26. Beruhigende Worte
Diese hatten es sich, als Rea ins Haus gegangen war, auf dem Rücksitz so bequem wie möglich gemacht, und harrten nun der Dinge, die da kommen sollten. Zuvor hatten sie selbstverständlich das Schloss verriegelt, so wie Rea es ihnen gesagt hatte und dann setzten sie sich hin und nahmen die große Decke, die auf dem Rücksitz lag, um sie über sich zu legen. Es war Lammfell und sie wärmte vom ersten Augenblick an, da sie in diesem Moment eigentlich erst bemerkten, wie sehr sie eigentlich froren. Besonders an den nackten Füßen...
Natürlich machte sich jede von ihnen die größten Sorgen, was nun geschehen würde.
Steffi hatte immer noch panische Angst davor, den Mann getötet zu haben, und auch, wenn sie tief in sich ebenfalls wusste, dass es Nothilfe gewesen war wusste sie, dass sie nicht damit klar kommen würde, einen Menschen getötet zu haben - selbst, wenn es so einer war wie dieser! Außerdem spukte die ganze Zeit das furchtbare Erlebnis auch in ihrem Kopf herum, und sie kam einfach nicht davon los...
Dana fühlte im Grunde dasselbe, auch sie umgab noch der Schock des Geschehens und sie kümmerte sich dennoch zusätzlich um Jess, die zwischen ihnen saß und immer noch völlig weggetreten war. Einige Zeitlang schien es jedenfalls so, als wäre sie wieder bei sich, doch dann fiel sie wieder in Lethargie. Zudem machten Dana ihre Verletzungen Sorgen, einmal die gebrochene Nase, aus der Blut lief, die Wange, die mittlerweile blau-lila angelaufen und vermutlich auch gebrochen war und ihre Schulter, die immer noch blutete. Dana begann, langsam und so vorsichtig wie möglich, damit die Stellen zu betupfen und ihr die weißen Tücher, die sie von Rea bekommen hatten, darauf zu legen, um die Blutungen zu stoppen. Und so versuchte sie selbst, ihre Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken, denn auch sie stand noch unter Schock und musste sich ablenken, in dem sie sich um ihre Freundin kümmerte.
Jess selbst stand noch völlig neben sich. Sie hatte kurzfristig einmal die Realität gesehen, hatte Rea durchaus registriert, aber danach war er wieder im Hintergrund verschwunden. Ihre Gedanken waren woanders: ER hatte sie gefunden. ER war wieder bei ihr gewesen, selbst hier hatte ER ihr aufgelauert und sie erneut überfallen. Es war nur ihren Freundinnen zu verdanken, dass sie noch lebte... Jess verfiel erneut in völlige Lethargie und Verzweiflung und weder Dana noch Steffi, die beide versuchten sie ab und an anzusprechen, gelang es, sie darauf zu erwecken. Jess' Gedanken waren bei IHM: ER würde sie immer kriegen, ganz egal wo sie war, sie hatte keine Chance gegen ihn; niemals...
Doch einige Zeit später, keines der Mädchen wusste, wieviel Zeit vergangen war, hörten sie plötzlich ein Geräusch neben ihrem Fenster, das sie hochfahren ließ. Zumindest Dana und Steffi, denn Jess reagierte auch jetzt nicht. Die beiden Mädchen dachten schon, ER hätte sie gefunden, doch dann realisierten sie mit Erleichterung, dass es Polizisten waren, die vor ihrer Seitentür standen - und wohl auch ein Notarzt. Steffi öffnete die Tür und ein Polizist steckte seinen Kopf in den Wagen: "Ist alles in Ordnung mit euch, Mädchen? Geht es euch gut?" Er sah direkt, dass zumindest zwei der drei Mädchen körperlich in Ordnung waren, seelisch wohl kaum, das konnte er sich ja denken, und dass das Mädchen, das in der Mitte saß, eindeutig verletzt war. Er drehte sich zu dem Notarzt hinter ihm um und sagte: "Okay, eines der Mädchen ist verletzt, kümmern Sie sich um sie, und ihr beide sagt mir jetzt bitte, was passiert ist. Wie es genau passiert ist!"
Dana und Steffi nickten. Der Notarzt setzte sich nach vorne, auf den Fahrersitz, und bat Dana, Jess für ihn freizugeben. Diese strich Jess noch einmal beruhigend über den Kopf, dann ließ sie sie los und der Notarzt konnte sich um sie kümmern. Zuerst leuchtete er ihr in die Augen, dann kümmerte er sich um ihre gebrochene Nase, ihren Wangenknochen, der tatsächlich ebenfalls gebrochen war, und die verletzte Schulter. All dies ließ Jess ohne eine Regung über sich ergehen. Dem Notarzt war klar, dass sie unter Schock stand, die anderen Mädchen vermutlich auch noch, doch dieser war tiefer, sehr viel tiefer. Doch er konnte nicht mehr tun, als ihr ein Mittel gegen den Schock zu spritzen, das sie wieder ein wenig aufbauen würde, und ein weiteres, das die Schmerzen etwas im Zaum hielt. Für alles Weitere war er nicht zuständig, da müssten Therapeuten ran - und natürlich wusste auch er, dass das Mädchen schon mehr als einmal therapiert worden war... Nun war es anscheinend wieder so weit, und das tat ihm natürlich ebenfalls sehr leid...
Schließlich war er fertig und verschwand erstmal aus dem Wagen. Die anderen Mädchen sahen nicht so aus als würden sie seine Hilfe benötigen und außerdem sprach gerade die Polizei mit ihnen.
In der Zwischenzeit hatte der Polizist mit einigen weiteren Kollegen Dana und Steffi befragt und diese hatten ihnen alles über den Überfall und ihre Flucht erzählt. Dann kam Steffi zu dem Moment, an dem sie erzählen musste, was sie getan hatte, und nachdem einmal kurzfristig ihre Stimme versagt hatte, erzählte sie es schließlich, beinahe weinend: "Ich habe ihn vielleicht getötet - ich weiß es nicht..." schluchzte sie. Die Polizisten sahen sich an. "Nun, wir werden es sehen, wir gehen da jetzt rein!" antwortete einer von ihnen und setzte hinterher: "Es muss nicht so sein, aber wenn, dann war es eindeutig Nothilfe! Du brauchst dir darüber also keine Gedanken zu machen!" Steffi nickte nur, dann antwortete Dana an ihrer Stelle: "Sie müssen sich beeilen, Rea ist da drin! Er wollte doch nachschauen, ob er tatsächlich nicht mehr lebt oder wenn doch, ob er ihn irgendwie unschädlich machen kann... Bitte, beeilen Sie sich!"
Die Polizisten sahen sie an. "Wie bitte? Wer ist da drin? Rea? Du meinst doch nicht etwa..." "Doch", fiel Steffi ihm ins Wort: "Rea Garvey! Wir haben ihn angerufen, weil unsere Eltern nicht da sind und er war der erste, der uns in den Sinn gekommen ist; er ist auch direkt gekommen und hat gesagt, dass er rein gehen will um gegebenenfalls den Typen unschädlich zu machen..."
Plötzlich brach Hektik unter den Polizisten aus. Sie wussten zwar, dass Josephine Garvey bei der Leitstelle angerufen und dort von dem Überfall auf die Mädchen erzählt hatte, und dass Rea Garvey sich auf den Weg zu ihnen gemacht hatte, doch sie hatten nicht mehr darauf geachtet, wo dieser sich nun aufhielt... Jetzt fiel ihnen natürlich auf, dass Rea nirgends zu sehen war und dass der Wagen, in dem die Mädchen saßen, vermutlich seiner war. Wie hatten sie nur so dämlich sein können? Sie hätten direkt nachfragen sollen; doch auf die Idee, dass er allen Ernstes alleine dort hinein ging, war keiner von ihnen gekommen, außerdem hatte die Gesundheit der Mädchen erstmal an erster Stelle gestanden...
"Okay, Einsatzbefehl Leute, wir müssen da rein! Also, Dr., Sie kümmern sich weiterhin um die Mädchen, wenn es nötig ist, rufen wir Sie - Also, zack zack! Und Kate, bleibst du bitte auch hier, man weiß nie was kommt - nur zur Sicherheit!" Er meinte eine Polizistin, die nickte, und sich ebenfalls um den Wagen versammelte. Sie ahnte was er meinte, es könnte immerhin sein, dass er doch irgendwie geflohen war; es gab Hinterein- beziehungsweise Ausgänge, die er theoretisch genommen haben könnte. Also blieb sie beim Wagen, während sich auch der Notarzt weiterhin dort aufhielt, und die Mädchen im Auge behielt, vor allem Jess. Und die Polizisten gingen, mit gezückten Waffen und kugelsicheren Schusswesten ausgestattet, ins Haus.
Als der Einsatz begann, war die Befragung natürlich vorbei und Dana und Steffi kümmerten sich wieder um Jess, die immer noch vor sich hin starrte. Ihre Verletzungen waren soweit versorgt, sie hatte ein Schmerzmittel bekommen, dennoch machten die Mädchen sich große Sorgen um sie.
Sie wussten nicht, wie lange es dauerte, doch plötzlich hörten die Mädchen die Polizistin und den Notarzt mit jemandem sprechen und sie realisierten mit Freude, dass es Rea war, der wieder zurück gekehrt war - unversehrt, wie es schien. Beide riefen seinen Namen und er ging an dem Notarzt vorbei und setzte sich auf den Fahrersitz, wie dieser zuvor, als er Jess versorgt hatte. Jess reagierte immer noch nicht. Dana und Steffi stürzten nach vorne und umarmten ihn, so gut es in dieser Situation möglich war. "Schon gut, Girls" lächelte er, "setzt euck wieder wieder, bitte.. Are you okay?" fragte er sie und die Mädchen nickten, doch Rea blickte zu Jess, die immer noch reglos da saß.
Der Arzt hatte ihm alles über ihren Gesundheits- und Gemütszustand erzählt und es machte ihm extreme Sorgen. Es war ein Rückfall, dass wusste er, und auch, dass sie vermutlich wieder therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen musste; Rea wusste zwar, dass sie noch in einer Gruppentherapie und auch in einer Einzeltherapie war, aber ob das weiterhin reichen würde oder ob sie wieder stärker betreut werden musste - er konnte nur hoffen, dass es nicht so war... Sie hatte sich in den letzten Wochen so gut gemacht...
Dann versuchte er an etwas anderes zu denken. Im Grunde war es vorbei - für sie alle! Und das musste er jetzt den Mädchen - vor allem Jess - erzählen. Vielleicht würde es ihr ja helfen?! Doch bevor er es sagte, streckte er seine Hand aus und strich Jess sanft über die Haare. "Jess? Do you hear me? Kannst du mick hoeren, Jess?" fragte er leise und Dana antwortete an ihrer Stelle: "Sie spricht schon die ganze Zeit nicht mehr... Ich glaube, sie ist wieder in ihrer Welt, Rea.." Auch sie war den Tränen nahe, und Rea musste sich zusammen reißen. Natürlich war sie das... Er atmete einmal tief durch, dann begann er erneut: "Bitte... Du bist wieder in Sicherheit, Jess. Ihr alle seid es! Komm wieder zu dir! Please!..."
Er hatte kaum die Hoffnung gehabt, dass seine Worte Wirkung zeigten, doch dann sahen sie alle, wie Jess' Kopf sich hob und ihre Augen die seinen suchten. Dann hörten sie ihre Stimme; sie klang leise, verletzlich, als sie antwortete: "In Sicherheit? Nein, ich werde niemals in Sicherheit sein! Er findet mich, egal wo ich bin... Er wird mich immer finden, und ich habe keine Chance gegen ihn - die habe ich nie gehabt... Warum bin ich nicht..." Sie biss sich auf die Lippen, doch jeder im Auto wusste, was sie gerade noch herunter geschluckt hatte... Rea musste an sich halten, nicht laut loszubrüllen. Also waren sie wieder an dem Punkt angelangt, sich Sorgen um sie zu machen? ! Doch dann fiel ihm ein, was er ihnen eigentlich hatte sagen wollen. Sie brauchte doch keine Angst mehr zu haben. Und dann würden die anderen Gedanken doch bestimmt auch noch vergehen. Doch bevor er dazu kam es zu sagen, fiel ihm Dana ins Wort: "Nein, Jess: Das ist nicht wahr! Erinnerst du dich nicht? Dieses Mal war es anders: DU warst anders! Weißt du das nicht mehr?" Sie hielt ihre Hand fest, als sie fort fuhr. Rea war erstaunt, doch er hörte weiter zu, was Dana zu sagen hatte: ""Jess, du hast dich gegen ihn zur Wehr gesetzt. Du hast ihm gezeigt, dass du nicht mehr das kleine, schwache Ding bist, mit dem er machen kann, was er will! Deswegen haben wir es doch überhaupt erst mitbekommen, dass er im Haus war! Weil DU uns mit deinem Schrei gewarnt hast! Und du hast dich gegen ihn zur Wehr gesetzt. Du bist nicht mehr wie früher, Jess. Und du hast uns! Wir sind für dich da, und das werden wir immer sein! Bitte, vergiss das nie und sag so was niemals wieder, hörst du?!"
Jess sagte nichts und Rea wusste im ersten Moment auch nicht, was er sagen sollte. Sie hatte sich gegen ihn zur Wehr gesetzt? Vermutlich hatte sie daher die Verletzungen... Dann hörte er Jess antworten, wieder mit ihrer leisen, beinahe schon tonlosen Stimme: "Ich habe mich versucht zu wehren, aber es hat doch nichts gebracht; seht mich doch an!" Sie zeigte auf ihr Gesicht und fuhr fort: "Er wird immer stärker sein als ich! Er hat mich geschlagen, sich auf mich gestürzt.. Und ja, ich habe euch mein Leben zu verdanken, und das tue ich auch, wirklich, ich danke euch für alles - aber... Aber wenn es anders gekommen wäre, dann wäre nicht nur ich jetzt tot - sondern auch ihr! Habt ihr daran schon mal gedacht? Ich bin eine Gefahr für euch; er könnte nicht nur mich töten, sondern auch euch - und deswegen müssen wir uns trennen!"
Sowohl Rea als auch die Mädchen waren geschockt von ihren Worten. Rea wusste, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, es zur Sprache zu bringen. Doch vorher wollte auch er etwas zu den Vorkommnissen sagen: "Jetzt hor mir mal zu, Jess: das, was Dana gesagt hat, is vollkommen right! Du bist stark! Du hast eine neue Strength in dir entdeckt, und diese Strength hat dafur gesorgt, dass weder du noch niemand sonst, von ihm getotet wurde! Und du hast ihn davon abgehalten, dich zu vergewaltigen! Das war deine Verdienst, Jess! Und du hast die andere gerettet, so, wie sie dich gerettet haben!" Er blickte jetzt auch Dana und Steffi an und lächelte. Dankbarkeit sprach aus seinen Augen, als er dann fortfuhr: "Ihr seid ein Gemeinschaft, Girls! Und niemand sollte euck davon trennen! Und niemand sollte freiwillig gehen!" setzte er noch hinzu und blickte zu Jess herüber.
Diese sah ihn an. Hatte er das Ernst gemeint? Doch sie wusste, noch von früher, dass er alles Ernst meinte, was er sagte. Er war kein Heuchler. Schließlich lächelte auch sie und sagte dann, schon etwas lauter: "Danke.. Aber, aber ich weiß nicht... Er wird mich trotzdem immer finden.. Und beim nächsten Mal habe ich vielleicht nicht mehr so viel Stärke, oder Glück, oder beides... Was auch immer..."
Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen, es ihnen zu sagen. Rea räusperte sich, dann sah er die Mädchen an und begann: "Hort zu, ihr brauckt nie wieder Angst vor diese Monster zu haben. Er wird dir nie wieder etwas tun, Jess. Keine von euck, Girls..."
Jetzt war es Steffi, deren Eingeweide sich zusammen zogen. Sie hatten noch gar nicht gefragt, was jetzt mit dem Täter war. Und sie hatte es sich auch nicht wirklich getraut. Hatte sie ihn etwa doch... Es hatte sich ja beinahe so angehört, was Rea gerade gesagt hatte... Dann sprach sie es schließlich aus. Mit zitternder Stimme fragte sie Rea: "Ist er etwa?... Habe ich ihn?..." Rea unterbrach sie direkt, in dem er den Kopf schüttelte und ihre Hände griff. Dann sah er sie und auch Jess an und sagte: "Nun, zuerst einmal: Die Antwort auf die erste Frage ist: Ja, er ist tot! Aber" das fügte er direkt nach, bevor sie die Chance hatte zu antworten, "nickt du hast ihn umgebrackt, sondern eine Policeofficer. ER hatte nur eine kleine Verletzung von deine Schlag erlitten und als ich in die Zimmer kam, hatte er sich versteckt. Er hat mich angegriffen und bevor er etwas Schlimmeres macken konnte, hat die Polizei ihn erschossen. Er ist tot - und es ist nickt eure Schuld!" Dann wandte er sich an Jess und sagte noch einmal zu ihr: "Es is vorbei, Jess! Er wird dir nie wieder etwas antun; keine von euch! Du bist frei!"
Jess konnt es nicht glauben. Während die anderen beiden Mädchen zuerst die Hand vor den Mund pressten, weil sie es ebenfalls kaum fassen konnten, gingen tausend Gedanken durch ihren Kopf. Dann fühlte sie, wie sie von beiden Seiten an sich gepresst wurde, es waren Dana und Steffi, die sie an sich drückten. Doch sie konnte es immer noch nicht richtig fasssen. Nachdem die Mädchen sich wieder von ihr gelöst hatten, sah sie Rea an und fragte mit belegter Stimme: "Er ist wirklich tot?" Rea nickte und lächelte erneut. "Er ist tot! Ick habe es gesehen."
Jetzt erst hatten es die Mädchen wirklich begriffen - und auch, was er noch gesagt hatte und schließlich war es Dana, die Rea fragte: "Oh mein Gott, sagtest du, er hat dich angegriffen? Bist, bist du in Ordnung? Hat er dir was getan, Rea?" Auch Steffi und sogar Jess schauten erschrocken bis geschockt zu ihm hin. Rea strich allen dreien über die Haare und schüttelte den Kopf: "I'm alright! Er hat mir nicks getan..." Was wirklich geschehen war ließ er aus, die Details brauchten die Mädchen nicht zu erfahren. Es reichte, wenn er es wusste, und eventuell auch Josephine, wenn er nachher zu ihr zurück fahren würde. Jetzt fiel ihm auch ein, dass er ja schon die ganze Zeit die Kleidungsstücke für die drei bei sich hatte - er hatte sie auf den Beifahrersitz gelegt und gab nun allen dreien sowohl ihre Hausschuhe, als auch die Bademäntel, die er mitgenommen hatte. Sie zogen sie an, einschließlich Jess, obwohl auch die Decke, die sie um sich gebreitet hatten, schon ihre Wirkung tat.
Dann blickte Dana zu Rea und fragte ihn erneut: "Du bist wirklich okay? Wir würden es uns nie verzeihen, wenn dir unseretwegen was schlimmes passiert wäre; immerhin haben wir dich ja angerufen..." Rea schüttelte den Kopf und ließ sie gar nicht erst weiter reden: "Hey, keine von euck hat Schuld an dem, was ich tue! Es war meine Entscheidung! Und mir ist nicks passiert, also, keine Wort mehr daruber, okay? Ist euck jetzt warm?" wechselte er das Thema. Die Mädchen nickten und sahen sich an. Es schien ihm tatsächlich nichts geschehen zu sein. Er sah gesund aus und sie mussten es ihm glauben. Ja, ihnen war warm und sie waren unglaublich froh, endlich in Sicherheit zu sein. Dennoch fragten sie sich alle still für sich, wie es nun weiter gehen sollte. Doch noch hatte keine von ihnen den Gedanken laut ausgesprochen...
Währenddessen blickte Rea zum Haus. Die Polizisten waren noch dort und untersuchten den Tatort, obwohl es keine Spuren noch groß zu suchen gab; doch der Leichenbestatter würde noch kommen, und das würde bestimmt noch einige Stunden dauern, bis das Haus, beziehungsweise die Wohnung, freigegeben werden würde. Zudem sah er, wie die Mädchen, und besonders Jess, die ebenfalls zu dem Haus herüber schauten, zusammen zuckten und schauderten. Es war viel geschehen und er konnte es verstehen, dass sie nicht wirklich wieder dorthin zurück wollten, jedenfalls nicht in dieser Nacht. Rea hatte eine Entscheidung getroffen und er konnte nur hoffen, dass Josephine es ebenfalls verstehen würde. Aamor würde garantiert nichts dagegen haben und eine Gefahr war es auch nicht mehr, jetzt, wo ER tot war...
Also wandte er sich an den Polizisten, der vor ihm, neben dem Wagen, stand und fragt ihn: "Entschuldigen Sie, ick wurde jetzt gerne fahren, is das moglich? Und ich werde die Girls mitnehmen, zu mir nach Hause! When Sie nicks dagegen haben?" Die drei waren, gelinde gesagt, überrascht, als sie Rea dies fragen hörten, und sie blickten zum Polizisten herüber, der den Kopf schüttelte und Rea eine gute Fahrt wünschte. Rea bedankte sich noch einmal, dann fuhr er los.
Die Mädchen sahen sich an, und schließlich fragte Jess, ganz leise: "Wir dürfen zu dir? Meinst du das wirklich ernst?" Er antwortete, mit einem Blick aus dem Rückspiegel zu ihnen herüber: "Sure, is das mein Ernst... Fur heute Nacht bleibt ihr bei uns, Josephine und mir. Morgen sehen wir weiter, okay?" Er sah, wie die Mädchen sich anschauten, dann lächelten sie alle drei. Doch dann hörte er noch Dana, die fragte: "Und deine Frau hat nichts dagegen? Ich meine, es ist spät in der Nacht und sie weiß ja noch gar nichts davon, oder? Hast du denn überhaupt so viel Platz für uns alle? Wir wollen dir, beziehungsweise euch, keine Umstände machen..."
Rea unterbrach ihren Redefluss, so kannte er sie von früher: "It's okay! Mack dir keine Kopf, okay? Was den Platz angeht; Wir haben eine große Gastezimmer, da musst ihr drei eben unterkommen - außedem gäbe es noch die Wohnzimmer. Und was Jo angeht: Sie weiß es nickt, nein, aber sie wird schon verstehen, wenn ich es ihr erklaere; und nun werdet mal ein wenig ruhiger, okay. Wir sind bald da!"
Die Mädchen verstummten und hielten sich alle aneinander fest, während Rea ebenfalls ruhig nach Hause fuhr. So sicher, was Jo dazu sagen würde, war er sich nicht, aber sie war eine Frau und sie würde sich sicher in die Situation hinein versetzen können. Im Grunde war er sich sicher, dass sie es verstehen und die Mädchen bei sich aufnehmen würde. Außerdem ging es ja auch nur um diese eine Nacht; Morgen im Laufe des Tages würden sie dann besprechen, wie es weiter ging. Und dann standen sie vor Reas Haus und er bat die Mädchen auszusteigen und mit ihm mitzukommen, was diese auch mit klopfenden Herzen taten, als sie sein riesiges Anwesen sahen...

