini anzog. Sie ging davon aus, dass sie alleine war, und so konnte er sie in ihrer vollen Pracht beobachten. Mein Gott, war sie schön.. Schöner, als er sie von früher in Erinnerung hatte… Langsam zog er sich ebenfalls aus. Es sollte nachher schneller gehen, wenn er sie sich nehmen würde. Doch er behielt sie im Auge, als sie nun ins Wasser stieg und dort ihre Runden drehte. Ihre langen blonden Haare, ihre nasse Haut.. Er konnte es kaum erwarten…
Schließlich war es soweit. Sie stieg wieder aus dem Wasser heraus und trocknete sich kurz ab - doch sie war immer noch etwas nass, als sie sich auf eine Liege legte und sich ein Buch nahm um darin zu lesen. Das war der Zeitpunkt. Noch länger konnte und wollte er nicht warten; zudem er nicht wusste, wann sie eventuell “Besuch” bekommen würden…
Er stürzte nach vorne. Der Überraschungsmoment lag vollkommen auf seiner Seite. Mit voller Wucht schlug er ihr das Buch aus der Hand und bevor sie noch reagieren konnte, riss er sie auf den Boden. Dann legte er sich auf sie und presste seine Hand auf ihren Mund: “Na meine Kleine, kennst du mich noch?? Ich habe dir doch gesagt, dass ich zu dir kommen werde… Jetzt bin ich da!!”
Jess war vollkommen überrumpelt. Sie hatte es sich gerade auf der Liege bequem gemacht und wollte die nächste Seite in ihrem Buch umblättern als es ihr von jemandem aus der Hand geschlagen wurde. Bevor sie noch dazu kam zu fragen, was das sollte, riss sie dieser jemand von der Liege, mitten auf den harten Boden - sie spürte einen Schmerz im Rücken - und presste seine Hand auf ihren Mund; und dann, dann hörte sie SEINE Stimme!
Jess’ Augen wurden groß. Das konnte nicht sein… Doch sie erkannte ihn. Er war nackt, das registrierte sie nun auch - und er legte sich auf sie. Sie konnte sein Gesicht sehen - er war älter geworden, doch es war eindeutig sein Gesicht; seine Augen.. Diese furchtbaren, eisgrauen Augen… Und so kalt… Sie funkelten gefährlich, und sie sah Verlangen darin..
Jess wollte schreien, doch seine Hand presste sich noch fester auf ihren Mund - und dann nahm er sie, ohne weitere Vorwarnung…
Sie konnte nicht mehr denken. Um sie herum versank alles in Schwärze. Jess war wieder 10, ein kleines Mädchen, das nicht in der Lage war, sich zu wehren…
Sie weinte. Ihre ganze Hoffnung, ihn jemals los zu werden war umsonst gewesen. Er hatte sie gefunden; und niemand konnte ihr helfen.. Jess war schlecht. ‘Bitte Rea, hilf mir..’ dachte sie immer wieder; doch er kam nicht. Niemand kam…
Sie wusste nicht, wie lange es dauerte, für sie war es eine Ewigkeit. Sie spürte den Schmerz, und sie wünschte sich zu sterben, doch den “Gefallen” tat er ihr nicht.
Doch schließlich war es tatsächlich vorbei. Jess wusste nicht, wie lange es gedauert hatte, sie hatte alles Gefühl für Zeit verloren. Er hatte mehrere Orgasmen gehabt und sie hatte sich einmal aufgebäumt - und sich übergeben.
Nach dem letzten Mal hatte er tatsächlich genug. Jess konnte nichts mehr fühlen, nicht mehr denken, ihr war nur noch schlecht. Schließlich stand er keuchend von ihr auf und sah sie einige Sekunden an, bevor er sich entschloss, es zu Ende zu bringen…
Jess lag leblos vor ihm auf dem Boden. Dennoch spürte sie, wie er sie auf den Bauch legte, doch sie war nicht dazu in der Lage darüber nachzudenken, was er nun vorhatte. Sie konnte überhaupt nicht mehr denken…
Er zog sie hoch und zerrte noch etwas an ihr herum, weshalb wusste sie nicht - dann zerrte er sie in eine Richtung, von der sie nicht wusste, wohin und was er nun mit ihr vorhatte…
Und dann spürte sie es: Er tauchte sie unter Wasser! Sie spürte, wie er ihren Kopf nahm und unter Wasser drückte - und in diesem Moment kam noch etwas Kampfgeist aus ihr heraus. Vielleicht so etwas wie der letzte Lebenswille? Sie wusste es nicht, aber sie versuchte verzweifelt, sich zu wehren; ihre Hände klatschten auf das Wasser, doch die Wirkung blieb aus. Und schließlich versiegten ihre Bewegungen, bis nur noch kleine Zuckungen etwas von ihr verrieten. Und schließlich erstarben ihre Bewegungen ganz…
Er hatte genug von ihr. Ihm war klar, dass er sie nicht mit nach draußen nehmen konnte und hier würde er auch nicht bleiben können - also musste er sie jetzt los werden. Die einzige Möglichkeit war, sie zu töten. Hier und jetzt. Doch zuvor zog er noch ihre Bikinihose und ihr Oberteil wieder so an, dass es nicht auffiel, und dann zog er sie zum Becken und tauchte sie unter. Er konnte fühlen, wie sie zumindest versuchte, sich zu wehren, doch ihre Bewegungen waren minimal. Er spürte sie kaum.. Und dennoch drückte er ihren Oberkörper so tief es ihm möglich war unter Wasser, man konnte ja nie wissen…
Und endlich war es soweit - sie regte sich nicht mehr. Ihr lebloser Körper trieb vor ihm im Wasser und sein eigener Oberkörper war triefnass. Er wusste nicht einmal, ob es das Wasser war, was ihn öfters getroffen hatte, oder sein eigener Schweiß.. Aber das war nebensächlich. Jetzt musste er abhauen. Die Sache hatte lang genug gedauert, und bis jetzt hatte er in der Tat sehr viel Glück gehabt.. Ein wenig schade fand er es schon, da er davon ausging, dass sie nun tot war und er nicht noch einmal so viel Spaß mit ihr haben würde - allerdings würde es bestimmt noch andere “Hascherl” geben, mit denen er mindestens denselben Spaß haben konnte…
Schließlich stand er auf und begann damit, die Spuren seiner Tat zu beseitigen, denn auf der Stelle, an der der Sex stattgefunden hatte, lag Blut und ihr Erbrochenes. Er wusch beides mit dem Wasser aus dem Pool ab bis nichts mehr zu erkennen war und danach nahm er ein großes Handtuch, das auf einem der Stühle lag, und warf es über Jess’ Körper. Dann gab er ihr einen kleinen Tritt, so dass sie etwas weiter vom Beckenrand in die Mitte trieb und begann damit, sich wieder anzuziehen. Als er fertig war, fiel ihm ihre Kleidung auf, die noch an dem Stuhl, auf dem sie gelegen hatte, lag. Er nahm die Kleidungsstücke an sich und trug sie zu der Ecke, an dem seine Kleidung vorher gelegen hatte. Diese war schwer einsehbar - und trat schließlich in voller Montur wieder nach oben um sich zum Ausgang zu begeben. Wieder hatte er Glück, dass ihm niemand begegnete, der ihn kannte und so trat er schließlich wieder zu dem Pförtner, dem er bescheinigte, das Problem gelöst zu haben. Er konnte unbehelligt gehen. Das war der mit Abstand schönste Tag in seinem bisherigen Leben. Er grinste, als er an die kurze Zeit des Glückes zurück dachte…
Kurze Zeit später trat Rea den Weg in die “Katakomben”, wie er das Untergeschoss still für sich nannte, an. Er hatte Lust auf eine Trainingseinheit, denn auch er hatte gerade Pause.
Als er unten angekommen war, runzelte er die Stirn. Irgendwie sah es hier unaufgeräumt aus, so als wäre gerade jemand hier gewesen und hätte einen halben Saustall hinterlassen.. “Wie oft haben wir gsagt, dass ihr hier aufraumen sollt!” knurrte er in sich hinein, doch es würde ihm ja doch keiner antworten. War ja niemand hier…
Rea bemerkte, dass es an einem Stuhl so aussah, als würde noch jemand hier sein - zumindest ließ ein benutztes Handtuch darauf schließen - und neben dem Stuhl lag ein Buch... Aber es war definitiv niemand mehr hier, oder?
Rea kniff die Augen zusammen. Dann fiel sein Blick auf den Pool - und er registrierte ein großes Handtuch im Wasser?? Was sollte das denn bitte??? Langsam wurde Rea wirklich sauer. Wer auch immer vorher hier war, der hatte ja wohl nicht mehr alle Latten am Zaun! Zuerst ging er scheinbar ohne hier seine sieben Sachen zusammen zu räumen und dann schmiss er oder sie noch ein Handtuch ins Wasser? Was waren denn das für neue Sitten hier??
Leicht wütend lief Rea zum Rand des Pools und versuchte, sich einen kleinen Eckzipfel des Handtuches zu angeln - ohne dabei ins Wasser zu fliegen - und schaffte es schließlich auch. Mit einem Ruck riss er das Tuch aus dem Wasser
Und wäre beinahe vornüber gefallen. Was er jetzt sah, ließ alle seine Gefühle mit einem Schlag verschwinden. Das konnte nicht sein! Das war eine Halluzination, ein Trugbild..
“What the fuck…“ schrie Rea und schloss kurz die Augen. Sein Körper war angespannt, seine Hände zitterten, doch er redete sich immer noch ein, dass das nicht real war! Nicht real sein konnte! Langsam öffnete er die Augen wieder, doch das “Trugbild” war nicht verschwunden.
Rea keuchte. Es war keine Einbildung - das war Realität! Vor ihm lag ein Mädchen, anscheinend verdeckt unter dem Tuch, mit dem Bauch nach unten… Und langsam erkannte er, WER da im Pool lag - Jess!
Er zögerte nicht mehr lange und sprang. Im Gegensatz zu dem vermaledeiten Handtuch war er bei Jess nicht in der Lage, anders an sie heran zu kommen. Er schwamm zu ihr heran und drehte sie zu sich - und erkannte mit Schrecken, dass sie nicht mehr atmete, ihr Gesicht war kreideweiß.. Rea tastete ihren Puls - doch auch dieser war nicht mehr zu fühlen. Rea bekam Panik. Das war ein Alptraum.. Das konnte nur ein Alptraum sein, doch wenn, dann war jetzt die beste Zeit, daraus zu erwachen! Doch er wusste, dass es kein Traum war. Das hier war bittere Realität! Mehr als bitter!
Rea schaffte es, mit Jess in seinen Armen, bis zum Rand des Pools zu schwimmen, doch dann wurde es schwer. Er schaffte es nicht mehr, sie über den Rand zu hieven, dazu brauchte er Hilfe… “HEEEELPP, I NEED HEEELPP; HORT MICH JEMAND??? HELP MEEE!!!” brüllte er so laut es nur ging und seine Schreie hallten durch die Gänge bis nach oben an den Rand der Treppe…
Wie es der Zufall so wollte, lief gerade in diesem Augenblick Xavier dort entlang. Eigentlich wollte er in den Aufenthaltsraum zu den anderen, als er Hilfeschreie hörte - von Rea!
Alarmiert stürzte Xavier nach unten. “Was ist los…” wollte er anfangen, als er wie erstarrt stehen blieb. Auch er dachte zuerst an einen schlechten Traum, als er Rea mit Jess im Arm im Pool treiben sah. Und Jess war anscheinend ohnmächtig??
“Was ist hier passiert, um Himmels Willen?” fragte er, als er sich aus der Starre gelöst hatte, und nun zu Rea lief. “Ich weiß es nicht! I found her in the pool! Hilf mir sie raus zu ziehen; she has no puls! No breath!!”
Xavier fackelte nicht lange, er war an Reas Seite und nahm ihm Jess ab und zog sie mit einem gekonnten Griff aus dem Wasser. Dann legte er sie auf den Rücken und begann sofort mit der Herz-Lungen-Massage.
Währenddessen war auch Rea aus dem Wasser geklettert, er hatte sich mit einem Ruck heraus gezogen, jetzt konnte er es, und stürzte geradewegs zu Jess, die bereits von Xavier mit einer Herz-Lungen-Massage erstversorgt wurde. Rea nahm ihren Kopf in seine Hände. Er zitterte. Einmal vor Kälte, denn er war mit seiner ganzen Kleidung ins Wasser gesprungen und ihm war tatsächlich nun kalt, aber andererseits vor Angst. Angst um Jess. Was war hier passiert?? Er wusste es nicht, aber was es auch immer war, das war erst einmal zweitrangig. Jetzt ging es darum, ihr Leben zu retten!
Dann hörte er Xavier: “Rea, du bist dran, mit beatmen!” Rea fackelte nicht lange, sondern überstreckte ihren Kopf und beatmete sie zweimal. Danach war Xavier erst einmal wieder dran. Als dieser erneut mit der Massage und mit Zählen begann, strich Rea langsam über Jess’ Wange. Leise und mit zitternder Stimme sprach er: “Please, Baby, wake up! My God, please… Wake up!! Bitte…” Er hörte Xavier weiter zählen, während dieser unaufhörlich die Druckmassage an ihrem Herzen fortführte… “…zwölf, dreizehn, vierzehn, fünfzehn!! - Du bist dran!” Rea überstreckte erneut ihren Kopf und beatmete. Seine Gedanken waren ausgeschaltet. Völlige Leere, nur noch die jetzige Situation war präsent; er funktionierte nur noch, wie ein Roboter..
Jess lag immer noch bewegungslos vor ihm; weder hatte ihre Atmung noch ihr Herzschlag wieder eingesetzt und langsam kam die bittere Erkenntnis in ihm hoch, dass sie sterben konnte. Jetzt und hier! Vor seinen Augen… “No… Jess bitte… Tu mich das nicht an!! Bitte!!” Tränen standen ihm in den Augen, doch noch riss er sich zusammen. Nach einigen Sekunden war er nun wieder mit der Beatmung an der Reihe und führte dies auch aus - und die Angst schnürte ihm die Kehle und seinen Brustkorb zu…
Xavier erging es ähnlich, doch er versuchte mehr, sich auf seinen Job zu konzentrieren und die Herz-Lungen-Massage richtig durchzuführen. Doch er wusste, dass sie professionelle Hilfe holen mussten, wenn sie eine Chance haben sollte. Sie war schon viel zu lange ohne Vitalfunktionen! “Wir müssen einen Krankenwagen holen! Ich geh eben nach oben - meinst du, du kommst kurz alleine klar??” fragte Xavier Rea, und dieser nickte nur. Er würde bei ihr bleiben, egal, was da kam; doch Xavier hatte Recht, selbstverständlich brauchte die Kleine professionelle Hilfe!
Doch bevor Xavier noch dazu kam nach oben zu laufen, hörten sie Stimmen auf der oberen Etage, vor der Treppe. Alec und Sascha schienen dort vorbeizulaufen, und Xavier schrie im gleichen Moment aus vollster Kehle: “HEY! Wir brauchen Hilfe hier unten!!! SCHNELL!!! KOMMT HIER RUNTER, JUNGS!!”
Was er nicht wusste war, dass auch Nena dabei war. Alle drei sahen sich gleichzeitig an und rannten die Treppe herunter, so wie Xavier zuvor auch, als Rea geschrieen hatte. Sie hatten sich schon wer weiß was ausgemalt, aber mit dem was sie nun sahen, hatten sie nicht gerechnet. Vor ihren Augen lag Jess auf dem Boden und Xavier und Rea versuchten, sie wieder zu beleben??
“Was zum Teufel…” wollte Alec gerade ansetzen, aber Xavier ließ ihn nicht ausreden. “Rea hat sie im Pool gefunden! Sie hat keine Vitalfunktionen mehr!
Wir brauchen einen Krankenwagen!!” Nena hatte sich die Hände vor den Mund gepresst und die ersten paar Sekunden gar nichts gesagt, dann erwachte sie aus ihrer Starre und stürzte die Treppen hinauf, bevor es einer von den beiden Jungs tun konnte: “Ich mach das schon! Bleibt ihr hier und kümmert euch um sie!!” sagte sie nur, dann war sie verschwunden. Alec und Sascha nickten nur. Auch sie waren vollkommen entgeistert. Sie hatten mit allem gerechnet, aber nicht damit, eines der Mädchen - Jess! - ohne Bewusstsein, und was noch schlimmer war, ohne Vitalfunktionen! hier vorzufinden.. Schließlich rührte sich Sascha und sagte: “Wenn wir euch helfen sollen…” Rea schüttelte den Kopf. Seine Hände zitterten, während er immer wieder durch Jess’ Gesicht fuhr, ihre Wangen streichelte und sie darum bat, endlich aufzuwachen…
Alec und Sascha sahen sich besorgt an. Sie konnten Reas Angst geradezu spüren. Und sie konnten es nachvollziehen, denn auch ihnen drückte langsam ein Gefühl der Panik auf die Brust, je länger es dauerte… Wenn sie nicht bald wieder atmete, oder sich zumindest ihr Herzschlag wieder einstellte, dann konnte niemand mehr etwas für sie tun… Alec wandte sich an Xavier. “Xavier, wenn ich dich ablösen soll, dann sag was!” Xavier nickte. So langsam wurde es anstrengend.. Alec löste sich von Saschas Seite und ging zu Jess, während Rea sie erneut beatmete. Dann begann Alec mit der Herzmassage.
Xavier hatte sich neben Sascha gestellt und dieser sah ihn an. “Jetzt bitte noch mal von vorne, was ist hier passiert??” “Ich weiß es doch auch nicht! Ehrlich! Ich wollte gerade zum Aufenthaltsraum, als ich Reas Schreie gehört habe; er hat sie gefunden. Er war im Pool, mit ihr im Arm - ich hab sie raus gezogen; da hatte sie schon keinen Puls und keine Atmung mehr… Mein Gott, ich würde auch gerne wissen, was hier eigentlich los war…” Immer noch entgeistert starrten beide auf Jess, an deren Zustand sich trotz der mittlerweile unzähligen Wiederbelebungsversuche immer noch nichts geändert hatte… Und auch Rea machte den beiden Sorgen. Besonders Xavier kam jetzt erst dazu, ihn sich richtig anzusehen. Er war blass. Beinahe genauso blass wie das Mädchen… Die Verzweiflung war ihm anzusehen, und das konnte auf die Dauer nicht gesund sein. Sascha versuchte es noch einmal: “Rea, soll ich dich mal ablösen?” Doch Rea schüttelte nur verbissen den Kopf. Er machte hier weiter, bis sie endlich aufwachte! Sie MUSSTE doch aufwachen… Zwischendrin machte er immer weiter mit der Beatmung und alle warteten verzweifelt darauf, dass endlich der Krankenwagen kommen würde…
Dann war es soweit. Nena kam mit vier Männern - zwei Sanitätern und zwei Notärzten - die Treppe hinunter. Erleichterung machte sich bei Xavier und Sascha breit und auch Alec machte den Sanitätern Platz. Nur Rea blieb noch an seinem Platz und wollte sie weiter beatmen, doch Nena trat schließlich zu ihm und zog ihn sanft von ihr weg. “Die Sanitäter sind da! Mach ihnen Platz, Rea - die kümmern sich um sie!” Rea registrierte jetzt erst richtig, dass es Sanitäter beziehungsweise Notärzte waren, die da gekommen waren und schließlich trat auch er zur Seite, zu den anderen.
Seine Gefühle waren immer noch taub. Er starrte auf das Geschehen vor sich, alles lief vor ihm ab wie in einem Film. Xavier und Boss-Hoss waren neben ihn getreten und beobachteten ebenfalls, wie Jess nun von den Sanitätern behandelt wurde.
Zuerst zogen sie eine Spritze auf - Adrenalin und noch etwas anderes, was keiner kannte - und dann versuchte auch einer der Notärzte sie wiederzubeleben. Einer der Sanitäter legte in der Zwischenzeit einen Tubus, da ihre Atmung immer noch inaktiv war. Der andere Notarzt wandte sich an die Jury: “Wie lange war sie ohne Vitalfunktionen? Wissen Sie das?” Xavier und Rea sahen sich an. Sie hatten beide völlig die Zeit aus den Augen verloren… Schließlich antwortete Xavier: “Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.. Mein Freund hat sie schon so im Pool gefunden; aber das war kurz bevor ich hierher gekommen bin - und ich denke, es waren so ca. 10 Minuten, die wir versucht haben, sie wieder zu beleben…” Er musste schlucken, als ihm klar wurde, was er da gerade gesagt hatte: 10 Minuten, ohne Puls, ohne Atmung.. Und wer wusste, wie lange sie schon vorher…
Auch Rea wurde schlecht, als es ihm bewusst wurde. Sie war extrem lange ohne Bewusstsein und ohne Vitalfunktionen gewesen.. Wahrscheinlich länger als 10 Minuten! Er fluchte. Dann versuchte er sich erneut zusammen zu reißen. “Helpen Sie ihr! Please!” flüsterte er, so leise, dass es kaum jemand hören konnte.
Der Notarzt nickte nur und dann begann er, ein Gerät aus dem Wagen zu holen - einen Defilibrator! Sie luden das Gerät und kurze Zeit später hörten Rea und die anderen die Worte: “Weg vom Körper!” - und dann schoss purer Strom durch Jess. Rea musste sich abwenden. Er konnte es nicht mehr aushalten. Ihm und den anderen wurde klar, dass wenn es den Ärzten jetzt nicht gelang, sie wiederzubeleben, dass es dann vorbei war…
Rea sank an der Wand zusammen und schlug die Hände vor sein Gesicht. Auch die anderen waren einfach nur geschockt und wussten nicht einmal mehr, was sie denken oder sagen sollten. Nena war zu Rea gegangen und hatte sich zu ihm hingehockt und die anderen Jungs standen nebeneinander und starrten zu Jess hinüber… Der erste Versuch mit dem Defi war fehlgeschlagen. Rea sah es zwar nicht, weil er die Augen geschlossen hatte, aber er hörte es, da dieser neu geladen wurde und der Notarzt schließlich sagte: “Okay, letzter Versuch, höchste Stufe!” und kurze Zeit später folgten die Worte: “Weg vom Körper!” Jetzt war es also soweit! Es war vorbei… Rea hatte die Hoffnung beinahe aufgegeben.
Doch dann hörten sie einen Ausruf: “Sie hat Puls! Schwach zwar, aber sie hat Puls!” Er gab seinen Assistenten eine Anweisung, was für ein Medikament sie ihr geben sollten; dann mussten sie das Mädchen dringend in die Klinik bringen, ihre Atmung war immer noch inaktiv und ihr Puls zwar wieder da, aber noch sehr instabil.. Sie war noch lange nicht außer Lebensgefahr.. Allerdings war noch etwas, was er klären musste. Jetzt und hier. Er hatte etwas bei ihr entdeckt, was weitere Erklärungen bedurfte - und den Einsatz der Polizei… Der zweite Notarzt und die Sanitäter versorgten Jess weiter und diese brachten sie nun mit ihrer Trage nach oben - nachdem sie ihr eine Decke übergelegt hatten, die sie wärmte und ihren halbnackten Körper bedeckte.
Rea hatte den Kopf gehoben, als er etwas von “Puls” gehört hatte: “She’s got puls? She’s alive?” fragte er, in seiner Stimme klang Hoffnung und trotzdem noch Angst mit. Langsam kam der Notarzt auf sie zu: “Ja, das ist sie… jedenfalls haben wir erst einmal ihren Herzschlag wieder animiert.. Allerdings ist ihre Atmung immer noch inaktiv und wir mussten sie intubieren. Sie kommt jetzt auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus und dort wird man sich um sie kümmern. Allerdings ist da noch etwas…” Die Jungs und Nena sahen ihn an. “We wollen jetzt ins Hospital! Ich will zu ihr!” sagte Rea, der in der Tat wieder Hoffnung geschöpft hatte und jetzt bei ihr sein wollte. Vielleicht ging es ja jetzt wieder aufwärts? Doch die Antwort des Arztes verstörte sie erst einmal alle: “Sie werden erst einmal nirgendwo hingehen! Ich muss Sie leider bitten hier zu bleiben und ich werde die Polizei einschalten müssen!” “Was meinen Sie damit? Was wollen Sie damit sagen, sie müssen uns bitten, hier zu bleiben? Wollen Sie uns einschließen, oder was? Und was soll das mit der Polizei? Die Kleine hatte einen Unfall!” antwortete Xavier etwas säuerlich. Auch er kam jetzt gar nicht mehr mit dem Verhalten des Notarztes klar und er wollte ebenfalls ins Krankenhaus… Doch der Arzt schüttelte den Kopf: “Nein - das war kein Unfall! Ich muss Ihnen etwas sagen. Ich gehe davon aus, dass es keinem von Ihnen aufgefallen ist, die Spuren sind verwischt, aber es ist dennoch etwas davon zu erkennen”.. Schließlich sprach er es aus: “Das Mädchen wurde vergewaltigt! Und ich gehe davon aus, dass der Täter nach seiner Tat versucht hat, sie im Pool zu ertränken.”
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Xavier, Alec, Sascha und Nena starrten ihn an und in Reas Hirn rumorte es. Er dachte an das erste Bild, das ihm ins Auge gestochen war, als er in den Raum gekommen war: Das Handtuch, unter dem Jess’ Körper gelegen hatte.. Er hatte sich schon gefragt, weshalb sie unter einem Handtuch gelegen hatte; aber dann hatte er den Gedanken wieder verdrängt. Nun brach es über ihn herein. Ächzend sank er erneut in die Knie. “Oh my God… Das kann nicht wahr sein…” “Doch, das ist es, tut mir leid.. Durch das Wasser sind Spermaspuren verwischt, aber einige Verletzungen im Intimbereich waren eindeutig - und an ihren inneren Oberschenkeln. Sie ist missbraucht worden, und ich habe die Verpflichtung, die Polizei einzuschalten. Solange können Sie hier nicht weg. Keiner von Ihnen auch ihre Teams nicht. Zumindest die Jungen, beziehungsweise Männer.”
Die Jungs und Nena starrten ihn an. Schließlich war Alec der erste, der seine Worte wieder fand: “Das kann nicht Ihr Ernst sein? Sie glauben nicht wirklich, dass einer von uns! die Kleine vergewaltigt hat?? Und versucht hat, sie zu töten?? Wissen Sie eigentlich, was Sie da sagen???” Rea knurrte. “You aren’t serious! I like this girl! Ich mag diese Mädchen; und keine von uns wurde ihr so etwas antun! Never!!”
Nena mischte sich ein. “Nein, das ist völlig unmöglich. Von mir aus rufen Sie die Polizei, das würden wir auch gerade tun. Aber bitte lassen Sie die Jungs ins Krankenhaus - dort können sie auch befragt werden! Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass niemand von hier das getan hat. Die Jungs hier bestimmt nicht und auch von unseren Teams niemand! Keiner wäre dazu in der Lage!”
Der Arzt sah sie an. “Haben Sie Kameras hier unten?” fragte er nur. Xavier war ein wenig verwirrt, wegen der plötzlichen Wandlung und der Frage, doch er schüttelte den Kopf: “Nein, haben wir nicht, weshalb?” “Dann kann ich Sie leider nicht gehen lassen. Ich werde jetzt die Polizei rufen und die wird dann entscheiden, was zu tun ist.. Tut mir leid, das ist meine Pflicht…” Rea sah ihn an und in seinen Augen blitzte es. Xavier war zu ihm getreten und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als jetzt auf das Eintreffen der Polizei zu warten und ihre Aussagen zu machen. Vielleicht kam ja doch etwas Licht ins Dunkel? Wie es dazu kommen konnte?
Keiner von ihnen konnte sich vorstellen, dass einer hier in der Lage dazu wäre, einem Mädchen so etwas anzutun; und dennoch stand außer Frage, dass es geschehen war. Und so stellten sich alle die gleiche Frage: Wer war der Täter? Und auch, wenn sie es nicht wollten, dennoch schlich sich bei allen der verräterische Verdacht ein, dass es vielleicht doch jemand aus den Teams gewesen sein könnte - einer ihrer Schützlinge - und der Verdacht war grausam…

