37. Gewissensbisse

Maurice hatte alles von seinem Platz aus gesehen und selbst ihm wurde schlecht. Die Frage, ob Heather ihm Placebos untergeschoben hatte, erübrigte sich gerade... Und so wie es aussah, waren die Schrottdinger gefährlicher, als sie es ihm weiß machen wollte... Verdammt, er musste weg! Er wurde, zusammen mit seinen Eltern, und den anderen im Publikum, heraus gebeten, und sah gerade noch, wie der Krankenwagen mit Jess fort fuhr. Sein Herz raste; würden sie etwas heraus bekommen? Aber selbst wenn, sie würden doch niemals auf ihn kommen; wie sollten sie auch? Plötzlich wurde er von der Seite angestoßen. Als er sich umdrehte, sah er Marius, der ihn sehr merkwürdig ansah, dann hörte er ihn sagen: "Kommst du mal gerade mit mir? Nur für ein paar kleine "Abschiedsworte"?"
Maurice nickte, und lief hinter Marius her, der ihn in einen etwas weiter entfernten Winkel zog. Dann fragte er ihn: "Und nun? Was soll ich hier? Was is los?" "Sag mal, unter uns; hast DU was mit dem Zustand deiner "Rivalin" zu tun? Das sah ziemlich komisch aus... Zumal die im direkten "Kampf" mit dir stand. Was hast du gemacht?"

Maurice sah seinen Freund an. Bis jetzt waren sie die besten Freunde gewesen, dennoch überlegte er, ob er es ihm erzählen sollte, zumal er Heather ja versprechen musste, den Mund zu halten. Aber sein bester Freund durchschaute ihn: "du hast was damit zu tun, oder? Man, was hast du gemacht??"
"Hör zu, du wirst mir versprechen, den Mund zu halten, okay?" Er kam etwas näher auf ihn zu, es wirkte beinahe bedrohlich.. "Hey! Wir sind doch Freunde, oder? Ja, ich halte den Mund, nur sag mir, was da passiert ist - die ist doch nicht ohne Grund aus den Latschen gekippt..." "Man, nein, ist sie nicht.. Ich wollte eigentlich verhindern, dass sie überhaupt singt, weiß gar nicht, wie das passieren konnte, dass sie in der Lage war, zu singen - und dann auch noch gewonnen hat. Ist mir ein völliges Rätsel! Also okay, du hältst den Mund, darauf kann ich mich verlassen?!?" Marius nickte, und schließlich sagte Maurice es ihm: "ich habe mir von Heather Pillen geben lassen; die kommt da ja "günstig" ran.. Zuerst dachte ich an Drogen, aber sie hat irgendwelche Pillen aus dem Schrank ihres Dads mitgehen lassen; irgend ein Medikament, das noch nicht erprobt ist.. Naja, und das hab ich dann in ihre Wasserflasche gekippt, keine Ahnung, ob das zuviel war oder wenig; anscheinend aber noch zu wenig, da sie ja in der Lage war, heute aufzutreten.. Scheiße..."

Marius hatte seinen Freund angestarrt und war unwillkürlich einige Schritte zurück gewichen. Dann fragte er ihn, mit Unglauben in der Stimme: "Du hast WAS?? Du hast ihr irgend ein merkwürdiges, noch nicht erprobtes "Medikament" , mit was weiß ich für Nebenwirkungen, ins Wasser gekippt? Und dann in vermutlich großer Menge? Sag mal, hast du einen Schaden? Weißt du eigentlich, was du da angerichtet hast?"
Maurice war überrascht bis verärgert über Marius' Reaktion. Von ihm hatte er eher Unterstützung erwartet... "Hey, du hast von Heather früher auch ziemlich coole Dinger eingeworfen, erinnerst du dich?" "Ja, aber erstens wusste ich was das war, und zweitens hab ich das freiwillig gemacht! Man, du hast sie doch nicht mehr alle! Ich geh jetzt - und ehrlich gesagt, bin ich froh, dass du draußen bist! Ich mag die auch nicht, genau wie du - aber zu SOLCHEN Mitteln würde ich nie greifen. Zumal ich FAIR beweisen wollen würde, dass ich besser bin! Mach es gut, mein "Freund"", spie er ihm noch entgegen, dann ließ er ihn stehen.
Maurice blickte ihm geschockt hinterher, dann schrie er: "Halt bloß die Fresse!" Marius drehte sich noch einmal um: "Mach ich - aber lass du dich nicht mehr bei mir blicken!" Dann war er verschwunden.
Maurice blickte ihm noch hinterher, obwohl er gar nicht mehr zu sehen war. Man, das war ja toll. Jetzt hatte er auch noch einen Freund verloren, was er wohl auch dieser Tussi zu verdanken hatte! Mit grummelndem Magen lief er zurück zu seinen Eltern, die ihn bereits erwarteten, und fragten, ob alles in Ordnung war. Er bejahte, und dann gingen sie nach Hause. Er konnte nur abwarten, was nun passierte. Mehr konnte er nicht tun...

Währenddessen war Jess im Krankenhaus angekommen und Samu und die anderen Jury-Mitglieder waren hinterher gefahren. Die Sorge stand ihnen ins Gesicht geschrieben, als sie auf den Arzt warteten, der ihnen sagen würde, was mit Jess los war. Samu konnte es sich einfach nicht erklären; er wusste ja, dass es ihr einmal nicht gut gegangen war - aber dass es anscheinend SO schlimm war, das hatte er nicht geahnt. Während sie warteten, kamen ihm Mandys Worte in den Sinn: Dass Jess anscheinend zuvor schon ziemlich fertig gewesen war, sich mehrfach übergeben hatte, und sie ihren wahren Zustand vor ihnen allen verborgen hatte. Verdammt, wie konnte ihm das nur entgehen - und Tom und er hatten sie auch noch gerügt, weil sie bei der Generalprobe so schlecht gewesen war. Jetzt war ihm auch klar, weshalb! Doch es nutzte nichts, sich jetzt Schuldgefühle einzureden. Sie mussten endlich mit dem Arzt reden, und schließlich kam dieser auch. In seinem Gesicht war Sorge zu lesen, und noch etwas, was Samu schaudern ließ.
Er und die anderen blickten zu dem Arzt und dann fragte Samu: "Was is mit ihr? Haben Sie Information? Is it a Magen-Darm-Infektion?"
Der Arzt trat zu ihnen und blickte einem nach dem anderen in die Gesichter. Es stand in der Tat etwas merkwürdiges in seinem Blick, das keiner von ihnen wirklich interpretieren konnte. Dann begann er zu sprechen: "Also zuerst einmal: der Zustand der jungen Frau ist einigermaßen stabil. Wir haben es geschafft, ihren Kreislauf zu stabilisieren, und ihr etwas gegeben, was sie ruhen lässt. In einigen Stunden sollte es ihr eigentlich wieder besser gehen. Allerdings habe ich eine beunruhigende Entdeckung gemacht, die ich Ihnen mitteilen muss: Wir haben eine Blutprobe entnommen - und in ihrem Blut eine sehr hohe Dosis eines uns unbekannten Mittels gefunden, das wir nicht einordnen können..."

Samu unterbrach ihn: "Was meine Sie mit "unbekannte Mittel?"" Auch Alec schaute ihn an und fragte, ebenfalls geschockt: "Sie meinen doch jetzt keine Drogen?" "No! Das wurde Jess niemals anruhren!" fiel Samu ihm ins Wort, auch, wenn er Jess jetzt am wenigsten von allen hier kannte, aber DAS konnte er sich nicht vorstellen.
Der Arzt schüttelte den Kopf: "Ich sagte nicht, dass es eine Droge ist - aber etwas uns nicht bekanntes. Weder eine bekannte Droge, noch ein uns bekanntes Medikament! Ich weiß nicht, was das für ein Zeugs ist, was sie genommen hat, was ich aber weiß ist, dass es anscheinend zu extremen Nebenwirkungen geführt hat.
Sie hat eine hohe Dehydrierung, obwohl sie wohl viel Wasser zu sich genommen hat, aber ihr Darm ist aufgebläht und ihr Magen ist hart. Sie hat sich wohl häufig übergeben. Zudem ist sie kaltschweißig und hat Untertemperatur. Wir sind langsam dabei, dieses Problem zu lösen. Es ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, wie sie in diesem Zustand die Show überstanden hat - allerdings kann ich mir vorstellen, dass es vielleicht der hohe Adrenalinpegel gewesen ist, der ihr dabei "geholfen" hat, wenn man das so sagen kann. Nachdem dieser ein wenig nachgelassen hat, ist der Kreislauf endgültig zusammen gebrochen. Nun, um es auszusprechen: Wir müssen wissen, was das für ein Zeug war, was sie genommen hat, alleine um die Medikation einzustellen, die wir ihr noch geben dürfen; einige Medikamente haben wir ihr schon gegeben, da wir keine andere Wahl hatten. Aber wenn wir weitere Medikamente verabreichen, und es sind die falschen - in Kombination mit eben diesem Medikament, oder dieser Droge - kann es ihr Leben gefährden! Haben Sie wirklich keine Ahnung, was sie genommen haben könnte und in welchen Mengen?"

Samu war schlecht geworden. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Dennoch riss er sich zusammen und antwortete dem Arzt: "No! Ich hab kein Ahnung, was das for eine Shit ist, die sie genommen hat! Damn it! Keine von unsere Teams nimmt Drugs! Das kann ich mich einfach nicht vorstellen! Ihr vielleicht?" Die anderen sahen ihn an und schüttelten ebenfalls die Köpfe. "Nein! Dafür lege ich meine Hand ins Feuer... Aber wir werden es heraus finden! Wann können wir denn mit ihr reden?" fragte Sascha. Der Arzt blickte ihn an: "Nun, wie ich schon sagte, fürs erste haben wir sie "schlafen gelegt" - und der wird einige Stunden anhalten. Sie muss jetzt erst einmal wieder zu Kräften kommen. Ihr Körper ist ziemlich ausgelaugt. Vor Morgen wird keiner mit ihr sprechen können, tut mir leid. Finden Sie bitte so schnell wie möglich heraus, was das für ein Zeug ist, unser Labor ist ebenfalls dabei Aber je schneller wir etwas heraus finden, umso besser!" Damit verabschiedete er sich und verschwand.

Die Jungs und Nena schauten sich an, dann sagte Xavier schließlich: "Ich glaube, wir sollten mal wieder eine allgemeine Teambesprechung einberufen!" Die anderen nickten, und da sie alle wussten, dass sie hier und heute nicht mehr zu Jess kommen würden, verließen sie das Krankenhaus und fuhren zurück zum Teamhaus. Als sie dort ankamen, riefen sie alle zusammen in den großen Besprechungssaal. Marius hatte ein schlechtes Gefühl, als er mit den anderen zusammen dort eintraf. Er kämpfte mit sich. Auf der einen Seite wusste er, dass er Maurice "versprochen" hatte, den Mund zu halten - immerhin war er bisher auch sein bester Freund gewesen. Aber andererseits ging ihm das, was er getan hatte, definitiv zu weit. Dennoch wollte er abwarten, was genau die Coaches ihnen zu sagen hatten; und es dauerte nicht lange, bis Samu los legte: "We are all concerned about Jess' wealth..." Er besann sich, und fuhr auf Deutsch fort: "Wir machen uns alle Sorgen um Jess! Irgend etwas has happend, dass sie in die letzte Zeit so schlecht gewesen ist..." Alec fiel ihm ins Wort, der es besser ausdrücken konnte: "Was Samu sagen will ist, dass es Jess wohl schon einige Zeit zuvor ziemlich schlecht gegangen ist", er sah Mandy dabei an, die ziemlich mitgenommen aussah. Dieser traten Tränen in die Augen und sie sagte: "Es tut mir leid... Ich hätte etwas sagen sollen, aber ich musste ihr versprechen, es für mich zu behalten.." "Hey, schon gut, niemand gibt dir die Schuld! Und auch nicht Jess.. Darum geht es jetzt auch gar nicht. Es ist folgendes: Die Ärzte haben ihr Blut untersucht, und festgestellt, dass sie eine "unbekannte Substanz" in sich hat... Irgend ein Zeug, das sie nicht einordnen können... Hat irgend jemand eine Ahnung, was das sein könnte?" Er blickte in die Gesichter der Kandidaten.

Diese blickten sich und die Coaches erschrocken an. "Was, was soll das heißen, eine "unbekannte Substanz"? Meinst du Drogen?" "Nein, Jess würde doch niemals Drogen nehmen! Niemals! Das ist völlig ausgeschlossen!" ließ sich Mandy vernehmen. Xavier sah sie an: "Jetzt hört mir mal gut zu: Auch, wenn wir es selbst kaum fassen, geschweige denn glauben wollen, oder können, aber irgend etwas hat Jess genommen! Und es ist etwas, was niemand kennt! Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, müssen die Ärzte heraus finden, was das ist, damit sie ihr nicht noch eine falsche Medikation verabreichen, die vielleicht ihr Leben gefährdet! Verdammt noch mal, wenn einer von euch etwas weiß, dann REDET - JETZT!" Mandy schluckte, dann sagte sie: "Also, alles was ich weiß ist, dass sie die Medikamente gegen den Magen-Darm-Infekt genommen hat, die sie von Frida bekommen hat.. Mehr weiß ich nicht!.." "Das KANN nicht alles gewesen sein! Frida gibt keine unbekannten Medikamente raus, geschweige denn Drogen! Hast du sonst wirklich nichts gesehen? Denk noch mal genau nach. Du warst ihr von allen hier am nächsten!" Mandy schüttelte den Kopf. Ihr war die Verzweiflung anzusehen, doch sie konnte sich tatsächlich an nichts anderes erinnern...

Marius kämpfte mit sich. Er wusste, dass er Maurice gegenüber eine Verpflichtung hatte. Er hatte ihm versprochen, den Mund zu halten!
Allerdings, wenn er genau darüber nachdachte, hatte er es ja eher versprechen müssen; Maurice hatte ihn geradezu genötigt! Und er hatte bis jetzt den Mund gehalten, doch langsam wurde es eng. Auch er mochte diese Neue nicht, nein, genauso wie einige hier ebenfalls. Aber auf die Idee, ihr Drogen oder irgend eine andere Scheiße unterzujubeln, um sie "auszuschalten", wie jetzt auch immer, darauf wäre er nie gekommen. Und er fand es geradezu pervers, dass Maurice nichts "besseres" eingefallen war, als das, um sie zu "besiegen". War sein - ehemaliger - Freund wirklich so arm? Konnte er auf normalem Wege nicht gegen sie gewinnen? Hatte er so wenig Selbstbewusstsein? Er wusste es nicht. Aber das war jetzt auch egal. Er kämpfte immer noch mit sich selbst. Wenn er jetzt reden würde, hätte das verdammte Auswirkungen. Er müsste nicht nur Maurice verraten, sondern auch Heather. Und im Grunde auch sich selbst, denn es würde nicht umhin kommen, dass er zugeben musste, auch mal "ab und an" von ihr mit Drogen versorgt worden zu sein... Oder konnte er das verschweigen? Er wusste es nicht. Wenn er das zugeben würde, konnten sie ihn nachher noch raus werfen? Er war froh, dass er es in die zweite Live-Show geschafft hatte... Verdammt, was sollte er jetzt nur tun? Noch überlegte er. Er wollte es nicht sagen, aber tief in sich drin regte sich etwas, und er wusste, was es war: Das schlechte Gewissen.. Was war, wenn sie wirklich starb? Weil sie dieses Zeug von Maurice bekommen hatte, und die Ärzte nichts darüber wussten? Er konnte es nicht für sich behalten, er wollte nicht schuld daran sein, wenn sie wirklich sterben sollte!...

Währenddessen schauten Samu, Alec, Sascha, Xavier und Nena von einem Talent zum anderen. In allen Gesichtern stand Erschrecken. Sascha, Alec, Xavier und Nena fühlten sich beinahe wie in einem "Flashback". Wie damals, als sie ihren damaligen Talents mitteilen mussten, dass Jess vergewaltigt worden war.
Doch hier lag die Sache noch ein wenig anders, und sie konnten bei niemandem wirklich heraus finden, ob jemand etwas wusste. Sie glaubten Mandy, die ihnen immer wieder beteuerte, sie wüsste nicht, was Jess sonst genommen haben sollte, außer den Medikamenten, die sie von der Krankenschwester bekommen hatte. Es war zum Verzweifeln. Sie mussten etwas heraus finden, Jess' Leben hing davon ab! Und das sagte Samu dann noch einmal, mit Pathos in seiner Stimme:
"Listen, please, I please you! Jess' Life hängt davon ab, dass ihr sagt, when ihr etwas wisst... Ich hab keine Idea, warum ihr sie so hasst... Alles was ich bis jetz von ihr gehört habe, war great! Sie is eine liebe Mädschen, und sie ist damn great! Und sie wird auch niemals "bevorzugt", or sonst was ihr euch so einbildet!"
"Schon gut, das denkt auch niemand mehr, wirklich... Wir haben unsere Lektion gelernt. Aber ehrlich, von uns hat wirklich niemand was gesehen; okay, so im Nachhinein betrachtet... Sie war während unseres Aufenthaltes im Raum oben ab und zu ein wenig weggetreten, wir dachten, sie ruht sich von ihrem anstrengenden - und echt coolen - Auftitt aus; aber so im Nachhinein gesehen... Scheiße, das hat echt keiner begriffen..." Es war der Junge, der die lobenden Worte für Jess gefunden hatte, sein Name war Niklas.

Samu sah Niklas an. Also hatte er mit seiner Befürchtung Recht gehabt.. Sie war während des ganzen Abends neben sich gewesen, und natürlich vorher auch schon. Und er hatte es verpasst, mit ihr darüber zu reden...
Anscheinend wusste niemand etwas, was ihnen weiter helfen konnte, und so konnten sie nur hoffen, dass die Ärzte von sich aus etwas heraus finden würden, bevor es zu spät sein würde... Samu sah zu den anderen, seine Augen waren müde. Er war müde, und die anderen sahen die Verzweiflung darin. Auch ihnen ging es mies. Schließlich sagte Alec: "Okay, ihr könnt gehen... Für heute habt ihr frei, wir fahren gleich noch mal ins Krankenhaus, leider haben wir dann ja keine neuen Informationen für die Ärzte, die sie weiter bringen... Dann können wir echt nur hoffen, dass sie ihr die Medikamente geben, die sie braucht - und die Sache nicht noch schlimmer macht.. Scheiße..." Er trat gegen eine imaginäre Wand, und langsam, immer noch geschockt, wandten sich die Talents zum Gehen.

Nur einer blieb. Er hatte eine Entscheidung getroffen. Marius wusste, dass er auspacken, und sagen musste, was er wusste. Was Maurice ihm erzählt hatte. Das würde ihm vollends die Freundschaft zu seinem ehemaligen besten Freund kosten, und was Heather mit ihm anstellen würde, wusste er auch noch nicht, aber das war ihm jetzt auch egal. Er konnte nicht zulassen, dass die Kleine starb - nur weil er seinen Mund nicht aufgemacht hatte. Und abgesehen von Maurice und Heather war er der einzige, der die Wahrheit kannte!
Die Coaches wollten auch gerade gehen, als sie registrierten, dass Marius noch da stand, und sie anstarrte: "Hast du nicht verstanden, dass ihr gehen sollt? Mach dich vom Acker!" raunzte Alec ihn ein wenig grob an. Marius sah zu Boden. Es fiel ihm verdammt schwer, was er jetzt tun musste... "Ich, ich hab was zu sagen.. Ich glaub ich weiß, was mit Jess los ist..."
Schweigen breitete sich aus, in dem Raum, in dem nur noch die Coaches und Marius standen. Marius spürte die Blicke auf sich, er blickte zwar zu Boden, aber er "sah" geradezu, wie die Blicke ihn aufspießten. Dann hörte er Samu: "What? You know somehing? WHAT do you know?" "Also ich.. ich weiß es von Maurice... Er hat es mir nach der Live-Show erzählt, es alle schon draußen waren... Ich dachte mir schon, dass er irgend etwas damit zu tun hat; fragt mich nicht woher ich das wusste, aber irgendwie kenn ich ihn zu gut... Also jedenfalls..." Er stockte noch einmal, dann atmete er einmal tief durch - und dann sagte er es. Er war zu weit vorgedrungen, um jetzt aufzuhören: "Er wollte wohl verhindern, dass sie auftritt... Weil er nicht gegen sie antreten wollte; deswegen hat er... Also wir, wir haben damals, als Heather noch bei uns war, ab und zu mal was "nettes zum Aufheitern" von ihr bekommen... Sie kommt da wohl gut und günstig ran... War nie viel, und hat auch nie wirklich was bewirkt, außer uns halt ein wenig zu stimulieren... Naja, wie auch immer, jedenfalls hat Maurice von Heather ein Medikament bekommen; er hat gesagt, sie hat es von ihrem Dad geklaut, irgend ein unbekanntes, noch nicht erprobtes Medikament... Er hat es in ihre Wasserflasche geschüttet - fragt mich nicht wie viel, ich weiß es nicht, aber es wird ziemlich viel gewesen sein..." Dann schwieg er und starrte immer noch auf seine Füße.

Samu und die anderen schwiegen ebenfalls und starrten Marius entgeistert an. Langsam kam das von ihm erzählte in ihren Köpfen an. Schließlich war Xavier der erste, der seine Stimme wieder fand, sie bebte: "du, du willst uns gerade sagen, dass Maurice von Heather - DER HEATHER - irgend ein Sch... Medikament, das noch nicht erprobt ist, bekommen hat, und das hat er Jess, ohne dass sie es wusste, denk ich doch mal, in ihr Wasser gemischt?? Ohne zu wissen, was das für ein Zeug ist, ohne an die Konsequenzen zu denken?.." Dann wurde er noch blasser, als er ohnehin schon war, und setzte nach: "oder hat er an die Konsequenzen gedacht? Wollte er sie umbringen?" Die anderen starrten geschockt zu Xavier, an diese Möglichkeit hatte noch niemand gedacht. Marius reagierte genauso geschockt. "Nein! Nein, ehrlich, das denke ich nicht! Ich war ebenso geschockt von dem, was er getan hat, als er es mir erzählt hat, ehrlich! Aber er hat durchblicken lassen, dass er sie nur unschädlich machen wollte, dass sie unfähig sein sollte, gegen ihn anzutreten; das sollte alles sein. Er wollte bestimmt nicht, dass sie stirbt! Was allerdings Heather angeht.. Ob die wirklich keine Ahnung von dem was sie ihm da gegeben hat, von diesem Zeug... Keine Ahnung, das weiß ich wirklich nicht..."
"Und du haddest echt kein Ahnung, von die Shit, die Maurice da getan hat? You are best friends!" fragte Samu ihn, und sah ihn mit stechendem Blick an. "Had er dich wirklich nichts erzählt?" "Nein! Nein, ehrlich, er hat mir nichts davon erzählt; erst, als ich ihn NACH der Show darauf angesprochen habe, da kam er raus damit. Mehr oder weniger freiwillig..." "Aber du bist nicht sofort zu uns gekommen und hast es uns erzählt, obwohl du es wusstest", ließ sich Nena vernehmen, die bis jetzt ruhig gewesen war. "Nein.. Ich, ich musste ihm versprechen, den Mund zu halten... Und bis jetzt war er ja auch mein bester Freund. Außerdem wusste ich da noch nicht, wie schlimm es um Jess steht.. Es tut mir leid.. Ich hätte es früher sagen sollen; aber, aber wenn es jetzt vielleicht hilft? Wenn, wenn ihr zu Heather geht und sie fragt, was das für ein Zeug war... Keine Ahnung... Oder das Wasser, wenn sie noch etwas davon hat, untersuchen lasst? Vielleicht kommt ja dann was dabei raus?"
Die Coaches sahen sich an, dann blickten sie zu Marius. "Okay, ich denke, das war es erst mal... Was dich angeht, ich möchte, dass du in dein Zimmer gehst und dort bleibst, wir werden später entscheiden, was mit dir passiert. Und wir werden jetzt Maßnahmen ergreifen... " mehr sagten sie nicht, und Marius fügte sich in sein Schicksal. Er ahnte, was das bedeutete. Seine Existenz hier hing am seidenen Faden. Würde er jetzt auch hier raus fliegen? Und wie würde es dann in Samus Team weiter gehen? Er wusste es nicht, doch er tat, was die Jury ihm gesagt hatte, und lief in sein Zimmer. Er war so froh gewesen, dass er es in die zweite Live-Show geschafft hatte, und jetzt hing es am seidenen Faden, ob er diese antreten konnte... Doch das hatte er sich selbst zuzuschreiben - und seinem verluchten, ehemaligen, "besten" Freund. Er warf sich auf sein Bett und holte sein Smartphone raus...

Währenddessen hatte sich Alec das Telefon geschnappt, und hatte die Polizei benachrichtigt. Er konnte das weiter geben, was Marius ihnen gesagt hatte, und der Kripobeamte an der anderen Leitung sagte ihm, dass sie die Flasche suchen sollten, falls diese noch nicht weggeschmissen worden war. Sie würde abgeholt werden und als Beweismittel gebraucht. Außerdem sollte sie untersucht werden, falls es dort noch Spuren des Medikamtentes, oder welche Art von Droge auch immer, geben solte. Gleichzeitig würden nun die Beamten zu Maurice und Heather gehen, um beide mitzunehmen und zu befragen.
Samu und die anderen hatten Hoffnung,  dass jetzt Licht ins Dunkel kam. Endlich würden sie herausfinden, was für einen Müll Jess bekommen hatte, und wie ihr zu helfen war; zumindest hofften sie das...

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Christal, 31
Traumland