42. Neue Herausforderung
Es war einige Zeit ins Land gezogen, und bei den Coaches, beziehungsweise ihren Talents, war einiges geschehen.
Jess war, einen Tag nachdem ihre Mitstreiter ihr den Besuch im Krankenhaus abgestattet hatten, aus demselbigen entlassen worden. Ihr Zustand war wieder hergestellt, und es ging ihr auch wieder, den Umständen entsprechend, gut.
Zu Beginn war ihr noch en wenig unwohl gewesen, als sie von Rea, sie persönlich abgeholt hatte, ins Bandhaus gefahren wurde; aber nachdem sie von allen ihren Mitstreitern - auch die der anderen Teams - wirklich sehr positiv empfangen wurde, hatte sie sich wieder etwas beruhigt.
Es hatte eine Versammlung mit ihnen allen gegeben, in der ihnen Ralf nun endlich alles genauere erklärt hatte. Zum Beispiel auch, dass es ab der zweiten Live-Show einen zweiten Doppelstuhl geben würde. Als absolute Weltneuheit! Zumindest versuchte er, es ihnen so zu erklären. Jeder wusste, was der wahre Hintergrund dieser Änderung war, doch zumindest kam niemand drum herum, sich zuzugestehen, dass es zumindest originell war, was sie sich da ausgedacht hatten: Rea und Samu, zusammen neben Sascha und Alec auf einem zweiten Doppelstuhl.
Jess dachte sich sogar noch, dass es schade gewesen war, dass ihnen nicht schon von Anfang an diese Idee gekommen war. Warum musste erst so etwas scheußliches wie mit ihr passieren? Doch sie verwarf die Gedanken direkt wieder. Jetzt ging es darum, weiter zuzuhören, was noch geplant war, und welche Änderungen noch alles auf sie zukommen sollten. Ab der zweiten Live-Show. Sie alle hörten voller Faszination zu.
Zuerst einmal folgte, zwei Tage später, die Show von Nenas und Xaviers Talenten, in denen diese ebenfalls "aussortiert" wurden. Nun waren sie alle nur noch zu viert; und die zweite Live-Show stand in unmittelbarer Nähe und raste mit Riesenschritten auf sie zu. Und natürlich standen die weiteren Pläne an, in denen auch die Songauswahl getroffen wurde.
Natürlich waren alle furchtbar aufgeregt. Vor allem Jess überlegte sich, was wohl Samu und Rea gemeinsam für sie ausgesucht hatten. Eigentlich müsste sie ihnen ja vertrauen, auch, wenn sie zuerst mit Samus Wahl, bei der vorigen Live-Show, nicht so einverstanden gewesen war, aber im Grunde wusste sie, dass sie sehr gut gewesen war. Trotz ihrer anfänglichen Skepsis. Also würde ja wohl keiner der Coaches ihr - und auch den anderen - einen Song geben, der nicht zu ihr passte, oder? Wie auch immer, eigentlich war es müßig, darüber nachzudenken, denn sie hatte ja ohnehin keinen Einfluss auf die Songs, die sie von ihren Coaches bekamen. Jess konnte nur hoffen, dass es ein guter Song werden würde, und irgendwie stieg langsam auch die altbekannte Aufregung in ihr, wenn sie an die zweite Live-Show dachte, die nicht mehr in allzu weite Ferne gerückt war.
Auch Rea und Samu hatten darüber nachgedacht, mit welchen Songs sie nun ihre verbliebenen vier Talents - Niklas, Marius, Mandy und Jess - versorgen sollten.
Sie mussten sich nun miteinander absprechen, was besonders Rea zu Beginn nicht so leicht gefallen war. Er war es auch von seiner Persönlichkeit eher gewohnt, seine Entscheidungen alleine zu treffen. Da konnte er auch ein Hitzkopf sein. Doch Samu hatte auch seine Stärken. Und beide waren sich irgendwann doch einig, was für Songs ihre Kandidaten singen sollten. Bei den drei anderen ging es etwas schneller als bei Jess. Rea hatte eine Vorstellung, was sie singen sollte, doch Samus Vorschlag, den er ihm unterbreitete, riss ihn vollständig von den Socken. "Are you serious? For Jess?" fragte er ihn, als er ihm den Zettel hin hielt. "Yes, I am!" antwortete dieser, und an seiner Stimme konnte man erkennen, dass es ihm ernst war.
Rea starrte einige Sekunden darauf. Das war noch härter als der Song der ersten Live-Show.. Sie hatte Jon-Bon-Jovi gut hinbekommen, keine Frage, und seitdem schwirrte der Spitzname "Jess-Bon-Jovi" durch die Reihen; welcher durchaus positiv gemeint war, aber das hier war noch einige Grad höher anzusiedeln. Ob Jess das hinbekommen würde?
Samu ahnte, was Rea gerade durch den Kopf ging: "Guy, Jess muss die Herausforderung meistern! Dies is die zweite Live-Show! When she had a chance, to get in the Semi-Finale, dann muss sie zeigen, that she is worth it! Und mit diese song kann sie es! Was dann kommt, werden wir sehen. Die beiden Finales laufen ohnehin anders ab. Aber jetzt is die Zeit der Schonung vorbei!" Und damit ließ Samu raus hängen, dass er keine Widerrede bezüglich Jess' Songauswahl dulden würde.
Rea atmete einmal tief durch. Eigentlich hatte er sich eine Zusammenarbeit anders vorgestellt. Aber gleichzeitig hatte er bereits zuvor geahnt, dass es bezüglich Jess und ihre "gemeinsame" Vergangenheit etwas schwierig werden könnte.
Und nach einigen Minuten, die er nutzte, um sich noch einmal die Songauswahl anzusehen, musste er zugeben, dass er es vielleicht doch nicht so schlecht fand, was Samu da ausbaldowert hatte. Es war hart, aber er würde es Jess durchaus zutrauen. Die Frage war nur, ob Jess es sich selbst zutrauen würde. Da sah er durchaus mehr Schwierigkeiten...
Doch dann war es schließlich soweit, und die nächste Versammlung stand an, in der den Talents nun konkret ihre Songs mitgeteilt werden würden.
Rea und auch Samu war schon ein wenig die Anspannung anzusehen. Und den Talents natürlich ebenfalls.
Dann ging es los, und alle Coaches gaben ihren Talents ihre Songs. Auch Samu und Rea verteilten die Zettel, und ihre Vier blickten gespannt darauf, als sie diese endlich in den Händen hielten.
Mandy, Marius und Niklas schienen ganz zufrieden zu sein, jedenfalls sah man ihre Augen strahlen, und von Marius erklang ein "yeah!" - doch Jess starrte in den ersten Sekunden einfach nur auf ihr Blatt. Ihre Augen wurden groß. Dann blickte sie zu Rea und Samu herüber. Das konnte jetzt nicht wirklich ihr Ernst sein?
Rea hatte sich diese, oder so eine ähnliche, Reaktion von Jess vorgestellt. Auch Samu hatte diese befürchtet, doch er blieb hart. Wenn Jess es in die nächste Live-Show schaffen würde, die gleichzeitig das Halbfinale war, dann musste sie diese - zugegebenermaßen harte - Herausforderungen meistern!
Sie sagten erst einmal beide nichts, sondern warteten darauf, dass Jess etwas sagen würde, was kurze Zeit darauf dann auch geschah: "Das, das ist wirklich eurer Ernst ja? DIESEN Song soll ich singen? Das schaffe ich doch nie!" Zum Schluss war sie lauter geworden.
Es wurde still um sie herum. Alle blickten sie an. Mit was für einem furchtbaren, tödlichen Song hatten ihre Coaches sie denn ausgestattet? Mandy blickte ihr über die Schulter, und stieß einen Pfiff durch die Zähne aus: "Wow, stimmt, das ist harter Tobak, du meine Güte... Aber das schaffst du bestimmt! Du hast auch Bon Jovi geschafft!" Es sollte tröstend wirken, doch bei Jess bewirkte es eher das Gegenteil. Sie blickte erneut auf die Coaches. Besonders bei Rea blieb ihr Blick haften, und es lag etwas in ihm, was diesen leicht frösteln ließ...
"Wollt ihr, dass ich versage? Nach allem, was ich schon durchgemacht habe hier, kommt jetzt IHR mit so etwas an; etwas, was ich niemals schaffen kann?! Wozu bin ich denn wieder hier, wenn ihr ohnehin nicht wollt, dass ich weiter komme?!"
Bevor jemand etwas erwidern konnte, und sie dazu kam, weiter zu reden, antwortete Samu: "ICH war diejenige, die dich diese Song ausgesuckt hat, Jess! Rea hat nix damit zu tun! Und ich habe dich diese Song nich gegeben, weil ich dich here raus haben will, das is Shit! Du brauckst immer noch eine wenig mehr Self-Confidence! Du hast dich die vorige Song auch nich wirklich zugetraut, weißt du noch? Und dann has du eine Performance hingelegt, die mit nix zu vergleichen war, die du vorher je gebracht hattest! Das muss gesteigert werden!
Bon-Jovi was great - but this is even greater! Und deswegen musst du jetzt noch eine Stufe höher steigen..." Er kam nicht weiter: "Aber das ist ein Bereich, in den ich nicht gehöre. Das ist nicht mein Musikstil.. Ich kann nicht..." "JESS, it's enough! Here hat jede von euch eine persönliche Last zu tragen. Das wird dem eine oder andere here genauso passier'n Das is nich deine "Bereich"? - Okay, it wasn't till now! Now you have make it to yours. Wie wirst du in die nächste Woche noch genug Zeit haben zu lernen. Mit Tom, with us... With everyone here. Und when du dich anstrengst, dann wird das was in die Live-Show, und dann bist du in die Semi-Finale. Und dann werden wir sehen, wie es weiter geht. Aber jetzt und here kummerst du dich um diese Song! Alright?" setzte er noch ein wenig sanfter hinzu.
Jess hatte ihn, während seiner, für seine Verhältnisse sehr langen, und harten, Rede, angestarrt, und dann blickte sie von ihm zurück zu Rea. Dieser sah sie ebenfalls an, und seine Augen waren sanft, als auch er sie ansprach: "Jess, ick denke, du wirst die Herausforderung meistern! Wir hätten dich nich diese song ausgesuckt, when wir nich meinten, dass du es nich schaffen wurdest! Du solltest uns so gut langsam kennen! Und dich selbst auch! You know: Self-confidance! Inner strength! You have it!" und er lächelte sie an.
Jess war weniger zum Lächeln zu mute, aber sie hatte auch keine Lust und vor allem keine Kraft mehr, zum Streiten. Der erst Schock war verdaut, und sie schaute noch einmal auf ihr Blatt herunter. Dieser Song würde mehr werden, als nur eine "Herausforderung" - das war vermutlich ihr Untergang. Aber sie wusste auch, dass eine Diskussion müßig war, und so nickte sie schließlich, und schob den Zettel in ihre Tasche. Die anderen sagten auch nichts mehr, und damit ging die Besprechung dem Ende entgegen. Die Coaches teilten ihren Talents noch die ersten Proben mit, gaben ebenfalls noch die "Stundenpläne" für die nächste Woche heraus - und entließen ihre Schützlinge damit erst einmal. Jetzt war Freizeit angesagt, und jeder konnte tun und lassen, was er wollte. Solange, bis die erste Probe angesetzt war, und das war für Jess nicht mehr allzu lange entfernt. Ihr graute jetzt schon davor. Sie hatte sich in ihr Zimmer verzogen und auf ihr Bett gesetzt. Leicht genervt nahm sie den Zettel aus der Tasche und hielt ihn sich vor die Nase. Die Buchstaben lagen vor ihr, doch die Melodie war so verwaschen, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie das jemals vernünftig würde singen können...
Kurze Zeit später kam Mandy in ihr gemeinsames Zimmer. Sie blickte zu Jess herüber, die auf ihrem Bett lag, und ebenfalls kurz einmal zur Tür hinüber schaute, als diese aufging. Dann blickte sie wieder auf ihr Blatt. Mandy konnte ihr die "Begeisterung" wohl am Gesicht ablesen...
"Hey, mal wieder keine gute Songauswahl getroffen, unsere Coaches, was?" versuchte sie, eine Konversation in Gang zu bringen. Jess antwortete nicht. Sie sah wirklich ziemlich genervt aus. "Hey, die schaffst das! Du hast Bon Jovi auch geschafft, und erinnerst du dich daran, wie entgeistert du von der Song Wahl warst?" Jess sah sie an, nach einigen Sekunden antwortete sie: "Ja, ich erinnere mich.. Aber Bon Jovi war was anderes als DAS hier! Und das weißt du denke ich auch! Zumal ich eine zusätzliche Last zu tragen habe. Die wissen vermutlich gar nicht, was sie mir hier aufbürden! Ausgerechnet Linking Park? Wenn ich das vergeige - was durchaus passieren kann - dann zerstöre ich eine Legende! Und alle Chester Bennington Fans lynchen mich; egal, ob ich die nächste Show erreiche, oder nicht! Man, wieso bin ich eigentlich wieder hier..." Ihre Stimme klang wirklich hoffnungslos.
Mandy seuftze. "Oh man, ehrlich Jess; ich dachte, mittlerweile hättest du mehr Selbstvertrauen entwickelt... Noch mal: Weder Rea noch Samu hätten DIESEN Song für dich ausgewählt, wenn sie nicht beide der Meinung wären, dass du dem gewachsen bist! Und sicher NICHT davon ausgehen, dass du das Andenken dieses grandiosen Künstlers in irgend einer Form beschmutzen wirst! Wenn du allerdings wieder mit diesen verdammten Selbstzweifeln anfängst, mit denen du mit zu Beginn schon ziemlich auf die Nerven gegangen bist, dann kann das durchaus passieren - und zwar nicht, weil du nicht gut genug bist, sondern weil du dich selbst für nicht gut genug hältst! Schon mal was von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung gehört?"
Jess starrte ihre Zimmergenossin an. War die jetzt unter die Psychologen gegangen, oder war da etwas, was sie nicht von ihr wusste? Studierte sie heimlich Psychologie? Wie auch immer, zuerst wollte Jess erneut protestieren, doch im Grunde wusste sie, dass Mandy recht hatte. Außerdem hatte es ohnehin keinen Sinn, sich dagegen aufzulehnen. Das hatte sie ja schon an Samus und auch Reas Reaktion gemerkt. Die beiden würden ihr vermutlich keinen anderen Song geben. Na, das konnte ja heiter werden. Der Song war hart, und wirklich absolut nicht ihr Ding; und dann kam eben noch die Sache mit dem Sänger dazu.. Wenn sie das vergeigte, zerstörte sie eine Legende. Wenn man da nicht nervös werden sollte, wann dann? War das nicht verständlich?
Mandy ahnte wohl ihre Gedanken, doch sie sagte nichts mehr. Das musste sie jetzt mit sich selbst ausmachen, und außerdem war ihr Lehrer dafür da, ihr den "Feinschliff" zu geben. Auch Mandy ahnte, dass es ziemlich schwierig werden würde. Abgesehen davon, dass Jess nicht ganz unrecht hatte, mit ihrer Aussage, bezüglich des Sängers, hätte es zig andere Songs von Linking Park geben können, die etwas "sanfter" waren, aber ausgerechnet den? Das war wirklich heftig. Und insgeheim konnte Mandy wirklich nur hoffen, dass es keinen anderen Grund gab, dass ihre Coaches sich ausgerechnet DEN Song hatten einfallen lassen...
Aber Mandy konnte sich wirklich nicht vorstellen, dass die beiden sie auflaufen lassen wollten. Auch sie mussten sich der Verantwortung bewusst sein, die sie hatten, vor allem diesen grandiosen Sänger gegenüber, der auf so tragische Weise zur Legende geworden war.
Mandy konnte nur das Beste hoffen, doch sie war nicht mehr dafür zuständig, Jess zu "coachen" - dafür waren jetzt Samu und Rea da. Und so nahm sie ihren eigenen Zettel und kümmerte sich um ihren Song. Die ersten "Privatstunden" standen bald an, und sie begann schon mal, langsam vor sich hin zu summen.
Jess ahnte, dass sie keine Hilfe mehr von Mandy erwarten konnte, und im Grunde wollte sie das auch nicht mehr. Ihre Worte hatten sie schon ein wenig angestachelt. Sie war nicht mehr schwach, verdammt noch mal! Und sie würde es schaffen, irgendwie... Doch insgeheim fraß sich da immer noch der Stachel des Zweifels in sie. Und das blieb auch noch so, bis schließlich ihre erste Übungsstunde auf sie zukam...
Es war soweit. Jess ging mit gemischten Gefühlen zu ihrem Probenraum, in dem bereits Tom, ihr Gesangslehrer, und auch Samu und Rea, auf sie warteten. Jess war etwas geschockt, als sie registrierte, dass beide Coaches dabei sein würden.
Dann riss sie sich zusammen. Sie versuchte es zumindest. Tom sah sie an, und auch Samus und Reas Blicke trafen sie. Dann nahm sie ihren Zettel aus der Tasche, den sie zusammen geknüllt hatte. Sie faltete ihn auseinander, und die Coaches beobachteten sie stillschweigend. Sie sagten alle drei nichts dazu, und schließlich war es Tom, der die Stille unterbrach. "Also, dann wollen wir mal. Du hast den Text, und ich nehme an, den Song kennst du auch. Also, dann fang mal an." Und er nickte ihr zu.
Jess schluckte. Ja, den Song kannte sie, doch sie wusste immer noch nicht wirklich, ob sie ihn auch singen konnte. So, dass sie dem Sänger keine Schande bereiten würde... Dennoch atmete sie einmal tief ein, und dann begann sie die ersten Töne von "Numb" zu singen. Es klang ziemlich leise und überhaupt nicht nach ihr. Das merkte Jess direkt.
Und auch Tom merkte es. Er unterbrach sie: "Jess, das geht aber sicherlich noch um einiges besser, oder? Lauter, und vor allem, mit mehr Enthusiasmus! Also, noch mal von vorne!"
Jess schluckte. Das fing ja schon mal wieder "gut" an... Rea blickte sie an, und sie konnte in seinen Augen die Wärme erkennen, die von früher kannte. Er räusperte sich und sagte, an Tom gewandt: "Wait a second: Jess, bitte, es is nich bös gemeint, weder von uns, dass were dich diese song gegeben haben, noch von Tom, dass he is a little bit streng... Bitte, du weißt, dass du gut bist! Wir wissen es, und du weißt es doch selbst! Please hor mit diese Selbstzweifel auf! Du kannst das! Die Song is schwer, ja, aber nich zu schwer for you! Come on, try again now, you make it!" Und er lächelte. Samu hatte gar nichts gesagt, er stand nur da mit verschränkten Armen. Wie Jess das einzuordnen hatte, wusste sie nicht. Wollte er der "Böse Coach" sein, weil Rea ihm zu "gut" war? Abgesehen davon, dass Jess nicht wusste, was sie davon halten sollte, dass beide Boys hier waren, Tom alleine hätte auch gelangt. Zumal er auch nicht gerade der "Nice Guy" war, und ein "Bad Guy" durchaus gereicht hätte...
Schließlich nickte sie nur, und begann noch einmal von vorne. Sie powerte erneut drauf los, und es klang ein wenig besser, als bei ihrem ersten Versuch, doch immer noch nicht wirklich so, wie es klingen sollte. Sie verfluchte sich selbst, weil es einfach nicht so klappen wollte, wie sie es sich selbst vorstellte.
Schließlich war es Samu, der sie ansprach: "Jess, I think you have a problem with yourself, am I right? Das brauckst du nicht! Damn it, Jess, du bist good, wie oft muss ich / mussen wir dir das denn noch sagen? Maybe you have a problem with the song... Okay, I understand you. It is a hard one - aber, was ich auch schon Rea gesagt habe: Die Shows werden auch harder, every time. We are in the second show now, und du brauchst eine Steigerung zu die vorige. Da hast du Bon Jovi gecrasht! Und das under die Circumstances..." Weiter sprach er nicht, denn alle wussten, was er meinte. Es war ruhig im Raum, während Samu fortfuhr: "Jess, please, try it! Ich sehe nicht, dass du dich wirklich Muhe gibst. Und das makes me very disappointed, to be honest! Ich will sehen, dass du wirklich in die Vollen gehst! Dass du alles gibst, what you have!..."
Jetzt war es Jess, die ihn nicht weiter reden ließ. Sie hatte lange genug zugehört, und es ärgerte sie, was er sagte. Sie fühlte ein Rumoren in ihrem Inneren, und das musste raus! "Samu, es stimmt nicht, dass ich mir keine Mühe gebe! Das tue ich! Aber ich sage es dir - und euch allen - hiermit noch einmal Das ist nicht meine Liga! Bon Jovi war noch okay, aber Linking Park ist mir echt zu hart, und dann auch noch der Song? Es hätte andere gegeben! Sogar Mandy war ziemlich überrascht, dass ihr mir DIESEN Song gegeben habt. Das ist einer ihrer härtesten! Und im übrigen: Wenn du mir sagst, dass es von Show zu Show härter wird, wie bitte, soll das dann im Halbfinale gesteigert werden? Sollte ich es wirklich dorthin schaffen? Was bitte lasst ihr euch denn da für mich einfallen? Wir stehen gerade erst vor der zweiten Live-Show..."
Samu blickte sie an, dann antwortete er: "Lass das mal unser Sorge sein, Jess... Wie du schon sagst, the second Live-Show is NOW! Und was dann in die Semi-Finale kommt, das sehen wir later. One step after the other! Und now I want to see you sing!"
Jess gab nach. Sie ahnte, dass es keinen Sinn hatte, weiter zu diskutieren. Sie atmete einmal tief durch, dann probierte sie es erneut. Bei ihrem dritten Mal klang es bereits um einiges besser, zumindest der Anfang, aber als sie dann zum Refrain kam, in dem ja nun richtig gepowert wurde, klang ihre Stimme erneut leicht wackelig. Samu wollte erneut ansetzen, etwas zu sagen, als Tom ihm ein Zeichen gab, zu schweigen. Dann sprach er an Samu und auch Rea gewandt: "Samu, Rea, vielleicht wäre es besser, wenn ihr uns für den Rest der Stunde alleine lasst... Ich denke, der Druck ist ein wenig zu hoch für Jess. Nach dem ganzen Stress, den sie bereits hinter sich hat. Es wäre vielleicht angebrachter, wenn ich sie alleine unterrichte. Würdet ihr uns bitte alleine lassen?"
Sowohl Jess als auch die Jungs sahen den Gesangstrainer überrascht an, besonders Samu war anzusehen, dass er überhaupt nicht damit einverstanden war, aber sie fügten sich schließlich, und gingen. Dann blickte Tom Jess an, und sagte: "So, damit wären ja schon mal zwei Stressfaktoren weniger im Zimmer", er lächelte. "Also Jess. Was Samu gesagt hatte, war sicherlich etwas hart ausgedrückt, aber im Grunde hat er Recht. Und weder er noch Rea wollen dir etwas "Böses", dass weißt du sicherlich auch. Ja, der Song ist hart, aber er ist nicht unerreichbar für dich, dass weiß ich! Du musst es nur selbst ebenfalls wissen!
Worüber ich mir gerade Gedanken mache ist, dass es nicht unbedingt genauso gesungen werden muss, wie Linking Park, beziehungsweise Chester Bennington, es singt. Es kann durchaus noch variiert werden, damit es ein klein wenig mehr nach "Jess Meurer" klingt. Nicht vollständig, selbstverständlich soll schon noch das Original heraus zu hören sein. Aber wenn ich deinen letzten Versuch als Beispiel nehme: Also der Anfang war schon ziemlich gut. Noch ein wenig mehr Feinschliff, und es passt. Doch der Refrain ist definitiv ausbaufähig. Um es vorsichtig auszudrücken. Das hast du sicherlich selbst auch schon gemerkt. Gehe in dich und singe den Song so, wie DU ihn singen würdest. Erst einmal vollkommen unabhängig von dem Original. Ich weiß, das wird schwer sein. Aber es ist zu schaffen. Versuche es bitte jetzt noch einmal und singe es nach deiner Art. Ich sag dir dann schon, was ich davon halte..."
Jess wusste nicht, was sie davon halten sollte. Sie sollte ihn anders singen? So, wie SIE ihn singen würde? Wenn sie jetzt wüsste, wie sie ihn singen würde, sie hatte keine Ahnung...
Aber sie spürte Toms Blicke auf sich, und atmete erneut tief durch, dann schloss sie die Augen und begann erneut. Den Text brauchte sie schon gar nicht mehr, den konnte sie bereits auswendig. Es ging auch nicht um den Text, im Grunde spürte sie momentan dasselbe, was der Sänger in dem Song zum Ausdruck brachte: Sie fühlte sich erstarrt, gefühllos, zu etwas "gezwungen", was sie eigentlich nicht wollte...
Aber genau diese "Gemeinsamkeit", wenn man es denn so nennen sollte, war es schließlich, die dazu führte, dass Jess es dieses Mal um Längen besser hinbekam.
Tom war erstaunt. Sie stand vor ihm, mit geschlossenen Augen, und ihre Stimme hatte einen Klang angenommen, den er vorher noch nie an ihr gehört hatte. Sogar noch besser, als bei den Proben, die er bereits mit ihr durchgeführt hatte. Und als sie dann zum Refrain kam - den Anfang hatte sie sehr gut gemeistert - wurde sie dieses Mal nicht zwanghaft lauter. Tom hatte bei den beiden vorigen Versuchen durchaus bemerkt, dass sie zwanghaft versucht hatte, sich dem, beinahe schreienden, Tonfall Chesters anzupassen. Und das passte in der Tat nicht zu ihr.
Doch nun sang sie um einiges weicher. Zugegebenermaßen war es nun ein wenig ZU weich, und Tom wusste, dass er daran nun wieder arbeiten musste; dennoch war es ein himmelweiter Unterschied zu eben. DAS war definitiv Jess - und nun musste er es schaffen, eine Mischung aus beidem hinzubekommen. Sie musste noch lernen, etwas härter zu werden, ohne wieder in den Schrei-Modus zu gelangen. Aber er war zuversichtlich, dass sie das hinbekommen würden; die Frage war nur, ob SIE das auch war? Fehlendes Selbstvertrauen schien immer noch Jess' Problem zu sein...
Dann war Jess fertig, Tom hatte sie dieses Mal nicht unterbrochen, und öffnete nach Beendigung des Songs die Augen. Tom blickte sie an, und sagte erst einmal gar nichts. Jess' Herz pochte. Sie hatte schon Angst, er würde sie erneut maßregeln, und ihr sagen, dass sich rein gar nichts verbessert hatte, aber schließlich grinste Tom und sagte: "Wow, das war wirklich klasse, Jess! Genauso hab ich mir da vorgestellt - DAS warst DU! Natürlich bist du noch nicht da, wo ich dich haben will, ich denke, dass wirst du auch wissen. Die Melodie, so wie du sie gesungen hast, ist jetzt etwas ZU sanft... Ich weiß, das ist wohl eher dein Stil, aber, wie du sicherlich ahnen wirst, es ist nicht Linking Park! Ein wenig mehr "Rock" muss da rein! Aber das werden wir auch noch hinbekommen. Es ist noch Zeit genug! Du brauchst dich auch nicht selbst zu stressen. Der Anfang ist wirklich klasse gewesen. Im übrigen denke ich, dass du den Anfang des Songs genauso belassen kannst. Weich, und sanft - am Refrain müssen wir arbeiten. Der muss härter werden; aber nicht so, wie zuvor. Härter bedeutet in diesem Fall: "rockiger"! Ich möchte, dass du noch einmal anfängst, wie vorhin. Meinetwegen kannst du deine Augen geschlossen halten - dass du sie dann irgendwann beim Singen öffnen musst, sollte dir klar sein. Aber jetzt ist es noch okay. Fang noch einmal an, und dann wirst du langsam rockiger. Nicht unbedingt lauter, das brauchst du nicht einmal. Du musst nicht schreien, so wie der Sänger es tat, du bist nicht Chester Bennington! Du bist Jess! Und du singst es nach DEINEM Stil, mit ein wenig mehr Pep! Da ist noch mehr in dir Jess, du musst es nur erkennen! Also, hopp!" Und die Musik setzte erneut ein.
Jess atmete erneut tief durch. Tom ließ ihr keine Zeit, lange nachzudenken, vermutlich sollte das auch so sein.. Na gut. Sie hatte die Augen wieder geschlossen, und begann erneut. Zuerst langsam, so wie zuvor, mit sanfter Stimme, und einem Gefühl in sich, das sie selbst nicht beschreiben konnte. Irgendwie dachte sie an den Sänger, der so tragisch aus dem Leben gerissen wurde. Doch gleichzeitig durchfuhr sie eine gewisse Stärke. Sie konnte es selbst nicht erklären.
Als sie dann zu dem Refrain kam, hatte sie die Augen immer noch geschlossen, doch darüber machte sie sich keine Gedanken. Jetzt noch nicht. Sie behielt sie zu, und wurde langsam stärker. Ihre Stimme wurde rauer, doch es klang nicht zu rau, es klang immer noch gut. Und sie bekam eine Stärke, die sie zuvor nicht gehabt hatte, ohne wirklich "laut" zu werden. Jess hatte das Gefühl, dass ihre "Erstarrung", die sie zuvor noch gespürt hatte, sich löste, und das merkte man ihr an. Ihre bis jetzt noch da gewesenen Selbstzweifel waren wie weggewischt. Sie sang sich die Seele aus dem Leib.
Genau in diesem Augenblick kamen Samu und Rea zurück. Rea hatte einen kleinen Disput mit seinem neuen Partner gehabt, weil er der Meinung war, dass dieser zu streng mit Jess gewesen war. Samu hatte diesem widersprochen, doch so wirklich auf einen Nenner waren sie nicht gekommen. Rea war sich nicht sicher, ob Samu nicht seinetwegen so streng mit Jess umgegangen war, doch Samu hatte dies natürlich abgestritten. Er wäre mit allen so, und Jess brauchte auch mal eine Ansage - Rea wäre seiner Meinung nach viel zu weich!
Schließlich hatten sie sich darauf geeinigt, noch einmal zurück zu kehren, um zu sehen, wie weit Tom nun mit ihr gekommen war; und Rea hatte Samu darum gebeten, sich ein wenig zurück zu halten. "Let's see what happend..." sagte Samu nur dazu, und dann betraten sie den Raum - und blieben erst einmal völlig überrascht am Türrahmen stehen...
Tom hatte die beiden gesehen, und zeigte ihnen an, leise zu sein, und die Tür zu schließen. Beide traten so still wie möglich ein und schlossen die Tür, dann stellten sie sich ruhig in eine Ecke und schauten, beziehungsweise hörten, einfach nur zu.
Das war ja meilenweit von dem entfernt, was sie zuletzt von ihr gehört hatten. Sowohl Rea als auch Samu bekamen Gänsehaut, als sie Jess' Variante von "Numb" hörten. Ja, es war eine etwas andere Version, aber dennoch war es wunderschön. Vielleicht an der einen oder anderen Stelle immer noch ausbaufähig, aber dafür, dass hier die erste Übungsstunde war, und sie vor noch nicht allzu langer Zeit noch so gut wie gar nichts zu Stande gebracht hatte, vor lauter Selbstzweifel nur so überquoll - mal wieder - war das eine Steigerung um Zehnfache!
Schließlich war Jess fertig, und öffnete die Augen wieder. Natürlich ging sie davon aus, dass sie mit Tom allein im Zimmer war, um so erstaunter, ja beinahe erschrockener, war sie, als sie plötzlich Samu und Rea auf der anderen Seite erkannte. "Ihr, ihr seid wieder hier... Seit wann?" fragte sie, beinahe schüchtern. Samu blickte sie an, und zuerst konnte sie seinen Gesichtsausdruck nicht wirklich deuten, doch Rea lächelte bereits bis über beide Ohren. Dann begann auch Samu zu grinsen. So kannte sie ihn auch noch bei ihren ersten Übungsstunden. Nicht so hart wie eben, kurze Zeit zuvor...
Schließlich antwortete dieser auch, bevor es Rea oder Tom tun konnten: "Wow, tell me, what happend? Was is passiert, here? Had es was damit zu tun, dass wir weg waren? War es so schlimm mit uns? Du bist eine völlig neue Mensch, Jess! THIS was great! So hab ich mich das vorgestellt! Sure there has to bei worked on it, it's not perfect yet! Aber es is so much better als eben! Tell me, us, what you think", und er schaute sie direkt an.
Jess schluckte. Meinte er wirklich, dass sie es gut gemacht hatte, und dass es vielleicht daran liegen könnte, dass er und Rea aus dem Raum gegangen waren? Vielleicht... Ja, zuerst könnte es tatsächlich daran gelegen haben, aber dann erinnerte sie sich, dass sie auch andere Gefühle während des Singens gehabt hatte, und das hatte nichts mit ihnen zu tun gehabt. Und genau das antwortete sie dann auch.
Rea blickte sie ebenfalls an, und dann war er es, der sie anlächelte und sagte: "It was really great, Jess. Ich denke nicht, dass du wirklich "perfect" sein musst; dass ist bestimmt here niemand. Aber auch ich denke, dass die Feinschliff noch fehlt, die du aber in die Woche, die wir here trainieren, noch hinbekommen wirst. You've got the feeling for the song. This is good! Das is die wichtigste dabei. Dass du die Song spurst! Bleib dabei. Geh in dich and feel it! And now: Sing it again - but I want to see it with open eyes!" und er blickte sie dabei genau an.
Auch Jess blickte zurück. Sie erinnerte sich an früher, als er noch ihr einziger Coach gewesen war, und dass er es damals schon nicht besonders gut gefunden hatte, wenn sie die Augen geschlossen hatte. Sie blickte auch noch einmal zu Tom hin, und dieser nickte ebenfalls. Jess atmete erneut tief durch, dann begann sie ein weiteres Mal, jetzt mit geöffneten Augen. Die Musik setzte ein, und sie konzentrierte sich. Versuchte, alle hier in dem Raum, die sie durchaus ansahen, das war ihr bewusst, auszuschalten, und sich nur auf den Song zu konzentrieren. Und das gelang ihr sogar. Und wie es ihr gelang. Es wurde von Mal zu Mal besser, und das Gefühl, was sie beim letzten Mal in sich spürte, die Gänsehaut, die sie durchlaufen hatte, spürte sie auch jetzt. Und mit ihr alle, die ebenfalls im Raum waren.
Ja, sie war gut. Sogar mehr als gut! Und langsam begriff auch Rea, dass es vielleicht manchmal gar nicht so schlecht war, seinen "Schützling" nicht mit Samthandschuhen anzupacken. Samu hatte schon gewusst, was er tat. Obwohl auch dieser gerade den Eindruck machte, als wäre er selbst von dem Ergebnis überrascht. Der Song wurde zu Jess eigenem - obwohl das Original nicht ganz verloren ging.
Es gab durchaus noch einzelne Stellen, die verbesserungswürdig waren, und an denen sie arbeiten musste, aber dafür waren die Trainingsstunden ja da Für die erste hatte sie durchaus mehr geleistet, als selbst Samu ihr, zu Beginn, noch zugetraut hätte. Er lächelte ebenfalls, und sein Grinsen wurde noch breiter, als Jess schließlich fertig war. Für heute war ihr Training beendet, doch es folgten noch einige, bis dann, in etwas weniger als einer Woche, die zweite Live-Show begann. "You will make it, Jess!" sagte Samu nur, zeigte seinen Daumen, und dann ging er. Rea grinste mindestens genauso wie sein Kumpel, und sagte, bevor er ebenfalls den Raum verließ: "Your inner strength is back!, dann folgte er Samu. Als Jess erneut mit Tom alleine war, lobte auch dieser sie, und entließ sie schließlich. Für heute hatte sie genug geleistet. Und das hatte sie wirklich. "Gut gemacht, Jess. Und jetzt ist Feierabend. Die Einteilung deiner Übungsstunden für die kommenden Tage hast du ja schon. Wir sehen uns. Und, du hast gehört, sowohl Samu als auch Rea, haben deinen Erfolg registriert. Und das wird garantiert noch besser werden!, und auch er grinste.
Und auch Jess schwirrte der Kopf. Sie konnte kaum fassen, dass sie wirklich so gut gewesen sein sollte? Noch nicht "perfekt", wie Samu bemerkt hatte, aber immerhin gut genug, dass er und auch Rea, sogar Tom, sie lobten. Und auch sie selbst hatte den Eindruck, dass sie zumindest beim letzten Mal wirklich gut gewesen war. Und das mit offenen Augen! Somit verließ sie das Übungszimmer und ging hinauf in ihr gemeinsames Zimmer, das sie sich mit Mandy teilte.
Diese wartete bereits auf sie, ihre Stunde kam noch: "Und, wie ist es gelaufen? Wenn ich fragen darf..." setzte sie noch etwas schüchterner hinterher. Sie war sich wohl nicht sicher, wie sie mit Jess umgehen durfte, diesbezüglich.
Doch Jess lächelte. "Sehr gut, und entschuldige, wenn ich vorab - mal wieder - etwas mürrisch gewesen bin.. Der Anfang war wirklich grausam, so ähnlich, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber dann wurde es tatsächlich immer besser! Sogar Samu und Rea fanden es gut..." Mandy blickte sie überrascht an: "Die waren auch dabei? Na, da bin ich ja mal gespannt, wie das bei mir sein wird.. Aber wenn die dich gelobt haben, dann wirst du es ja ganz gut gemeistert habe; sag ich doch. So schlecht, wie du dich immer selbst machst, bist du gar nicht!"
Jess ging davon aus, dass es ein Kompliment sein sollte, auch, wenn es im ersten Moment vielleicht nicht ganz so klang, und nickte, dann lächelte sie und ließ sich auf ihr Bett fallen. Sie schloss erneut die Augen und begann noch einmal, dieses Mal ohne Druck, einfach aus einer Laune heraus, den Song zu singen. Und sie vergaß dabei auch völlig, dass Mandy mit im Zimmer war... Als sie fertig war, wurde ihr das allerdings wieder bewusst, denn diese starrte sie an. Jess spürte ihren Blick auf sich und es wurde ihr wieder etwas unwohl. "Was ist los? Wieso schaust du mich so an? Hab ich 'nen Pickel auf der Nase, oder was?" "Nein, aber das würde mich weniger überraschen, als das, was ich da gerade gehört habe... Was haben die denn mit dir gemacht? Das war ja der Hammer! Ich hatte gerade Gänsehaut, ganz ohne Scheiß... Und du hast dir den Song nicht zugetraut? Ich muss reinhauen, wenn ich Chancen gegen dich haben will, ins Halbfinale zu kommen...", und sie zwinkerte Jess zu. Diese schaute sie an, und versuchte heraus zu finden, ob diese sie irgendwie veralbern wollte, aber sie konnte nichts falsches an ihr erkennen. Im Grunde wusste sie ja, dass Mandy nicht log. Und grundehrlich immer alles sagte, was sie dachte. Auch, wenn es unangenehm war... "Danke", sagte sie nur, dann lächelte sie, und ruhte sich ein wenig aus. Für heute reichte es. Neben ihr begann Mandy ihren Song zu singen, und auch dieser klang wunderschön...

